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Dienstag, 5. April 2022

Zurück vom Outdoor-Erste-Hilfe-Kurs...

 ...fühlt es sich bei jeder Erinnerung an die Erfahrungen des Wochenendes immer noch so an, als ob eine Menge Adrenalin durch meinen Körper flitzt. Puh... Was für ein Erlebnis! 


Aber der Reihe nach... 

Von Freitag 11.00 bis Sonntag 16.00 hatten Stefan Prescher, Christian Dost und Mathias Sblewski von EARTHTRAIL KLICK zum Erste-Hilfe-Outdoor-Kurs eingeladen. Bei Chorin auf dem Platz der Wildnisschule Berlin...


...trafen wir uns als bunt zusammengewürfelte Gruppe von Menschen, ebenso viele Männer wie Frauen. Aus den unterschiedlichsten Gründen wollten wir befähigt sein, auch dort Erste Hilfe leisten zu können, wo so schnell kein Rettungswagen landen kann. 

Ich leite nun schon seit Jahren Wildniscamps und Waldtage und habe dieses Thema immer vor mir hergeschoben. Klopf auf Holz! Bis jetzt ist auch noch nie ein Unfall o. ä. passiert. Nachdem aber im letzten Jahr ein Wildniscamp-Teilnehmer auf einen riesigen brüchigen Baum geklettert und beinahe herabgestürzt war und ein anderer hoch aufgestapelte Baumstämme als Schwelle für eine Medizinwanderung genutzt hatte, war mir mulmig geworden. Gut, dass ich es erst im Nachhinein erfahren hatte! Ich wollte mir nicht einmal vorstellen, was da hätte passieren können...

Auf die Frage in der Eingangsrunde, wie lange unser letzter Erste-Hilfe-Kurs zurückläge, konnte ich nicht antworten. Ich hatte keine Erinnerung daran. Und das lag nicht daran, dass ich keinen absolviert hatte, denn als Mitarbeiterin einer Klinik bin ich dazu verpflichtet, alle zwei Jahre einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen. Es lag einfach daran, dass es keine Erfahrungen waren, die mit Gefühlen, Sinnes- und Körpereindrücken verbunden waren. Und das, was nur meinem Kopf vermittelt wird, vergesse ich bald wieder.

Jetzt habe ich das erste Mal überhaupt die Zuversicht, bei einem Unfall Erste Hilfe leisten zu können. Wie es dahin gekommen ist? Das hat mit dem ebenso genialen wie krassen Konzept dieses Kurses zu tun. 

Am ersten Tag wurde ein Rettungsteam aus 3 Teilnehmer*innen gebildet. Was es damit auf sich hatte, sollten wir bald erfahren. Irgendwann gellte ein markerschütternder Schrei über das Gelände. Das erste Rettungsteam war gefordert und kam bei folgendem Unfall zum Einsatz: Eine Frau war von einer Leiter gestürzt und hatte sich am Kopf eine blutende Wunde zugezogen. Nachdem Erste Hilfe geleistet worden war, wurde das Vorgehen des Rettungsteams an diesem konkreten Fall reflektiert.

Danach kamen wir erneut zum Kreis zusammen und der Unterricht von Stefan oder Christian ging weiter, jedoch nicht ohne zuvor ein nächstes Rettungsteam gewählt zu haben. Es wurde Abend und dunkel. Irgendwann knallte es, als ob ein Auto an einen Baum gekracht war. Das zweite Rettungsteam, dem auch in angehörte, lief in den nahe gelegenen Wald. Wir kamen an einen Wildzaun, fanden den Ausgang nicht und mussten klettern. Und wirklich - ein Kleinbus war gegen einen Baum gefahren. Der Fahrer, ein Mann mit Schmerzen in der Brust und im Arm kam uns entgegen und wurde von einem ersten Rettungsteammitglied versorgt. Er hatte einen Herzinfarkt erlitten und dadurch die Kontrolle über das Auto verloren. Ein Mann aus unserem Rettungsteam lief zur Fahrerseite und stellte den Motor ab. Ich rannte zur Beifahrertür und kümmerte mich um die verletzte Beifahrerin, die einige Zähne verloren hatte, aus dem Mund und am Kopf blutete und ein Schädel-Hirn-Trauma davongetragen hatte. Auch ihr Bein war gequetscht und eingeklemmt. Irgendwann fing das Auto an zu qualmen und zu brennen. So mussten wir die verletzte Frau aus dem Auto heben und wegtragen, um sie und uns in Sicherheit zu bringen. Und dann kam doch tatsächlich die Feuerwehr mit Tatütata und Blaulicht in den Wald und die Situation wurde vom Team beendet. Puh...

