Als Therapeutin in einer Klinik und Coachin in eigener Praxis ist es mir ein Anliegen, meinen KlientInnen und PatientInnen in Gleichwürdigkeit zu begegnen und klar zu haben, dass wir Menschen uns alle auf unserer einzigartigen Forschungs-, Lern-, Entwicklungs- und Heilreise befinden. Ich erlebe immer wieder, wie (noch) unüblich es ist, dass wir uns einander im beruflichen Feld mit Licht- und Schattenseiten und vor allem als forschende und immer weiter lernende Menschen zeigen, die Herausforderungen erleben, diese (im besten Fall und immer wieder) annehmen, daraus lernen, Fehler machen und dazu stehen. Letztlich sind Fehler die besten Lehrmeister. Anderen Menschen kann ich Fehlerhaftigkeit und natürlicher Begrenztheit gegenüber noch immer weicher und verständnisvoller sein als mir selbst gegenüber. Aber auch hier übe ich kontinuierlich, mich mit all meinem Irren, Versäumen, mit meiner Begrenztheit anzunehmen. Schön, dass es mir immer besser gelingt.
„Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, ist nichts im Vergleich zu dem, was in uns liegt. Wenn wir das, was in uns liegt, nach außen in die Welt tragen, geschehen Wunder.“ Henry David Thoreau
Posts mit dem Label Selbsterforschung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Selbsterforschung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 30. April 2024
Augenhöhe?
In der Klinik habe ich viele Jahre zur "Teampflege" eingeladen, in einen Erfahrungsraum der Bewusstheit und Selbstfürsorge, der Begegnung auf Beziehungsebene und musste leider erleben, dass es für viele Kolleg*innen nicht selbstverständlich ist, sich mit der eigenen Verletzlichkeit, mit Gefühlen und Bedürfnissen wirklich zu zeigen. Meine Konsequenz war nun in diesem Jahr, nicht mehr in diesen Raum einzuladen, sondern meine Energie in andere Wirkfelder zu speisen.
Gleichzeitig erlebe ich an anderen Orten einen Zuwachs größerer Bewusstheit, z. B. in der Lebensweise Community (KLICK) und auch im Feld der Wildnispädagogik. Das wiederum macht mich froh. Ich liebe es, mit Menschen zusammen zu sein, die kontinuierlich üben, die Verantwortung für ihre Emotionen zu sich zu nehmen, selbst wenn sie durch ein Gegenüber ausgelöst wurden.
Ich freue mich darüber, wenn Menschen "menscheln" und das auf dem Schirm haben und weiß, dass ich - wenn ich Menschen auf einen Sockel hebe - mich von meinem eigenen Potenzial abschneide und auch das ins Außen verlagere. Das kann „einfacher“ sein, als die eigene Größe zu leben.
Mir fällt es schwer, auf Augenhöhe zu bleiben, wenn ich mit Ärzten in Kontakt bin. Da wirkt ein altes Auto-Piloten-Programm aus meiner Kindheit und ich gehe fast automatisch in den Tiefstatus. In diesem Feld bin ich noch immer in der Vermeidung und gehe halt nicht zum Arzt, selbst wenn es mal angebracht wäre. Aber ich lerne… Auch Behörden lösen Ähnliches in mir aus. Durch das gesetzlich verankerte „Müssen“ fühle ich mich schnell vereinnahmt. Hier habe ich gute Erfahrungen gemacht, in den direkten Kontakt mit den bei Behörden arbeitenden Menschen zu gehen.
Mit meinen Chefs in der Klinik hingegen gelingt es mir recht gut. Ich liebe es, aus der Beziehungsschicht zu antworten, selbst wenn ich aus der Verteidigungsschicht heraus angesprochen werde. Immer wieder mache ich hier die Erfahrung, dass wir einander dann eher auf Augenhöhe begegnen können. Ich unterscheide übrigens immer weniger zwischen beruflich und privat, Arbeit und Leben...
Hier ist ein 5minütiges inspirierendes Video zum Thema AUGENHÖHE (KLICK).
Was geht bei Dir in Resonanz?
Herzlich
Jana
Montag, 1. November 2021
Samhain - Das Ahninnenfest im Jahreskreis und die Arbeit mit den eigenen Schatten
Jetzt ist bereits der 1. November. Das diesjährige Samhain gehört der Vergangenheit an. Und doch will ich noch ein paar Gedanken und Erfahrungen zu unserem Fest mit Dir teilen. In diesem Jahr - als ich mit der Vorbereitung des Jahreskreisfestes für meine Frauengruppe und der Einstimmung darauf begann - spürte ich, dass wir einmal mehr eingeladen sind, uns unseren Schatten zuzuwenden. Letztlich wundert es mich nicht, denn wenn ich mich in der Welt umsehe, stecken wir alle in stark polarisierenden Situationen. Da geht es um richtig und falsch, gut und schlecht, Recht haben wollen und daneben liegen, ein Dafür und ein Dagegen... Wir haben also gerade sehr gute Bedingungen dafür, den eigenen Schatten zu erforschen.
