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Freitag, 1. Januar 2021

Am Neujahrstag im kalten See, ein Segen und Rückblick auf die Wintersonnenwende...

Der erste Tag des Neuen Jahres neigt sich bereits dem Ende entgegen... Doch noch sind wir in den Raunächten. Dazu passt der Druck "Traum-Weber" von Beth Wildwood (KLICK). (Werbung ohne Auftrag) Ich schenkte ihn mir zur Wintersonnenwende. 

Ich wünsche uns allen ein gesundes Neues Jahr! Mögen wir uns in unserer Kraft und Einzigartigkeit spüren und - auf welchen Kanälen auch immer - begegnen und mit unzähligen Momenten von Liebe und Freude, Verbundenheit und Erfüllung beschenkt werden. Mögen wir mit genau den Herausforderungen in Kontakt kommen, die wir bewältigen können und die uns darin unterstützen, noch mehr wir selbst zu sein. Möge das Leben sich uns in all seiner bunten Pracht zeigen und mögen wir diese auch in den alltäglichsten Situationen entdecken und würdigen. Mögen wir bereit sein, alle hellen und dunklen Gefühle zu fühlen, so dass wir an unsere Lebendigkeit angeschlossen sind. Mögen wir unser Herz offen halten und Mitgefühl für unser Gegenüber und uns selbst empfinden. Möge es uns gelingen, aus Kämpfen schnell wieder auszusteigen und zurückzufinden zu dem, was wir wirklich WIRKLICH leben wollen. Mögen wir uns mit uns selbst und immer wieder neu auch miteinander verbinden, um die Erfahrung zu stärken, dass wir nicht allein sind, sondern dazugehören und ein wichtiger Teil des großen Ganzen sind. Mögen wir unsere Gaben zu unserem Wohl und zum Wohle aller Wesen einsetzen.

Ich freue mich so, heute im eiskalten See gewesen zu sein. Damit habe ich meine Umsetzungskraft gestärkt und mir selbst ein Versprechen gegeben. Der See war mein Zeuge. Ein gutes Gefühl, das Neue Jahr auf diese Weise zu beginnen. Auf dem Weg zum See haben wir einen Seeadler auf dem Feld beobachten dürfen. Was für ein Geschenk und was für ein schönes Zeichen!

Die Wintersonnenwende habe ich allein im Wald verbracht. Noch bei Tageslicht spannte ich mein Tarp...


...und füllte voller Dankbarkeit den Gabentisch für die Waldtiere...


Ich hatte Kiefernzapfen auf die Heizung gelegt, damit sie sich vollständig öffnen und sie dann mit Vogelfutter gefüllt. So gern habe ich übers Jahr den Gefiederten gelauscht und sie beobachtet, mich mit ihren zauberhaften Federn beschenken lassen. Die Vogelfutterzapfen waren mein Dank. 


Ich entzündete ein kleines Feuer und ließ mich von den lebendig tanzenden Flammen hypnotisieren. Lange saß ich so.


Nachdem ich mit des Feuers Hilfe eine Kerze angezündet und so das Licht zurückgeholt hatte...


...kroch ich in den kuscheligen Schlafsack unter dem Tarp, genoss es, mich der Erde unter mir anzuvertrauen und mich vom Trommeln des Regens und vom auffrischenden Wind in den Schlaf singen zu lassen. Alle Elemente waren versammelt und ich schlief  - aufgehoben, geborgen und getragen...

Wie hast Du die Wintersonnenwende verbracht? 

Herzlich grüßt Dich

Jana

Montag, 25. Mai 2020

Kurze Draußenzeit mit tiefer Erkenntnis...


Im letzten Post hatte ich ja bereits erzählt, dass ich eine einwöchige Draußenzeit im Wald geplant hatte, um wieder tiefer einzutauchen in das wilde Leben, mich mit dem gefiederten Völkchen und den Vierbeinern, den Krabbeltierchen, Pflanzen, Steinen, dem Wetter, den Elementen, den Lichtverhältnissen und den so vielfältigen Geräuschen zu verbinden. Bevor ich losgewandert bin, hatte ich mich jedoch einigen inneren Widerständen zuzuwenden. Es gab Anteile in mir, die gern im Vertrauten geblieben wären und mir zuflüsterten: Du kannst Deinen Urlaub auch in der gemütlichen Jurte verbringen. Bist Du sicher, dass Du unbedingt zu den Eisheiligen eine Fastenwanderung machen willst? Ich weiß inzwischen, dass ich neben den wundervollsten Tierbegegnungen und Erlebnissen IMMER auch Herausforderungen zu bewältigen habe. Das Geschenk im Anschluss bedeutet Wachstum. Natürlich gab es auch den anderen inneren Anteil, der vorfreudig war und es kaum erwarten konnte, endlich den Rucksack zu packen und wieder loszuziehen.

Es ist ein so schönes Gefühl, das eigene Zuhause in Form einer Plane, eines Tarps dabei zu haben, nichts zu müssen und alles zu können. Ich ließ mich von meinem Bauchgefühl leiten und wanderte direkt von der Haustür aus los. Stromerte hierhin und dorthin, besuchte alte Baumfreunde. Bei heftigeren Regenschauern schlüpfte ich unter meinen Regenponcho, setzte mich an den Wegrand, beobachtete den Regen und den Wind, lauschte den veränderlichen Geräuschen. Als sich der Himmel dann vollständig verdüsterte, wurde es Zeit, mir einen ersten Lagerplatz zu suchen. Ich fand ihn in einem Wald und schaffte es gerade noch, mein Tarp aufzuspannen, bevor es in Strömen und durchgängig regnete. Dankbar für diesen Platz, an dem ich mich wohl behütet fühlte, schlief ich ein und erwachte immer mal wieder. Vielleicht kennst Du diesen besonderen Schlaf in der Natur auch? Er ist um einiges leichter als in Steinhäusern. Die Nacht war wundervoll. Überall knusperte und trappelte, knackte und stampfte es. Und ich war mittendrin, in meinen warmen Schlafsack gekuschelt, fühlte mich zugehörig und sehr willkommen. Der Regen trommelte gleichmäßig auf das Tarp und mich immer wieder in den Schlaf. In dieser Nacht träumte ich u. a. auch, dass mein Portemonnaie gestohlen wurde. Am nächsten Morgen kam sogar kurz die Sonne heraus und zauberte Schattenspiele auf die Plane. 


Da das Tarp noch nicht trocken war, ließ ich es stehen, verbarg meinen großen Trekkingrucksack unter dem Tarp und einer weiteren Plane, packte meinen kleinen Tagesrucksack, nahm ganz nebenbei auch mein Portemonnaie mit all meinen Papieren mit (ohne den Traum hätte ich es sicher nicht gemacht) und stromerte los. 