Und so verlief das Wochenende. Es gab gut strukturierten, fachlich fundierten und gleichzeitig humorvollen Unterricht zu diverse Erste-Hilfe-Themen. Ja, es war viel Stoff und Pausen gab es wenige und nur kurze. Und trotzdem waren die Inhalte eingängig, da es immer wieder Unterbrechungen durch eindrückliche Szenarien gab, an denen wir Erste Hilfe praktisch trainieren konnten. So lag eine Frau unter einem umgestürzten Baum, ein Mann hatte halluzinogene Pilze konsumiert, es gab Unterkühlungsopfer und eine vom Baum gestürzte Schatzsucherin. großflächige Verbrennungen mussten ebenso versorgt werden wie Menschen, die ohnmächtig geworden waren oder unter Schock standen. Ein eindrücklich und bis in die Details inszeniertes Szenario folgte auf das nächste und immer dann, wenn wir es am wenigsten erwarteten. Die Statist*innen gaben alles. Die Maske war so überzeugend, dass ich (als ehemalige Maskenbildnerin) nur staunen konnte. Der Betrunkene, der beim Pinkeln in den Teich gestürzt war, stank derart nach Fusel und erbrach sich dann auch noch. Ziemlich realistisch und so waren alle Sinne in die Erfahrungen einbezogen. Die Gruppe wurde oft in das jeweilige Szenario mit integriert. Und es war eindrucksvoll, wie die Souveränität der Teilnehmer*innen beim Erste-Hilfe leisten wuchs.

Zwischendurch haben wir in Partnerübungen das Anlegen von Schienenmaterial ebenso geübt, wie den Bodycheck, die Anamnese sowie diverse Tragetechniken für Verletzte. 

Und abends gab es ein gut gehütetes Feuer in der Jurte. 

Ich lerne am besten über direktes Erfahren und Erleben. Wenn mehrere Zugangskanäle aktiviert sind, ist das Gelernte nicht nur für den Moment präsent, sondern wird verinnerlicht. 

Also ein ganz herzliches Dankeschön an das Team von Earthtrail...


...und an all die involvierten Statist*innen für das Engagement, die Begeisterung, die Organisation, die Lebendigkeit des Kurses. Ich werde wohl keinen anderen Erste-Hilfe-Kurs mehr besuchen können, ohne leise zu entschlummern...

Sonntag, 17. Januar 2021

Das 1. Wildniscamp für ehemalige Drogenkonsument*innen...

...,das ich auf dem wundervollen Platz der Wildnisschule Waldschrat (KLICK) leitete, gehört nun bereits der Vergangenheit an. In meinem Rückblick auf das bewegende Jahr 2020 habe ich es noch einmal nachklingen lassen. Es erfüllt mich immer wieder mit Demut und Freude, wenn etwas, was mir als feine kleine, dem Leben dienende Idee durch Herz und Sinn schwirrte, umgesetztes und kraftvoll gelebtes Leben wird.

Wir waren zehn Menschen, die Ende Oktober ein verlängertes Wochenende miteinander verbrachten - wunderbarerweise fünf Frauen und fünf Männer. 

Wir erlebten eine so berührende Zeit tiefer Verbindung mit uns selbst, miteinander und mit der uns umgebenden und uns durchströmenden Natur, dass ich immer wieder Gänsehaut habe und staune, was an einem verlängerten Wochenende möglich ist. Der goldene Oktober beschenkte uns mit wundervollem Licht und feinstem Wetter.

An einem Tag fanden wir viele Pilze, putzten sie im Licht der Stirnlampen, und bereiteten unser selbst gesammeltes Essen zu. Es gab panierte und gebratene Parasolpilze mit Pellkartoffeln und Pilzragout. Für einige der Menschen war es das allererste Mal, das Essen vom Wald geschenkt bekommen zu haben.

Wir holten tote Fichten aus dem Wald, sägten unser Feuerholz und bereiteten einen Holzstapel für nachfolgende Gruppen vor...



Hier ist der Platz mit der Draußenküche, der Abwaschstation, dem Jipi und der Feuerstelle zu sehen. Das Abwaschwasser wird gerade vom Feuer erhitzt. 


Jede*r lernte einen Baumfreund kennen, fand einen Sitzplatz und war - vielleicht zum allerersten Mal im Leben - bewusst still und wahrnehmend am immer wieder gleichen Ort in der Natur.

Über diverse Wahrnehmungs-, Achtsamkeits-, Paarübungen und Spiele, Co-Council, Gemeinschaftsaufgaben, Gespräche entstanden Verbindung, Verbundenheit und Mitgefühl. 

Im Oktober wurde es schon früh dunkel. Das waren gute Zeiten, um im Kreis am Lagerfeuer zu sitzen, zu singen, Wirklichkeiten zu teilen und neue Wirklichkeiten zu schaffen. 


Immer wieder gab es Redekreise, in denen aus dem Herzen gesprochen und mit dem Herzen gelauscht wurde. Wir zündeten am Feuer der Gemeinschaft laaaaaange Wunderkerzen an und während sie abbrannten, stellten wir uns vor, wie wir noch mehr in unserer Kraft sind und umsetzen, was umgesetzt werden will. 