Doch was ist mit SCHATTEN eigentlich gemeint?
Hierbei geht es um Gedanken, Gefühle und Handlungen, die NICHT unserem Selbstbild und unseren Werten entsprechen, sondern diesen entgegenstehen. Der eigene Schatten ist häufig ein blinder Fleck oder eher noch eine blinde Zone. Du kannst Deinen eigenen Schatten aufspüren, indem Du Dich z. B. fragst, welche Themen so mit Scham behaftet sind, dass Du kaum wagst, sie zu denken und schon gar nicht, sie laut auszusprechen. Du kannst Dich auch fragen, was Dich so richtig aufregt, ärgert, wahnsinnig macht und virtuos alle Deine Knöpfe drückt. Hilfreich können auch Nachforschungen darüber sein, welches Verhalten, Fühlen, Denken Du bei einem Gegenüber ablehnst und verurteilst. Du kannst Dich fragen, welche Thematik Du vermeidest.
Na, tauchen da schon Themen auf?
Zum Verständnis: Wenn Du Deinen Hinterkopf anschauen willst, brauchst Du mindestens einen Spiegel, denn für Deine Augen ist Dein Hinterkopf ohne dieses Hilfsmittel nicht zu sehen. Auch unsere Psyche hat solche blinden Flecken, die mit den Augen unseres (in der Regel begrenzten) Bewusstseins nicht zu erkennen sind. Hier wirken Menschen und Situationen als Spiegel und können uns auf die blinden Flecken aufmerksam machen. Wenn wir uns diesen Phänomenen dann nicht verurteilend, sondern mit offenem Geist zuwenden, können wir unsere Schatten kennenlernen und mutig erforschen. Ja, es braucht erstmal eine ganze Portion Mut, sich diesen speziellen inneren Anteilen zuzuwenden.
Wenn es also soooo ungemütlich und wirklich herausfordernd ist, sich mit den eigenen Schattenseiten zu befassen, warum sollten wir es trotzdem tun? Weil GOLD darin zu finden ist. Nicht nur, dass die Lebensenergie, die in das Unterdrücken, Verdrängen, Vermeiden hineinfließt, dann wieder frei wird und uns zur erfüllenden Gestaltung unseres Lebens zur Verfügung steht, sondern vor allem auch, weil alles, was ich ablehne für eine Einengung meines Horizontes sorgt. Je ausgeprägter mein Schatten ist, umso stärker muss ich vermeiden, umso eingeschränkter wird mein Tunnelblick, umso beschränkter ist meine Handlungsfähigkeit.
Wenn wir es jedoch wagen, uns unseren Schattenhandlungen, -gedanken, -gefühlen zuzuwenden - z. B. ja, ich habe mein Kind angeschrien oder geschlagen, obwohl ich eine friedliebende Frau mit dem Wert der Gewaltfreiheit bin oder ja, ich habe eine Currywurst hinuntergeschlungen, obwohl ich mich vegan ernähre, oder ja, ich bin neidisch auf meine beste Freundin, weil sie mit ihrem Strahlen alle bezaubert usw. usf. und wir wagen, diese Handlungen, Gefühle, Gedanken als zu uns gehörig anzusehen, weitet sich unser Herz. Diese Handlungen, Gefühle und Gedanken anzunehmen, heißt nicht, sie gut zu finden. Es heißt nur, JA zum So-gewesen-sein zu sagen. Wenn ich diesen Prozess des Annehmens durchfühle, entwickle ich ganz natürlich mehr Mitgefühl für andere Menschen, die sich irgendwo verirrt haben und Schatten leben. Wenn ich über ein Schattenbewusstsein verfüge, entsteht immer mehr Frieden in mir und in all meinen Beziehungen.
Was verändert sich in Dir bei der Vorstellung, Dich Deinen Schatten zuzuwenden?
***
Jetzt habe ich viele Worte geschrieben und noch nichts vom Jahreskreisfest SAMHAIN erzählt.
Danke!
Jana
P. s. Am nächsten Morgen war der gefüllte Ahnenteller, den ich in den Garten gestellt hatte, leergefuttert...
Abonnieren
Posts (Atom)