Dieser wundervolle Duft nach dem Regen... Wenn der Wald und alle Naturwesen aufatmen... So wunderschön! Ich sah zwei Füchse und einige Rehe, ein Feldhase saß in seiner Sasse und sprang auf, als ich ihm zu nah gekommen war. Die Pusteblumen trugen ihr Regenkleid...


...Die Fichtenspitzen leuchteten...


...und die Kastanienblüten bestaunte ich einmal mehr ob ihrer filigranen Schönheit...


Immer wieder setze ich mich an einen Baumfreund, beobachtete, lauschte, sang und rasselte. Ich ließ mein Mitgefühl überfließen und verströmte meine Liebe.


Nach ungefähr drei Stunden war ich zurück und entdeckte, dass mein Wanderrucksack...


...verschwunden war. 

Erst konnte ich es nicht glauben und als es dann langsam als Realität bei mir ankam, war ich unendlich traurig. Mein Draußenzuhause wirkte, als ob jemand hastig den Rucksack unter der Plane hervorgezogen hatte. Die verkruschelte Abdeckplane und alles, was sonst noch unter dem Tarp war, lag noch da.

Was ich durch diese Herausforderung wohl lernen soll? 


(Soweit ging mein Instagram-Post gleich nach meiner Rückkehr aus dem Wald...)

Was danach passierte? Ein Sturm aus diversen Gefühlen durchtobte mich. Anderthalb Tage flammte er in Wellen immer wieder auf. Ich war fassungslos und sooo traurig, dann wütend und zornig und der Gefühlssturm begann von vorn. Mein Herz war schwer und bedrückt. Nach und nach ging mir auf, was ich alles verloren hatte. Gleichzeitig relativierte etwas in mir und meinte, ich hätte ja kein lebendiges Wesen verloren. Und doch - meine Gefühle waren da, wollten Raum haben und durchfühlt werden... Du musst wissen, dass Dinge für mich nicht nur materielle Dinge sind, sondern Begleiter. In dem Trekkingrucksack war mein kostbarer Daunenschlafsack, mein nigelnagelneuer Wasserfilter, den ich extra für die Visionssuche in Amerika gekauft hatte, Regenjacke und -hose, ein Paar Wildlinge, mein geliebtes Taschenmesser in der Lederscheide und weitere Werkzeuge, Wohlfühlkleidung, meine kleine Teelichtlaterne, Räucherwerk, mein selbst gebautes Hobo-Köcherchen, eine Edelstahltasse und meine vier Medizinrad-Steine, die mir 2014 auf meiner Visionssuche in Colorado vor die Füße gesprungen waren. Dieses kleine Medizinrad, das mich nun schon sechs Jahre begleitet, war und ist der traurigste Verlust... 

Zuerst suchte ich die Gegend ab. Immer noch in der Hoffnung, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hatte und mir einen Schrecken einjagen wollte. Aber nichts... Mit schwerem Herzen baute ich mein Tarp ab, schnallte es zusammen mit der Isomatte an meinen Tagesrucksack, rief meine Tochter an und bat sie, mich abzuholen. Traurig wanderte ich ihr entgegen.

(Eigentlich hatten wir meine Fastenwanderung und die Renovierung unserer Küche durch meine mit zwei goldenen Händen ausgestattete Tochter in die gleiche Woche gelegt, weil ich täglich frisch koche und das ohne Küche recht schwierig ist. Nun war alles anders gekommen. Ich übernahm Handlangerinnenarbeiten, unterstützte Nina beim Renovieren und richtete eine Behelfsdraußenküche ein.)

Wie gesagt - anderthalb Tage währten die wellenartigen Gefühlsstürme. Ich fragte beim Fundbüro nach, gab bei Ebay Kleinanzeigen eine Suchmeldung auf, hängte ein Plakat mit Rucksackbildern und meiner Telefonnummer in den Wald, mailte den zuständigen Revierförster an - nichts. Während ich all das tat, war ich von der Akzeptanz des Verlustes noch weit entfernt.

Und dann geschah Erstaunliches: Die Gefühle waren wie ein aufgewirbeltes Meer und GLEICHZEITIG nahm ich den Boden in mir war und der war ruhig und still und sicher. Ich war fast verwundert und beobachtete mich weiter. Der Diebstahl war ja wie ein Einbruch in meinen Privatraum, ein Eindringen in Heiliges. So etwas hatte ich als Kind über viele Jahre wiederkehrend erlebt. In Folge dessen war mein Urvertrauen arg erschüttert worden bis ich es für eine Zeit vollständig verloren hatte. Jetzt war es für einen Moment wie eine Reaktivierung früherer Erfahrungen. Es gibt nur einen gravierenden Unterschied: Ich muss diese Erfahrung nicht generalisieren, denn ich weiß inzwischen, dass ich gehalten und getragen bin, dass ich - unabhängig davon, was Menschen tun und lassen - in einer wohlmeinenden Welt mit vielen wundervollen Geschwistergeschöpfen lebe, mit denen ich zutiefst verbunden bin. Ich fühle mich aufgehoben und bin voller Vertrauen. Diese eine Erfahrung kann mein über die Jahre zurückgewonnenes Urvertrauen nicht erschüttern. Ich werde weiter durch die Natur wandern und mir abends einen Schlafplatz im Wald suchen.

Ich habe also verstanden, wofür ich diese Herausforderung erleben durfte: Sie hat mir gezeigt, wo all meine innere Arbeit mich hingeführt hat, dass ich auch dunkle Gefühle annehmen und durchfühlen kann und vor allem URVERTRAUEN besitze. Und dafür bin ich unendlich dankbar.

Was war Deine letzte Herausforderung durch das Leben? 
Und was hat sie Dich gelehrt?


Alles Liebe!

Jana

Dienstag, 12. Mai 2020

Corona-Krise und das Rad der Transformation - Teil 4

Bevor ich mich heute aufmache, in meine diesjährige Draußenzeit eintauche und eine Woche fastend in der Natur verbringe, will ich Dir noch das 4. Video von Ursula und David Seghezzi vom uma-Institut verlinken. Es geht um den "Winter" und die spirituelle Dimension als wichtigen Teil eines jeden Transformationsprozesses. 


Und hier noch einmal die weisen Worte von White Eagle (Hopi) vom 27.3.2020 zum Nachlesen:

"Dieser Moment, den die Menschheit gerade erlebt, kann als Pforte oder Loch betrachtet werden. Die Entscheidung, ins Loch zu fallen oder durch die Pforte zu schreiten, liegt an Euch. Wenn Ihr das Problem bedauert und rund um die Uhr Nachrichten konsumiert, mit negativer Energie, dauernd nervös, mit Pessimismus, werdet Ihr in dieses Loch fallen.
Aber wenn Ihr die Gelegenheit ergreift, Euch selbst zu betrachten, Leben und Tod zu überdenken, für Euch und andere Sorge tragt, dann werdet Ihr durch das Portal gehen...."