Seit dem Camp treffen wir uns nun einmal im Monat per Zoom zum Redekreis. So können wir einander ein Stück im Alltag begleiten und unterstützen. Übrigens möchten alle Menschen, die 2020 am Camp teilgenommen haben, auch 2021 wieder dabei sein und Patient*innen, die ich aktuell begleite, interessieren sich auch für das Camp. Der Termin steht bereits; es wird vom 24. bis zum 27. September 2021 ebenfalls auf dem Platz der Wildnisschule Waldschrat stattfinden. Ich freue mich darauf!



Hier kommen noch ein paar Rückmeldungen der Camp-Teilnehmer*innen: 

D.: 
Ich hab euch so sehr in mein Herz geschlossen... Jeden Morgen im Camp mit den Kranichen zu erwachen und euren Stimmen, die mir ein Gefühl von "Ich bin nicht allein." gaben und dass Familie nicht vom Blut abhängig ist, lässt mich tiefe Dankbarkeit empfinden...

M: 
Ich bin soooo froh über die Erfahrungen im Camp und die Naturverbindung. Seit unserer Heimkunft war ich jeden Tag im Wald oder Wäldchen und spüre wie mein Verlangen nach Konsumgütern derzeit nicht vorhanden ist und ich mich sehr integer mit mir selbst fühle. Ich freue mich mega auf unsere Redestabrunde...

J.:
Ich hoffe das Wochenende wirkt auch bei euch noch positiv nach. Ich bin gut und bereichert zu Hause angekommen. Auch wenn der Alltag mich mittlerweile zurück hat, merke ich, dass mir vieles nochmal klarer erscheint als vorher und es mir gut gelingt, behutsamer mit mir und auch anderen umzugehen...

Herzlich grüßt Dich

Jana

Montag, 25. Mai 2020

Kurze Draußenzeit mit tiefer Erkenntnis...


Im letzten Post hatte ich ja bereits erzählt, dass ich eine einwöchige Draußenzeit im Wald geplant hatte, um wieder tiefer einzutauchen in das wilde Leben, mich mit dem gefiederten Völkchen und den Vierbeinern, den Krabbeltierchen, Pflanzen, Steinen, dem Wetter, den Elementen, den Lichtverhältnissen und den so vielfältigen Geräuschen zu verbinden. Bevor ich losgewandert bin, hatte ich mich jedoch einigen inneren Widerständen zuzuwenden. Es gab Anteile in mir, die gern im Vertrauten geblieben wären und mir zuflüsterten: Du kannst Deinen Urlaub auch in der gemütlichen Jurte verbringen. Bist Du sicher, dass Du unbedingt zu den Eisheiligen eine Fastenwanderung machen willst? Ich weiß inzwischen, dass ich neben den wundervollsten Tierbegegnungen und Erlebnissen IMMER auch Herausforderungen zu bewältigen habe. Das Geschenk im Anschluss bedeutet Wachstum. Natürlich gab es auch den anderen inneren Anteil, der vorfreudig war und es kaum erwarten konnte, endlich den Rucksack zu packen und wieder loszuziehen.

Es ist ein so schönes Gefühl, das eigene Zuhause in Form einer Plane, eines Tarps dabei zu haben, nichts zu müssen und alles zu können. Ich ließ mich von meinem Bauchgefühl leiten und wanderte direkt von der Haustür aus los. Stromerte hierhin und dorthin, besuchte alte Baumfreunde. Bei heftigeren Regenschauern schlüpfte ich unter meinen Regenponcho, setzte mich an den Wegrand, beobachtete den Regen und den Wind, lauschte den veränderlichen Geräuschen. Als sich der Himmel dann vollständig verdüsterte, wurde es Zeit, mir einen ersten Lagerplatz zu suchen. Ich fand ihn in einem Wald und schaffte es gerade noch, mein Tarp aufzuspannen, bevor es in Strömen und durchgängig regnete. Dankbar für diesen Platz, an dem ich mich wohl behütet fühlte, schlief ich ein und erwachte immer mal wieder. Vielleicht kennst Du diesen besonderen Schlaf in der Natur auch? Er ist um einiges leichter als in Steinhäusern. Die Nacht war wundervoll. Überall knusperte und trappelte, knackte und stampfte es. Und ich war mittendrin, in meinen warmen Schlafsack gekuschelt, fühlte mich zugehörig und sehr willkommen. Der Regen trommelte gleichmäßig auf das Tarp und mich immer wieder in den Schlaf. In dieser Nacht träumte ich u. a. auch, dass mein Portemonnaie gestohlen wurde. Am nächsten Morgen kam sogar kurz die Sonne heraus und zauberte Schattenspiele auf die Plane. 


Da das Tarp noch nicht trocken war, ließ ich es stehen, verbarg meinen großen Trekkingrucksack unter dem Tarp und einer weiteren Plane, packte meinen kleinen Tagesrucksack, nahm ganz nebenbei auch mein Portemonnaie mit all meinen Papieren mit (ohne den Traum hätte ich es sicher nicht gemacht) und stromerte los. 

Dieser wundervolle Duft nach dem Regen... Wenn der Wald und alle Naturwesen aufatmen... So wunderschön! Ich sah zwei Füchse und einige Rehe, ein Feldhase saß in seiner Sasse und sprang auf, als ich ihm zu nah gekommen war. Die Pusteblumen trugen ihr Regenkleid...


...Die Fichtenspitzen leuchteten...


...und die Kastanienblüten bestaunte ich einmal mehr ob ihrer filigranen Schönheit...


Immer wieder setze ich mich an einen Baumfreund, beobachtete, lauschte, sang und rasselte. Ich ließ mein Mitgefühl überfließen und verströmte meine Liebe.


Nach ungefähr drei Stunden war ich zurück und entdeckte, dass mein Wanderrucksack...


...verschwunden war. 

Erst konnte ich es nicht glauben und als es dann langsam als Realität bei mir ankam, war ich unendlich traurig. Mein Draußenzuhause wirkte, als ob jemand hastig den Rucksack unter der Plane hervorgezogen hatte. Die verkruschelte Abdeckplane und alles, was sonst noch unter dem Tarp war, lag noch da.

Was ich durch diese Herausforderung wohl lernen soll? 


(Soweit ging mein Instagram-Post gleich nach meiner Rückkehr aus dem Wald...)

Was danach passierte? Ein Sturm aus diversen Gefühlen durchtobte mich. Anderthalb Tage flammte er in Wellen immer wieder auf. Ich war fassungslos und sooo traurig, dann wütend und zornig und der Gefühlssturm begann von vorn. Mein Herz war schwer und bedrückt. Nach und nach ging mir auf, was ich alles verloren hatte. Gleichzeitig relativierte etwas in mir und meinte, ich hätte ja kein lebendiges Wesen verloren. Und doch - meine Gefühle waren da, wollten Raum haben und durchfühlt werden... Du musst wissen, dass Dinge für mich nicht nur materielle Dinge sind, sondern Begleiter. In dem Trekkingrucksack war mein kostbarer Daunenschlafsack, mein nigelnagelneuer Wasserfilter, den ich extra für die Visionssuche in Amerika gekauft hatte, Regenjacke und -hose, ein Paar Wildlinge, mein geliebtes Taschenmesser in der Lederscheide und weitere Werkzeuge, Wohlfühlkleidung, meine kleine Teelichtlaterne, Räucherwerk, mein selbst gebautes Hobo-Köcherchen, eine Edelstahltasse und meine vier Medizinrad-Steine, die mir 2014 auf meiner Visionssuche in Colorado vor die Füße gesprungen waren. Dieses kleine Medizinrad, das mich nun schon sechs Jahre begleitet, war und ist der traurigste Verlust... 

Zuerst suchte ich die Gegend ab. Immer noch in der Hoffnung, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hatte und mir einen Schrecken einjagen wollte. Aber nichts... Mit schwerem Herzen baute ich mein Tarp ab, schnallte es zusammen mit der Isomatte an meinen Tagesrucksack, rief meine Tochter an und bat sie, mich abzuholen. Traurig wanderte ich ihr entgegen.

(Eigentlich hatten wir meine Fastenwanderung und die Renovierung unserer Küche durch meine mit zwei goldenen Händen ausgestattete Tochter in die gleiche Woche gelegt, weil ich täglich frisch koche und das ohne Küche recht schwierig ist. Nun war alles anders gekommen. Ich übernahm Handlangerinnenarbeiten, unterstützte Nina beim Renovieren und richtete eine Behelfsdraußenküche ein.)

Wie gesagt - anderthalb Tage währten die wellenartigen Gefühlsstürme. Ich fragte beim Fundbüro nach, gab bei Ebay Kleinanzeigen eine Suchmeldung auf, hängte ein Plakat mit Rucksackbildern und meiner Telefonnummer in den Wald, mailte den zuständigen Revierförster an - nichts. Während ich all das tat, war ich von der Akzeptanz des Verlustes noch weit entfernt.

Und dann geschah Erstaunliches: Die Gefühle waren wie ein aufgewirbeltes Meer und GLEICHZEITIG nahm ich den Boden in mir war und der war ruhig und still und sicher. Ich war fast verwundert und beobachtete mich weiter. Der Diebstahl war ja wie ein Einbruch in meinen Privatraum, ein Eindringen in Heiliges. So etwas hatte ich als Kind über viele Jahre wiederkehrend erlebt. In Folge dessen war mein Urvertrauen arg erschüttert worden bis ich es für eine Zeit vollständig verloren hatte. Jetzt war es für einen Moment wie eine Reaktivierung früherer Erfahrungen. Es gibt nur einen gravierenden Unterschied: Ich muss diese Erfahrung nicht generalisieren, denn ich weiß inzwischen, dass ich gehalten und getragen bin, dass ich - unabhängig davon, was Menschen tun und lassen - in einer wohlmeinenden Welt mit vielen wundervollen Geschwistergeschöpfen lebe, mit denen ich zutiefst verbunden bin. Ich fühle mich aufgehoben und bin voller Vertrauen. Diese eine Erfahrung kann mein über die Jahre zurückgewonnenes Urvertrauen nicht erschüttern. Ich werde weiter durch die Natur wandern und mir abends einen Schlafplatz im Wald suchen.