Donnerstag, 30. April 2020

Corona-Krise und das Rad der Transformation - Teil 3

Ich habe ein großes JAAA in mir und bin soooo voller Freude, Dankbarkeit und tief  berührt, wie klar und prägnant Ursula und David Seghezzi vom uma-Institut die Corona- und die Klima-Krise ins Rad der Transformation legen und hineinzoomen... Die Sicht auf diese Zeit entspricht meiner. Möge dieses Video viele Menschen erreichen und ein Umdenken unterstützen!


Herzlich grüßt Dich
Jana

Dienstag, 31. März 2020

Die Corona-Krise als Transformationschance hin zu einer lebensdienlicheren Welt

So gern teile ich die wertvollen Gedanken von Ursula und David Seghezzi vom uma Institut (KLICK), die mir aus der Seele sprechen. Zuerst in Form des kurzen Videos...


...und hier in einem längeren Text (KLICK), der sich sehr zu lesen lohnt. 

Mögen wir die Chance in dieser Krise sehen und nutzen. Jede*r dort, wo er oder sie gerade wirkt.

Hier kommt eine warme Umarmung für Dich

Jana

Freitag, 12. April 2019

Ausstieg aus der Drogensucht - Einblicke in meine Arbeit...



Inzwischen bin ich im 19. Jahr in einer Rehaklinik angestellt, in der Menschen im Durchschnitt ein halbes Jahr lang Therapie nutzen, um den Ausstieg aus der Sucht nach illegalen Substanzen zu bewältigen. Die Klinik wanderte bereits durch viele verschiedene Trägerhände, der Name änderte sich mehrfach, die Chefärzte wechselten, es veränderten sich (und ich veränderte) Rahmenbedingungen und ich vertiefte die Inhalte meiner Arbeit immer mehr. Mein Verständnis von Sucht (und den in uns allen vorhandenen ausweichenden und abhängigen Anteilen) wandelte sich, wurde reifer und ressourcenorientierter. Meine Herzbegegnung zwischen uns Menschen blieb. Ich liebe meine Arbeit und es erfüllt mich sehr, das Wiederlebendigwerden, das Aufblühen, die Heilung von Menschen miterleben zu dürfen.



Seit Januar 2018 bin ich nur noch Mittwoch und Donnerstag für 16 Stunden in der Klinik, denn Montag, Dienstag und Freitag arbeite ich genauso gern  in meiner Coachingpraxis (KLICK)

In der Klinik unterstütze ich zwei Traumatherapiegruppen (PatientInnen mit der Doppeldiagnose Traumafolgestörungen und Abhängigkeitserkrankungen) mit prozessbegleitender Ergotherapie auf ihrem Weg durch die unterschiedlichen Gruppen- und Therapiephasen. Außerdem habe ich sechs Einzeltherapieplätze (mit einer gut gefüllten Warteliste) und biete eine geschlossene Gestaltungstherapiegruppe an. Auch die ist sehr begehrt. Hier treffen sich über einen Zeitraum von zwei Monaten 8 Patientinnen und Patienten unterschiedlicher Therapiegruppen zu ihrer gemeinsamen Heil- und Entwicklungsarbeit einmal wöchentlich für 2,5 Stunden. Aktuell läuft gerade meine 54. Gestaltungstherapiegruppe. Da staune ich selbst. Und gleichzeitig ist jede Gruppe einzigartig und immer wieder neu.



Meine Arbeit ist eher prozess- als produktorientiert und all das, was ich selbst in meinen Ausbildungen, vor allem aber auch in meinem Leben als unterstützend und hilfreich, als entwicklungsfördernd, verbindend und heilend erlebt habe, darf auch in meine Arbeit einfließen. Für diese Freiheit bin ich unglaublich dankbar. (Und dürfte ich nicht zu 100% so arbeiten, wie ich aufgrund meiner Werte arbeiten will, wäre ich nicht mehr dort.) Den tragenden Boden bildet mein Verständnis für zyklische Kreisläufe.


Ich bin als Ergotherapeutin angestellt und habe über vier Jahre berufsbegleitend Kunst- und Gestaltungstherapie mit tiefenpsychologischer Ausrichtung studiert, habe eine Weiterbildung zur Kreativen Traumatherapeutin absolviert, bin Wildnispädagogin und Zertifizierte Seelenzentrierte Coachin. Aus all diesen Bereichen fließen Impulse, Methoden, Haltungen in meine Arbeit ein. Schwerpunktthemen sind  Selbstwahrnehmung, Selbstakzeptanz und -liebe, Selbstwertgefühl, das Fühlen heller und dunkler Gefühle, Verbindung und Verbundenheit mit sich selbst, mit anderen Menschen, mit der Natur, Authentizität, Lebendigkeit und Freude, Konfliktmanagement, Krisenbewältigung, Sinn, Erfüllung und Heilung.


Beim Gestalten geht es darum, inneres  Erleben ins Außen zu bringen, sichtbar werden und sich von der eigenen Gestaltung und denen der MitpatientInnen berühren und inspirieren zu lassen. Immer wieder darf ich PatientInnen jedoch dazu einladen, Leistungsansprüche mehr und mehr zu verabschieden und sich stattdessen sinnliche Erfahrungen und Spontaneität zu erlauben. In der gemeinsamen Reflexionsphase betrachten wir die entstandenen Werke und kommen miteinander ins Gespräch. Ich arbeite weder deutend, noch bewertend oder interpretierend, sondern trage auch hier meine gwundrige Haltung aus dem Seelenzentrierten Coaching in den Raum - liebevoll und neugierig, fragend, wertschätzend und entdeckend. Das ist für die PatientInnen sehr neu, die in der Schule oder in anderen Bezügen andere Erfahrungen gemacht, in gut oder schlecht, gelungen oder misslungen eingeordnet wurden und nun selbst einordnen. Diese neue Betrachtungsweise ist soooo entspannend. Allerdings dauert es ein wenig, bis sie tatsächlich ankommt.



Je nach Gruppenphase setze ich unterschiedliche Methoden und Medien ein. Neben dem Gestalten, kann es auch sein, dass wir singen oder tanzen (ganz frei oder internationale Kreis- und Gruppentänze mit Anleitung oder Trancetanz mit Augenbinde), möglich ist das Trommeln auf der Gruppentrommel, die hier nun schon seit 6 Jahren so gute Arbeit macht. Aber auch die Waldzeiten, in denen ich bei jedem Wetter (außer starkem Sturm) halbe Tage mit einer Therapiegruppe draußen verbringe, sind so kostbare und heilsame Erfahrungen. Körperbemalung, Maskenarbeit, Arbeit mit persönlicher Musik, Gruppenarbeiten, landArt, die Aufstellung von Gefühlen oder Situationen, Schwellengänge, Medizinwanderungen, therapeutische Feuer, Rituale, Council und Co-Councelling, Imaginationen = geführte innere Reisen sowie Körperarbeit fließen mit ein. Ich bin sehr froh über meinen inzwischen so reich gefüllten Methodenkoffer und über die vielen Erfahrungen, so dass ich mit der Gruppe und der jeweiligen ganz einzigartigen Situation fließen und genau JETZT Passendes aus dem Koffer ziehen kann. 