Ich habe also verstanden, wofür ich diese Herausforderung erleben durfte: Sie hat mir gezeigt, wo all meine innere Arbeit mich hingeführt hat, dass ich auch dunkle Gefühle annehmen und durchfühlen kann und vor allem URVERTRAUEN besitze. Und dafür bin ich unendlich dankbar.

Was war Deine letzte Herausforderung durch das Leben? 
Und was hat sie Dich gelehrt?


Alles Liebe!

Jana

Dienstag, 12. Mai 2020

Corona-Krise und das Rad der Transformation - Teil 4

Bevor ich mich heute aufmache, in meine diesjährige Draußenzeit eintauche und eine Woche fastend in der Natur verbringe, will ich Dir noch das 4. Video von Ursula und David Seghezzi vom uma-Institut verlinken. Es geht um den "Winter" und die spirituelle Dimension als wichtigen Teil eines jeden Transformationsprozesses. 


Und hier noch einmal die weisen Worte von White Eagle (Hopi) vom 27.3.2020 zum Nachlesen:

"Dieser Moment, den die Menschheit gerade erlebt, kann als Pforte oder Loch betrachtet werden. Die Entscheidung, ins Loch zu fallen oder durch die Pforte zu schreiten, liegt an Euch. Wenn Ihr das Problem bedauert und rund um die Uhr Nachrichten konsumiert, mit negativer Energie, dauernd nervös, mit Pessimismus, werdet Ihr in dieses Loch fallen.
Aber wenn Ihr die Gelegenheit ergreift, Euch selbst zu betrachten, Leben und Tod zu überdenken, für Euch und andere Sorge tragt, dann werdet Ihr durch das Portal gehen...."

Mittwoch, 31. Juli 2019

Zurück aus dem Frauencamp DIE REISE DURCH DAS MEDIZINRAD


Die Zeit nach einem Frauencamp ist für mich immer eine besondere Zeit. Sie dient dem Nachklingen und -schwingen und der Integration der gemachten Erfahrungen. Die kostbarsten Momente funkeln noch einmal auf und weben sich wie von allein in den Erinnerungsteppich, der von Jahr zu Jahr reichhaltiger, bunter und vielschichtiger wird. 

Wir erforschten in einer ganzen Woche den zyklischen Kreislauf von Keimen und Werden,  Wachsen und Blühen, Ernten und Vergehen sowie des Rückzugs und der großen Stille. Wir umrundeten das Entwicklungsrad und entdeckten durch das Eintauchen und Erleben die Qualitäten der einzelnen Richtungen noch tiefer.


Gleichzeitig zu all dem Forschen spüre ich eine Demut und die Gewissheit, dass mein ganzes Leben nicht ausreicht, um das Rad auf allen Ebenen zu erfassen. Wichtig zu sagen ist mir noch einmal, dass es nicht DAS Medizinrad gibt, sondern ungemein viele Entwicklungsräder in allen Kulturen, die in sich ausgewogen sind. Wir jedoch sind selbst gefordert  zu erforschen, was sich für uns in unseren europäischen Breitengraden stimmig anfühlt.

Wir hatten wieder einmal das große Glück, Frauen in unterschiedlichen Lebensjahrzehnten in unserem Kreis willkommen heißen zu dürfen; die Zwanziger, Dreißiger, Vierziger, Fünfziger und Sechziger waren vertreten. So durften sich drei Generationen auf bereichernde Weise begegnen, inspirieren und im Herzen berühren.
 
Ich danke uns allen für die große Offenheit von Beginn an, für die Bereitschaft, einander wirklich zu sehen, Schubladen zu öffnen und Vorurteile abzulegen, in die Weite und Weichheit unserer Herzen hineinzuschmelzen, die Verbundenheit mit uns selbst, miteinander und mit der mehr als menschlichen Welt wachsen zu lassen. Ich danke uns allen für die Authentizität und gerade auch für den Mut, sich mit (vermeintlichen) Schwächen und der genau daraus entstandenen wahrhaften Größe gezeigt zu haben. Und ich danke SEHR meinen beiden Teamfrauen für die so wundervolle Zusammenarbeit! 

(Im Hintergrund seht Ihr unseren Altarbaum, der von uns allen gemeinsam nach und nach  zu den jeweiligen Richtungen geschmückt wurde.)



Es gab soooo viele kostbare Momente! Wie immer bleibt ein Nachklang weit hinter dem echten Leben zurück und es können hier nur einige der Perlen benannt werden: 

Wir fanden uns bei einem nächtlichen Gewitter im Jippi zusammen, genossen die Geborgenheit im Frauenclan und sangen immer und immer wieder das gleiche Lied, bis wir alle kurz vor dem Einschlafen waren - beschützt und behütet, gehalten und geliebt... Wir begaben uns auf eine Schatzsuche in den Wald und wurden in kurzer Zeit sooo reich beschenkt. 


Wir begrüßten den Tag mehrfach mit gemeinsamen Bewegungen aus unterschiedlichsten Quellen (Qi Gong, Tanz, Spiel). Wir stiegen in den See und teilten das kühlende Nass mit dem Biber, den Fischen und Fröschen und einem Schwanenpaar, durften den Eisvogel beobachten, wurden immer wieder von der Rohrweihe, dem Milan, einem Kolkrabenpaar und dem Bussard besucht. Der Pirol sang uns sein Lied. 


Wir durften den dort heimischen Waschbären beim Stiebitzen von Köstlichkeiten aus der Outdoorküche beobachten. Soooo süß!!! Die Blutrote Heidelibelle kam uns ausgerechnet dann besuchen, als wir im Süden, im Feuer, im Rot, im Erwachsenenalter angekommen waren. Wir tauschten uns zu so wichtigen Themen wie Weiblichkeit, Sexualität, Menstruation, Schwangerschaft, Geburt, Tochter-  und Muttersein aus.  




Abends saßen wir gemeinsam um das Feuer und sangen. Zum Abschluss feierten wir ein Frauenfest, zu dem jede etwas aus ihrer eigenen Schatzkiste zauberte - Tänze und Lieder, Tomatensalat und Chai, gemeinsam erfundene Geschichten. Wir schmückten uns und einander, trommelten und tauchten zur Nacht noch einmal in den See. Ja, wir nahmen auch die Herausforderungen an, die - wie immer - ganz unterschiedlicher Natur waren. Und wir bewältigten sie - eine jede die ihren auf die ihr eigene Weise und inmitten anderer Frauen. Und genau dadurch geschah Erweiterung, Entfaltung, Entwicklung, Wachstum, Heilung, wuchs tiefe Verbundenheit - mit uns selbst, mit all den anderen Frauen, mit all den lebendigen Geschöpfen und der Mitwelt...


Der Platz der Wildnisschule Waldschrat in all seiner natürlichen Schönheit trug uns wunderbar durch die Tage und Nächte. Wie wichtig es ist, mal selbst für das tägliche Brauchwasser zu sorgen und zu wissen, dass Brennholz für das abendliche Feuer gesägt werden muss! Es dient der bewussteren Wertschätzung, daraus erwachsen Dankbarkeit und Achtsamkeit all unseren natürlichen Ressourcen gegenüber.



Und weil diese schwesterliche Verbundenheit sooooo heilsam ist, wird es auch im kommenden Jahr wieder ein Frauencamp geben. 

Edit: Der Termin für 2020 steht. Das Frauencamp DIE REISE DURCH DAS MEDIZINRAD findet vom 24. bis zum 31. Juli 2020 auf dem wundervollen Platz der Wildnisschule Waldschrat statt. HIER (KLICK) findest Du den Flyer und HIER (KLICK) das Anmeldeformular. Gern kannst Du Dich mit einer kurzen Mail an jana.muchalski@web.de vormerken lassen. Ich freue mich auf DICH!

Dienstag, 30. April 2019

Sinnlich, lebendig, freudig und schöpferisch...

...nehme ich die Qualität dieser Zeit wahr. 


Heute wird Beltane gefeiert. Gerade ist es grün, grüner, am grünsten... Überall blüht und funkelt, zwitschert und leuchtet der Frühling in seiner wundervollsten Kraft.


Ich pflückte Waldmeister für eine Mai-Bowle...


...schnupperte an Blüten und Bäumen, probierte hier ein Blatt Sauerklee und knabberte dort eine Blüte, zog die Schuhe aus und ging langsam barfuß und voller Genuss durch den Wald, fühlte Schattenkühle und die Restfeuchtigkeit des lang ersehnten Regens sowie die Wärme der Sonne an den inzwischen aufgeheizten Abschnitten meines Weges. 


Ich musste singen und tönen, hüpfen und tanzen, dann laufen und mich atemlos auf den Boden fallen lassen. Der blassblaue Himmel hinter den inzwischen schon recht belaubten Baumkronen bot genügend Raum für meine überströmende Freude. Kennst du das, wenn die Freude sooo groß ist, dass das Herz zu klein dafür zu sein scheint? Singen hilft mir da und Weinen auch.


Herzlich grüßt dich

JANA

Dienstag, 26. März 2019

Zurück aus dem Singdrosselcamp...

...klingt und schwingt, trommelt und summt es so fein in mir nach. Was für ein wunderbarer Start in den Frühling! 


Gemeinsam mit meinem 8jährigen Neffen, meinem geschenkten Sohn und seiner Freundin (den beiden Hamburger Stadtpflänzchen) und vielen Menschen aus dem wilden Volk, denen ich mich schnell verbunden fühlte, verbrachten wir drei Tage draußen auf Martins Platz der Wildnisschule Waldschrat (KLICK) in einem inoffiziellen  und gut besuchten Frühlingsanfangswildniscamp mit dem Schwerpunkt des gemeinsamen Singens und Musizierens. Ich habe kaum Fotos gemacht, weil ich viel zu sehr im Erleben war. 