Und dafür danke ich vor allem den vielen, vielen PatientInnen, den Frauen und Männern, die ich ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten durfte und aktuell begleiten darf. Ich danke für all das, was ich bereits lernen durfte, für jede einzelne Erfahrung, jede berührende Begegnung. Ich danke den vielen verletzten inneren Kindern, dass sie sich gezeigt haben und nun einen behüteten Platz im Herzen der Erwachsenen finden konnten. 





Donnerstag, 11. April 2019

Schreiben

 Foto von Pexels auf Pixabay

Im Winter hatte ich mich eher in die Stille zurückgezogen und bin deutlich langsamer unterwegs gewesen. Das entsprach und entspricht einerseits dem natürlichen Kreislauf, der zu dieser Jahreszeit eher im Innen als im Außen verortet ist. 

Allerdings hatte ich schon vor längerer Zeit mit dem Schreiben aufgehört. Nicht nur mit dem Schreiben von regelmäßigen Blogposts, sondern auch mit dem Schreiben von Briefen, Tagebuch- oder Morgenseiten - ich habe lange Zeit gar nicht mehr geschrieben. Dabei weiß ich um die Kraft der Worte, wenn sie denn fließen dürfen. Sie bedeuten für mich Introspektion und Reflexion, sind eine direkte Anbindung an meine Kreativität, an noch schlummernde Erkenntnisse, an Ideen, die geboren werden wollen. Und genau das ist es wohl: Das Nichtschreiben bedient das ALTE und kommt einem Festhalten gleich. So spannend! Jetzt habe ich ein Experiment begonnen und probiere aus, was geschieht, wenn ich wieder täglich schreibe.

Wie handhabst du das? Was bedeutet Schreiben für dich?

Fragend grüßt dich

JANA

Montag, 8. April 2019

Geschichte des Tages 2 - Lebendigkeit

"Frage nicht, 
was die Welt braucht. 
Frage dich selbst, 
was dich lebendig macht, 
und gehe und tue das, 
denn was die Welt braucht, 
das sind Leute, 
die lebendig geworden sind." 

Howard Thurman 

Und was ist das nun - Lebendigkeit? 
Wann erlebst du dich als wirklich lebendig? 


Heute bin ich vor 5.00 Uhr früh erwacht, habe mir eine Plane geschnappt sowie Isomatte und Schlafsack und bin damit in den Garten gegangen. Eingekuschelt habe ich mich vom Morgengesang des gefiederten Volkes mitnehmen und im Inneren berühren lassen. So viel Lebensfreude und Lebendigkeit! Über mir im Pflaumenbaum saß der Amselmann und sang sein schönstes Lied. 

Und so eindrücklich, wie das aus feinsten Grauschattierungen bestehende Gemälde der Dämmerung nach und nach wieder Farbe eingehaucht bekam. Ja, ich kenne es so gut, dass die Wiederholung des immer Gleichen mir Sicherheit schenkt und sich gemütlich anfühlt. Und doch verliert mein Leben bei zu viel Gewohnheit an Farbe. Um lebendig zu bleiben, brauche ich die Schritte aus der Komfortzone heraus, darf ich immer wieder Erfahrungen einladen, die neu für mich sind und mich ein Stück herausfordern.

Hier (KLICK) erzählte ich dir von Transformation und meinem inneren Ringen zwischen dem ALTEN und dem (mir noch unbekannten) NEUEN und hier (KLICK) schrieb ich vom Vertrauen und der Hingabe an das Leben. Das hört sich widersprüchlich an. Also was stimmt nun? 

Beides! Veränderung geschieht. Immerwährend. Ich kann sie also willkommen heißen, mich mit einem lauten Jauchzer in den Fluß der Lebendigkeit  hineinwerfen und in meinem Leben entwicklungsfördernde Bedingungen schaffen oder ich kann Veränderung zu verhindern suchen und festhalten - am Alten. In diesem Fall kreiert das Leben belastende Wiederholungssituationen, Krisen, Krankheiten, Verluste... Kennst du das?

Mal bin ich mutiger, mal ängstlicher. Mal sage ich voller Freude JAAAAA zu neuen Erfahrungen, mal richte ich mich für eine Zeitlang im Gewohnten ein, bis der innere Ruf unüberhörbar wird. Gerade JETZT spüre ich die Kraft des Neuanfangs, die der frische Morgen, die der Frühling mitbringen. 

Morgendliche Frühlingsgrüße wehen zu dir

JANA

Mittwoch, 9. Januar 2019

Ein Wochenende in der Jurte...

...schenkte ich meinem Geburtstagsmann zu seinem Ehrentag und gleichzeitig uns beiden als Paar. Direkt an dem Tag, an dem es 64 Jahre gelebtes Leben zu feiern gab, fuhren wir ins Alte Land an den Elbdeich und zogen bei Familie Dinglinger in die originale Mongolische Altländer Jurte (KLICK)  ein. (Werbung)


Alle runden Behausungen - ob sie nun Jurte, Tipi (KLICK) oder Jipi (wie bei Martin in der Wildnisschule Waldschrat (KLICK)) heißen - sorgen dafür, dass ich mich heimisch und besonders geborgen fühle. Da klingt etwas sehr Altes an, spricht vom Clan und Miteinandersein, von Ahnen und tief naturverbunden gelebtem Alltag.

Auch gibt es ein Feuer im Raum, in der Jurte innerhalb eines Ofens, der das Rundhaus recht schnell wärmt. Ich liebe es, das Feuer zu hüten, in die Flammen zu schauen und das spätere Glutrot zu sehen. Und es ist mir wichtig, mir immer wieder klar zu machen, dass Wärme im Winter nicht selbstverständlich ist, dass kostbare Ressourcen der Erde uns versorgen. 



Allerdings ist in unseren Breitengraden und gerade im norddeutschen Klima einiges an Anpassungen erforderlich, damit die Jurte nicht unter dem häufig feuchten Wetter leidet. Aktuell frage ich verschiedene JurtennutzerInnen nach ihren Erfahrungen, um das Rad nicht neu erfinden zu müssen.


Freitag, 4. Januar 2019

Stille, Langsamkeit, Vertrauen...


Langsam verrinnt sie - die Zeit zwischen den Jahren... Auch wenn die Wintersonnenwende vor zwei Wochen den tiefsten, dunkelsten Punkt und damit den Umkehrpunkt markierte, von dem an die Tage nun wieder länger werden und nach und nach das Licht zurückkehrt, ist jetzt Winter. Hier in Mecklenburg liegt zwar noch kein Schnee und auch der Dorfteich hat nur eine dünne Haut aus erstem Eis, aber es ist Winter. Wenn ich die Natur als meine Lehrmeisterin anerkenne, ihren Rhythmus einatme und mehr und mehr ganz bewusst zu meinem mache, dann heißt das für mich, dass ich mir erlaube, noch in der Zwischenzeit zu bleiben und zu sein. In dieser Zeit, in der das Alte nicht mehr und das Neue noch nicht da ist... Braucht nicht jedes neu entstehende Leben diese Zeit in der Dunkelheit, die Zeit der Inkubation? In Umbruchzeiten meines Lebens habe ich genau diese Zwischenzeiten als besonders schwer aushaltbar, als unglaublich herausfordernd erlebt. Ramona Jademond (KLICK) schreibt hier so wichtige Gedanken zu Kontrolle versus Annahme. Ich kenne das auch sehr gut, jedes Problem gleich lösen (und damit weghaben) zu wollen, anzupacken, zu handeln und etwas zu tun. 

Indem ich mir gerade gestatte, in meinem laaaaangen Dunkelzeiturlaub mehr aus- als einzuatmen, langsam und langsamer zu werden, mir wirkliche Pausen zu gönnen, unproduktiv zu sein, aus dem Müssen auszusteigen und nichts zu wollen, bin ich ganz hier, in dieser Zeit, in diesem Dazwischen angekommen...  Ja, jetzt ist für mich die Zeit der Hingabe an den Lebensfluss, den ich nicht kontrollieren kann. Diese Zeit spricht die Einladung aus, tiefer und tiefer ins Vertrauen hineinzusinken.

Dienstag, 1. Januar 2019

Danke...

...für das so reiche, tiefe und weite Jahr 2018! 


Danke für alle Geschenke, die vielen berührenden Erfahrungen und jede einzelne Herausforderung! Danke für meine Gaben und meine Fehler, die mich haben lernen lassen. Danke für mein Zuhause...


...für den Platz, an dem ich leben und wirken darf. Danke für meine geliebte Arbeit in ganz unterschiedlichen und doch so verwandten Bereichen. Danke für die Fülle, die ich erfahren habe und weitergeben darf. 


Danke dafür, dass mein Gefährte und ich einander in diesem Jahr nach 18jähriger Beziehung auf ganz neue Weise nah und näher gekommen sind. Danke für Gesundheit, Beweglichkeit, Lebensfreude und Begeisterungsfähigkeit. Danke für meine Neugierde und mein immerwährendes Lernen. Danke für mein Jaaaaa aus ganzem Herzen und mein kraftvolles Nein. 

Danke für soooo kostbare Momente der Verbundenheit mit mir selbst, mit meinen Lieben, mit den Frauen der beiden diesjährigen Frauencamps und der Jahreskreisgruppe, mit meinen Freundinnen, mit den PatientInnen der Klinik, mit meinen KlientInnen, mit meinen BlogleserInnen, mit dir. Danke für die vielen Begegnungen mit meinen tierischen und pflanzlichen Geschwistern. Danke für die vielen Naturschätze, die ich finden und voller Liebe und Respekt weiterverarbeiten durfte - Federn und Steine, Stenze und Baumperlen, Kräutlein und Früchte, Harze und Samen...  


Danke für meine Hingabe an und mein Eintauchen in den Kreis des zyklischen Werdens und Vergehens. Danke für die Erweiterung meiner Wahrnehmung. Danke, dass ich im Land des SOWOHL - ALSAUCH ankommen durfte und das Entweder - Oder immer mehr verblasst. Danke, dass ich immer schneller bemerke, wenn ich in alte Muster zurückfalle und mich dann ganz bewusst für meine neuen Strategien entscheiden kann. Danke für meinen Mut, meine dunklen inneren Reiche aufzusuchen und mich meinen Schatten zu stellen. Danke für die unermesslich reiche Belohnung, das Mitgefühl und die Weite. Danke an alle BegleiterInnen und UnterstützerInnen auf meiner inneren Forschungs- und Lebensreise. 




Danke, dass ich immer ausreichend Nahrung hatte, dass ich riechen, schmecken und genießen kann und selbst im Winter Köstlichkeiten in der Natur finde. Danke für mein Augenlicht und dafür, dass ich die Schönheit in allem SEIN erkenne. Danke für meinen Hörsinn, für die Lieder des gefiederten Volkes, das feine Flüstern des Windes, das Tosen des Sturms in den Baumwipfeln und das Schlagen der Ostseewellen an den Ufersaum.

Danke für meine Stimme, die leise und sanft und laut sein kann und danke für die vielen Melodien und Lieder, die ich allein in der Natur und wir gemeinsam am Feuer sangen. Danke, ihr Baumfreunde, dass ihr mich daran erinnert, dass ich mir meiner Wurzelkraft und meiner Tiefe bewusst sein darf, um - hoch aufgerichtet - mit dem Kopf in den Himmel zu wachsen und mein Herz offen und berührbar in die Welt strahlen zu lassen. Danke.

Und mit diesem - meinem aktuellen Lieblingslied - wünsche ich dir ein gesundes Neues Jahr! 

Donnerstag, 7. Juni 2018

Ich folge meinem inneren Ruf und finde meine Berufung...

Kürzlich bekam ich eine ganz liebevolle Anfrage aus Innsbruck, ob ich nicht für einen Blütenmandala-Filzkurs nach Österreich reisen möchte. Für einen Moment kam ich in Versuchung, denn es ist schon schön, Menschen dabei zu unterstützen, ganz einzigartige Blütenmandalas entstehen zu lassen. Ich habe mir Zeit genommen, genau hineinzuspüren, was für mich wirklich stimmig ist und dann die Absage geschrieben. 

Ein Test des Lebens?

Es ist schon spannend, dass das Leben mich auf diese Weise immer mal wieder fragt, ob ich es wirklich ernst meine... Ja, ich meine es ernst. Meine Wollwerkstatt habe ich 2017 ja bereits geschlossen, die hier stattfindenden letzten wolligen Kurse zu unterschiedlichen Themen gehören inzwischen ebenso der Vergangenheit an wie mein wunderschöner Abschiedsblütenmandalafilzkurs bei Filzrausch in Göttingen. Dieser Kurs war lange schon ausgebucht und es gab eine gut gefüllte Warteliste. Auch hier hatte ich kurze Zeit überlegt, einen zusätzlichen Kurs für die wartenden Listenfrauen anzubieten und auch hier habe ich mich dagegen entschieden. 