Aber es gab viele magische Momente, die mich tief erreichten und sich mir als kraftvolle Bilder innerlich einbrannten: 

Am frühen Samstagmorgen stand der Nebel auf der Wildwiese und über dem See und wurde von der aufgehenden Sonne golden durchleuchtet. Das war so zauberhaft, dass ich den Atem anhalten musste, um die Magie nicht zu verscheuchen. 
Die immer wieder auffliegenden Schwäne mit den sooo typischen Singgeräuschen der Flügel... 
Leuchtende Zitronenflatterwesen...
Der Blick in die Universumblauaugen kleiner Babys... 
Der erste Satz, den M. beim Erwachen im Zelt sagte, war: Hast du auch den Specht gehört, Jana? 
Der Moment, als mein tieftrauriger Neffe, der über den unvermeidbaren, nahenden Abschied vom Camp weinte, vom gleichnamigen Greifvogel besucht wurde, der über ihm seine Runden drehte, als wolle er sagen: Wir werden uns hier bald wiedersehen.
Mein Anbaden im eisigen See, bis zum Hals ins Wasser hineinzutauchen und so lange untergetaucht zu bleiben, bis mein Körper dort wirklich angekommen war... Wow! Was für ein Gefühl!
Gespräche mit Herzensfrauen - wie verwandt wir doch auf unserer Lebensreise unterwegs sind...
Unter dem noch fast vollen Mond am Feuer zu sitzen, miteinander zu singen und zu musizieren, im Zelt zu schlafen, Gemüse zu schnippeln und über dem Feuer zu kochen - jede einzelne der Draußenaktivitäten wirkte so entspannend und belebend gleichermaßen. 

Ich freue mich ganz besonders darüber, dass lose Fäden aus meiner Vergangenheit neu verknüpft werden konnten. Ich freue mich über neue Frauen, die ich kennenlernen durfte. Und ich bin soooo glücklich, dass ich im Sommer eine ganze Woche auf dem wunderbaren Platz verbringen darf und noch tiefer ins wild-weibliche Sein eintauchen werde.

Donnerstag, 12. Juli 2018

Das Frauencamp HEIDEROSEN in Heidekaten...


Seit Montag bin ich bereits wieder zu Hause. So reich und sehr besonders klingt und schwingt es in mir nach und braucht Zeit und Stille, um integriert zu werden. Wir waren zwölf Frauen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, kamen aus verschiedenen Himmelsrichtungen und ganz verschiedenen Leben zusammen, trafen uns auf Martinas Hof in Heidekaten und verbrachten laut Uhr und Kalender nur 3 ganze und zwei halbe Tage miteinander. Laut Kalender wohlgemerkt... Denn in Wirklichkeit war die Zeit so reich gefüllt und gefühlt, dass ein halbes Leben stattgefunden hat. In mir... In uns allen...


Selten habe ich eine so offene und so zugewandte, wertschätzende, liebevolle Frauenrunde erlebt, in der ALLES Platz haben durfte - die eigene Größe, das Tiefe, all die Gefühle, die uns so lebendig sein lassen, das Heitere, Leichte und Verspielte, die Lebenslust, aber auch die Trauer, die Wut, der Schmerz über erfahrene Verluste, Ängste und Zweifel. Immer wieder kamen wir an - in uns selbst, beieinander und im so unterstützenden JETZT, in diesem einzigartigen Moment, den wir miteinander teilten. Und so reihte sich Moment an Moment und es entstand eine Perlenkette aus unendlich kostbaren Augenblicken und sooo viel Verbundenheit. 


Mögen wir uns diese Perlenkette aus Momenten der Wertschätzung, Liebe und Selbstermächtigung immer wieder neu um den Hals legen, auf dass sie unseren Herzraum berührt und Mitgefühl und Liebe in uns wachsen dürfen. 


Ich freue mich so sehr, das Gedicht von Jeannette hier veröffentlichen zu dürfen, das im Camp aus ihrer Feder floss...

BEGEGNUNG

Wir sind uns begegnet
unterm hohen Himmel des Julis
mit dem, was wir hatten, 
mit dem, was wir hofften, 
und der Gier,
dieser Herzgier nach allem, 
was berührt und verbindet. 

Wir sind uns begegnet
in der Zwölfzahl
der Frauen, Wunder und Wunden.

Wir sind uns begegnet
in Mangel und Fülle, 
in Aussaat und Ernte 
und kehren der Liebe voll
nach Hause zurück.

Und über Wunden 
wird werden
lauter Leichtes und Lichtes.

Jeannette Klinger

Freitag, 1. Juni 2018

Frauencamp HEIDEROSEN in Ostsee-Nähe...

Gerade hat sich eine Frau aus gesundheitlichen Gründen abmelden müssen. So gibt es aktuell noch zwei freie Plätze. Melde dich gern, wenn du dabei sein möchtest. 