Weil einige von euch mich fragten, wie ich etwas aufgeben kann, was so gut angenommen wird und erfolgreich läuft und weil kürzlich im Gespräch mit einer Freundin die Frage aufkam, ob wir das, was was wir gut können, in die Welt geben MÜSSEN, will ich meine Gedanken mit Euch teilen. Auch ich fragte mich eine Zeit lang, ob ich in dieser Schneller-Höher-Weiter-Welt nicht die ethische Verpflichtung habe, gerade auch mein Wissen zu den alten Handwerken wie Pflanzenfärberei, Spinnen und Filzen weiter geben zu müssen und gar nicht damit aufhören darf.
 
Stationen auf meinem Weg...

Wenn ich auf mein inzwischen 52jähriges Leben zurück schaue, gab es immer Phasen, in denen mein inneres Feuer für ein Thema besonders heiß brannte. Meine natürliche Neugierde und Entdeckerfreude führten mich und sorgten dafür, dass ich mir neue Themen angeeignet, immer wieder meine Komfortzone verlassen und mich weiter entwickelt habe. Und durch meine Begeisterung fühlte sich mein Lernen ganz fließend an. Ich erarbeitete mir verschiedene Wissens- und Erfahrungsbereiche und gab mein Wissen weiter. Dazu gehören die Pflanzenfärberei, das Spinnen am Spinnrad und besonders das Spinnen von einzigartigen Effektgarnen, das Filzen, das tiefe Eintauchen in die Natur, das Sammeln und Verarbeiten von Kräutern, das Leben im Jahreskreis und das Feiern der dazugehörigen Feste auf tief verbundene und heutige Weise. Außerdem male ich, töpfere, töne, singe und tanze, verarbeite Holz und Federn, genieße das Kochen und das Essen. Nicht alles zu jeder Zeit, aber alles immer wieder. Und das, was ich selbst als wertvoll erlebe, was mein Leben bereichert und erfüllt, fließt in meine geliebte Arbeit ein, findet Niederschlag in meinen Kursen, taucht im Blog auf. Entscheidend ist jedoch, dass es mir weniger um die entstehenden Produkte, als um die erfahrenen und erlebten Prozesse ging und geht. In jedem Arbeitsfeld und auch in all meinen Kursen... Und diese Prozesse haben etwas mit Persönlichkeitsentfaltung und Entwicklung zu tun. Das Vollständigerwerden, Verbindung und Verbundenheit, die Bewältigung natürlicher (schöpferischer) Krisen, Selbstermächtigung und das Hineinwachsen in die Ganzheit haben für mich größte Bedeutung. In meinen handwerklich-künstlerischen Kursen waren diese Aspekte jedoch eher ein "Nebenprodukt". Für viele Kursteilnehmerinnen war es vorrangig, Techniken zu lernen und befähigt zu sein, Produkte zu erschaffen. 

Die inneren Schätze heben...

Warum ich mit den ausschließlich handwerklichen Kursen aufgehört habe, hat damit zu tun, dass mein Fokus jetzt noch viel klarer auf individuellen Entwicklungsprozessen liegt. Persönlichkeitsentfaltung ist für mich die Würdigung der INNEREN natürlichen Ressourcen. Authentizität ist mein höchster Wert. Ich bin davon überzeugt, dass für unsere aktuell so gefährdete Erde gut gesorgt ist, wenn wir uns selbst mehr und mehr in unserer besten Version leben. Dazu gehört, mutig auch unsere Schattenseiten zu beleuchten und zu integrieren, liebevoll annehmend mit eigenen Fehlern umzugehen (Ich übe...) und die in uns verborgenen Gaben in die Welt zu bringen - zu unserem Wohle und zum Wohle aller...


Wenn ich mich selbst und meine Werte nicht verraten will, MUSS ich also meiner inneren Stimme folgen. Und das wiederum fühlt  sich einfach stimmig an...

In meiner Praxis für Seelenzentriertes (Telefon-)Coaching (KLICK) und Naturverbindung tue ich genau das, bringe meine Gaben nun auf einer noch viel tieferen Ebene in die Welt und begleite Menschen dabei, ihre eigenen Ressourcen zu entdecken und in ihre Kraft hinein zu wachsen. Und das Leben bestärkt mich jeden Tag darin, genau das zu tun. Es ist mir eine so große Freude, die Entwicklung von Menschen bezeugen und unterstützen zu dürfen. Morgen bekomme ich von HANSOLU (KLICK) den Entwurf meiner Website geschickt. Das Layout hat mich bereits begeistert. Die Fotos von Franzi Schädel (KLICK) und ihre natürliche Bildsprache tragen sooo viel dazu bei.

Ich freue mich sehr darauf, dir auf meiner Website dann mehr über das Seelenzentrierte Coaching zu erzählen und dir auch meine neue Seminarreihe vorzustellen. Mein Herz klopft wie wild vor Freude. Du darfst also gespannt sein!

Montag, 14. Mai 2018

Ein Resümee - Meine Draußenzeit im Mai...

...begann mit ihren Auswirkungen in mir schon einige Tage vor meinem Aufbruch. Ich war von innerer Unruhe erfüllt, einem unguten Gefühl in der Magengegend, das ich nicht zuordnen konnte. Anfangs war es nur ein vages Drücken... Mein Plan sah in diesem Jahr anders aus als in den Jahren zuvor. Ich wollte dieses Mal nicht wandern und mir allabendlich einen neuen Schlafplatz im Wald suchen, sondern hatte vor, in einen Wald umzuziehen und dort zu bleiben, um aus dem TUN im SEIN anzukommen... Das Wandern, das Finden und das Ankommen an einem neuen Platz, Wasser finden und filtern, das Auf- und Abbauen des Tarps binden Zeit und Aufmerksamkeit und das, was ich aus dem Alltag gut kenne - das Tun - nimmt großen Raum ein. 



Widerstand oder Intuition?

Ich wollte den größten Wald im Klützer Winkel aufsuchen. Allerdings nahm mein Unwohlsein zu, je näher der Tag der geplanten Abreise rückte. Seit nunmehr fünf Jahren schenke ich mir jedes Jahr eine Draußenzeit. Deshalb weiß ich inzwischen, dass das mehrtägige Alleinsein in der Natur mir neben wundervollen Erfahrungen wie Tierbegegnungen und Verbundenheitsgefühlen immer auch Herausforderungen bringt. Und die katapultieren mich erstmal aus meiner Komfortzone heraus, bevor ich ihren Schatz bergen kann. Ich vermutete also, dass mein unwohles Gefühl mich vom Verlassen meiner Komfortzone abhalten wollte - ein Widerstand sozusagen... Aber so anhaltend?  In der Regel kann ich mich auf meine Intuition verlassen. Jetzt jedoch war ich ratlos. Wie sollte ich zwischen Widerstand und (in diesem Fall warnender) innerer Stimme unterscheiden? Mir half das Sprechen mit einer meiner Schwestern und ein Experiment: Ich stellte mir vor, in den Wald zu ziehen, in dem sich mein Sitzplatz befindet und sofort setzte Entspannung ein. Es fühlte sich an, als fielen zentnerschwere Steine von mir ab. Ich atmete auf und mein ganzes inneres System sagte JAAAA. Dachte ich hingegen daran, in den Leonorenwald zu gehen, zog sich wieder alles in mir zusammen und wurde schwer und drückend. Auf diese deutlichen Signale hörte ich dann, veränderte meinen Plan und zog zu meiner Sitzplatz-Buche. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen konnte, wovor mich meine innere Stimme beschützte, ging ich da schon davon aus, dass sie es tat. Mir tut es gut, auf sie zu hören und mich so selbst ernst zu nehmen.

Erstmal ankommen

Der Ruf eines der zwei hier lebenden Kolkraben an der Schwelle zum Wald freute mich. Wo war nur der zweite? Ich betrat den Wald, nahm die Veränderung des Lichtes, der Temperatur, des Duftes wahr und sah die Buchen, Fichten, Eschen, Eichen, ab und an eine Vogelkirsche, einen Holunder, eine Eberesche und die Blumen - die letzten Veilchen und Buschwindröschen, leuchtende Goldnessel, die weißen Blüten des Wald-Hornkrauts...


...den ebenfalls blühenden Waldmeister und die ersten feinen Blüten des Ruprechtskrautes (2011 hatte ich damit gefärbt und gedruckt (KLICK)) 

Dann kam ich zu "meiner" Buche. Es tat sooo gut, mich auf die Erde zu setzen, meinen Rücken an ihren Stamm zu lehnen und zu atmen. Ich liebe den Blick in ihre ausladende Krone und bestaunte das Licht, das zu dieser Jahreszeit durch die schon großen, aber noch zarten Blätter fällt. 



Und doch dauerte es diesmal eine lange Zeit, bis ich wirklich angekommen war. Wie viele Gedanken durch meinen Kopf flogen, war mir bis dahin kaum bewusst. Ich bemerkte es erst hier, als ich nichts musste, sollte, wollte, sondern einfach sein durfte... Die sinnliche Wahrnehmung half mir beim Ankommen. Ich spürte den Waldboden unter mir, hörte das trockene Laub des Vorjahres rascheln. Der Wind strich mir über die Haut. Ich knabberte etwas Sauerklee und schmeckte die frische und angenehme Säure. Und dann tat ich weiter nichts. Nahm nur wahr. Sah die feinen Buchenblätter sich im Wind bewegen, beobachtete das Licht- und Schattenspiel, folgte dem Flug von Schmetterlingen mit den Augen, lauschte den Geräuschen des Waldes, dem Zwitschern, Rufen, Singen, Krächzen des gefiederten Volkes und immer wieder dem Wind, der dort an meinem Platz kräftig blies. Ich lauschte und lauschte...


Die erste Nacht

Für die Nacht legte ich eine Plane in die mit trockenem Laub gefüllte Senke, meine Isomatte darauf und mein Bett war fertig. Die Sonne sank...

 
...die Dämmerung fiel, die zunehmende Dunkelheit verschluckte die Farben, die Geräusche veränderten sich. Ich kroch in meinen Schlafsack, der Wind lullte mich ein und ich dämmerte hinweg. Ich kann in der Regel gut und überall schlafen, merke jedoch, dass der Schlaf draußen eine andere Qualität hat. Er ist leichter und erlaubt mir, bei ungewohnten Geräuschen schnell zu erwachen. Da sitzt mir wohl etwas Uraltes in den Genen. Ich hörte es Knabbern und Knuspern und erinnerte mich an ein Mäuschen, das ich in einer früheren Draußenzeit kennengelernt hatte. Ein Geschöpf trabte in der Nähe meines Schlafplatzes rasch vorbei. Das trockene Laub machte jede Bewegung hörbar. Ich vermutete, es war ein Fuchs, bin aber nicht sicher. Allerdings war mein Schlaf tief genug, dass ich nicht merkte, dass Mücken mir mitten in meine Nasenspitze gestochen hatten. Als ich erwachte, pochte und pulsierte sie und war angeschwollen. Überhaupt gab es hier sooo große und viele Mücken. Der viele Regen in der letzten Zeit hatte dafür gesorgt, dass alle Senken im Wald mit Wasser gefüllt waren und sich kleine Teiche und Wassergräben gebildet hatten. Ideale Mückenbedingungen also... Deshalb beschloss ich, für die nächsten Nächte Ramonas (KLICK) Moskitonetz aufzuhängen und mich so vor den kleinen Blutsaugern zu schützen.




Das Mini-Feuer hüten

Am Morgen kochte ich mir mit meinem ganz einfachen Holzkocher, der aus einem Ikea-Besteckbehälter, zwei langen Schrauben und einer Metalltasse besteht, einen Tee. Ich hatte Rohrkolbenwolle und feine Streifen Birkenrinde als Zundermaterial dabei, sammelte kleine Zweige und schlug mit Feuerstahl und Magnesiumstab heiße Funken ins Zundernest. Wie ich es liebe, so ein klitzekleines Feuer zu schüren und achtsam zu füttern, mit meiner Aufmerksamkeit nur bei den feinen Flammen zu sein!


Der so zubereitete Tee schmeckte mir besonders köstlich. Durch das Fasten - ich trank morgens Tee und ansonsten Wasser - verlangsamte ich. Zeit wurde bedeutungslos. Ich beobachtete einzig den Lauf der Sonne, suchte mir Sonnenflecken auf dem Waldboden und badete dort in Wärme und Licht. Ab und an summte oder tönte ich, aber die meiste Zeit war ich still. Ich schrieb nicht einmal Tagebuch.


Tierbegegnungen

Ein großer Feldhase drückte sich in seine Sasse, bis ich ganz nah heran gekommen war. Erst dann sprang er auf und flitzte davon. An einem anderen Morgen kam er (oder ein anderer) bis nah an meinen Schlafplatz heran, zupfte hier und naschte dort, hoppelte auf das nahe Feld und kam später wieder zurück. Er war ganz gemütlich unterwegs. Anders als einige Wildschweine abends, die wohl an die feuchte Senke wollten, mich jedoch witterten und schnell wie der Wind davonstoben, so dass die trockenen Zweige unter ihnen nur so krachten. Tja, wieder kein Glück bei der Beobachtung. Dabei gibt es in der Nähe meines Sitzplatzes eine viel besuchte Suhle und zwei eindrucksvolle Mahlbäume. Solang ich jedoch da war, ließ sich dort kein Schwein blicken.




In der zweiten Nacht hörte ich langsame, aber kraftvolle Schritte eines Zweibeiners, die näher und näher und dann ganz nah kamen... Ich hörte, wie etwas an meinem Rucksack zupfte, der vor dem Moskitonetz an einem Baum lehnte, hob ganz langsam den Kopf. Der Nandu erschrak und rannte davon. Wow! So nah war ich noch keinem gekommen. Im Dezember hatte ich hier in meinem Sitzplatzwald bereits ein Ei (KLICK) gefunden, wußte also, dass sie hier brüten.
Ich hörte die sehnsuchtsvollen Stimmen der Kraniche, den Ruf des Bussards, sah, wie der Rotmilan sich am Waldrand auf einem hohen Baum niederließ. 
Beim Umherstromern und Federn sammeln erschreckte ich einen Rehbock, der seinem Unbehagen noch lange und lautstark Ausdruck verlieh. Eine Ricke kam nah an meinem Platz vorbei. Sie nahm mich wohl nicht wahr und blieb ganz entspannt, denn der Wind stand gut für mich und ich war mucksmäuschenstill. 
Aber ich beobachtete auch viele kleine Geschöpfe: Springspinnen, Libellen, Käfer, eine rote Samtmilbe...


...und ganz viele Hummeln. Einige Zeit lag ich einfach auf dem Bauch und betrachtete den einen Quadratmeter Waldboden vor meiner Nase. Wieviel Leben darin war und wieviel Tod... Werden, Wachsen und Vergehen, im Kleinen wie im Großen und ich selbst war Teil des Ganzen... 

Herausforderung

Es war durchweg wunderbares Sommerwetter im Mai. Selbst nachts war es warm, so dass ich unter dem Moskitonetz sogar mit offenem Schlafsack liegen konnte. Ich hatte darauf verzichtet, mein Tarp aufzuspannen und genoss es, unter freiem Himmel und dem so grünen Blätterdach zu sein. Dann tauchten Wolken auf und der Himmel zog sich recht rasch zu. Obwohl auch die Mücken mich warnten, immer rasender wurden und ich ihre Sprache hätte verstehen können, hörte ich nicht auf sie. Und dann war es zu spät... Ein Gewitter krachte los. Blitz und Donner, gepaart mit Starkregen. Jetzt war es auch zu spät, das Tarp aufzuspannen. Dieses Moskitonetz ist aufgrund seiner Pyramidenform ohnehin nicht tarptauglich. Also schlüpfte ich lieber hinein, hockte mich auf meine Isomatte, zog das Tarp über mich und meine Sachen und hoffte darauf, dass das Gewitter schnell vorüber ging. Stattdessen blitzte es grell, krachte der Donner, ging es Schlag auf Schlag. Der Regen nahm eher noch zu, das Gewitter beruhigte sich mal, flammte dann jedoch wieder neu auf und ich hatte Angst... Um mich zu beruhigen, sang ich ein Lied der Cherokee und wiederholte es ein ums andere Mal. Das half mir tatsächlich, inmitten des Tumultes ruhig zu werden. 
Als das Gewitter dann vorbei war und es nur noch von den Bäumen tröpfelte, hockte ich unter dem Moskitonetz mitten in einem See aus Regenwasser. Meine Picknickdecke, die mir als Unterlage gedient hatte, war ebenso nass wie meine Jacke, mein Daunenschlafsack und einfach alles... 



Auf dem Regenwassersee schwammen Blütenpollen und zeigten schlierige Muster. Es war irgendwie absurd und zum Lachen. Ich betrachtete die Situation und beschloss, dass meine Draussenzeit jetzt beendet sei, rief meinen Gefährten an und bat ihn, mit unserer großen Einkaufskiste in den Wald zu meinem Sitzplatzbaum zu kommen. Dorthinein kamen die schweren nassen Sachen, die wir zu Hause im Garten zum Trocknen aufhängten.
Das war eine für mich ziemlich neue Situation, denn es entspricht mir eher, die Zähne zusammen zu beißen und allein eine Lösung zu finden. Da ich das aber kann, war meine Lernaufgabe hier eine andere.



Rainer staunte auch, denn er hatte noch nie erlebt, dass ich früher zurückkam, als ich angekündigt hatte. Ich lernte: Ich darf MIT der Situation gehen und immer neu entscheiden, was JETZT für mich stimmig ist. Ich kann um Unterstützung bitten und ich bekomme sie. Wie entspannend, mir all das zu erlauben! Und ich verstand: Das war der Grund für mein Unwohlsein. Wäre ich in den Leonorenwald gegangen, hätte ich diese Erfahrung nicht machen können. Ich hätte die Zähne zusammen gebissen und die Situation gewuppt, denn Situationen wuppen - das ist mir vertraut. Aber - ich muss meinen alten Mustern nicht folgen, sondern bin frei, von Situation zu Situation immer wieder neu zu entscheiden. Diese Erkenntnis darf jetzt in mich hineinsinken, sich in meine Zellen setzen und wirklich verinnerlicht werden. Und dann integriere ich dieses Wissen in mein ganzes weiteres Leben... Was für eine Erweiterung!

So viele Geschenke

Wieder bekam ich einen Stenz geschenkt, den ich bearbeiten und weiter verschenken werde. Und Federn  - ein paar blau schimmernde Stockentenfedern, drei von der Amsel, feine weiße Taubenfedern und ein paar, die ich nicht zuordnen konnte. Ich sammelte mehrere kuschelweiche Daunenfedern vom Waldboden, vielleicht die eines Käuzchens.


Und ich wurde mit klarer Waldluft beschenkt, mit Ruhe, Erholung und Langsamkeit, mit Dankbarkeit für meine innere Stimme, meine Intuition. Ich danke sehr dafür, dass ich nun noch einmal tiefer weiß, dass ich eingeladen bin, gut zu unterscheiden, wann es darum geht, etwas bis zum Ende zu bringen und wann ich weich und liebevoll mit mir sein darf und mir erlaube, etwas vorzeitig zu beenden. Ich danke euch Mücken für die Gewitter-Warnung und verspreche, euern Rat beim nächsten Mal ernst zu nehmen. Ich danke für die Erinnerung daran, mich in angstvollen Situationen selbst beruhigen zu können. Ich danke dafür, noch einmal mehr ins Vertrauen gesunken zu sein, dass das Leben es gut mit mir meint, dass ich getragen, gehalten und beschützt bin. Ich danke dir, Buche, dass es dich gibt, dass du nun schon einige Zeit meine Lehrerin bist und ich bei dir sein kann - bei jedem Wetter, zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit und immer wieder neu...