HIER (KLICK) kannst Du einen Nachklang zum letzten Jahr lesen.

Montag, 14. Mai 2018

Ein Resümee - Meine Draußenzeit im Mai...

...begann mit ihren Auswirkungen in mir schon einige Tage vor meinem Aufbruch. Ich war von innerer Unruhe erfüllt, einem unguten Gefühl in der Magengegend, das ich nicht zuordnen konnte. Anfangs war es nur ein vages Drücken... Mein Plan sah in diesem Jahr anders aus als in den Jahren zuvor. Ich wollte dieses Mal nicht wandern und mir allabendlich einen neuen Schlafplatz im Wald suchen, sondern hatte vor, in einen Wald umzuziehen und dort zu bleiben, um aus dem TUN im SEIN anzukommen... Das Wandern, das Finden und das Ankommen an einem neuen Platz, Wasser finden und filtern, das Auf- und Abbauen des Tarps binden Zeit und Aufmerksamkeit und das, was ich aus dem Alltag gut kenne - das Tun - nimmt großen Raum ein. 



Widerstand oder Intuition?

Ich wollte den größten Wald im Klützer Winkel aufsuchen. Allerdings nahm mein Unwohlsein zu, je näher der Tag der geplanten Abreise rückte. Seit nunmehr fünf Jahren schenke ich mir jedes Jahr eine Draußenzeit. Deshalb weiß ich inzwischen, dass das mehrtägige Alleinsein in der Natur mir neben wundervollen Erfahrungen wie Tierbegegnungen und Verbundenheitsgefühlen immer auch Herausforderungen bringt. Und die katapultieren mich erstmal aus meiner Komfortzone heraus, bevor ich ihren Schatz bergen kann. Ich vermutete also, dass mein unwohles Gefühl mich vom Verlassen meiner Komfortzone abhalten wollte - ein Widerstand sozusagen... Aber so anhaltend?  In der Regel kann ich mich auf meine Intuition verlassen. Jetzt jedoch war ich ratlos. Wie sollte ich zwischen Widerstand und (in diesem Fall warnender) innerer Stimme unterscheiden? Mir half das Sprechen mit einer meiner Schwestern und ein Experiment: Ich stellte mir vor, in den Wald zu ziehen, in dem sich mein Sitzplatz befindet und sofort setzte Entspannung ein. Es fühlte sich an, als fielen zentnerschwere Steine von mir ab. Ich atmete auf und mein ganzes inneres System sagte JAAAA. Dachte ich hingegen daran, in den Leonorenwald zu gehen, zog sich wieder alles in mir zusammen und wurde schwer und drückend. Auf diese deutlichen Signale hörte ich dann, veränderte meinen Plan und zog zu meiner Sitzplatz-Buche. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen konnte, wovor mich meine innere Stimme beschützte, ging ich da schon davon aus, dass sie es tat. Mir tut es gut, auf sie zu hören und mich so selbst ernst zu nehmen.

Erstmal ankommen

Der Ruf eines der zwei hier lebenden Kolkraben an der Schwelle zum Wald freute mich. Wo war nur der zweite? Ich betrat den Wald, nahm die Veränderung des Lichtes, der Temperatur, des Duftes wahr und sah die Buchen, Fichten, Eschen, Eichen, ab und an eine Vogelkirsche, einen Holunder, eine Eberesche und die Blumen - die letzten Veilchen und Buschwindröschen, leuchtende Goldnessel, die weißen Blüten des Wald-Hornkrauts...


...den ebenfalls blühenden Waldmeister und die ersten feinen Blüten des Ruprechtskrautes (2011 hatte ich damit gefärbt und gedruckt (KLICK)) 

Dann kam ich zu "meiner" Buche. Es tat sooo gut, mich auf die Erde zu setzen, meinen Rücken an ihren Stamm zu lehnen und zu atmen. Ich liebe den Blick in ihre ausladende Krone und bestaunte das Licht, das zu dieser Jahreszeit durch die schon großen, aber noch zarten Blätter fällt. 



Und doch dauerte es diesmal eine lange Zeit, bis ich wirklich angekommen war. Wie viele Gedanken durch meinen Kopf flogen, war mir bis dahin kaum bewusst. Ich bemerkte es erst hier, als ich nichts musste, sollte, wollte, sondern einfach sein durfte... Die sinnliche Wahrnehmung half mir beim Ankommen. Ich spürte den Waldboden unter mir, hörte das trockene Laub des Vorjahres rascheln. Der Wind strich mir über die Haut. Ich knabberte etwas Sauerklee und schmeckte die frische und angenehme Säure. Und dann tat ich weiter nichts. Nahm nur wahr. Sah die feinen Buchenblätter sich im Wind bewegen, beobachtete das Licht- und Schattenspiel, folgte dem Flug von Schmetterlingen mit den Augen, lauschte den Geräuschen des Waldes, dem Zwitschern, Rufen, Singen, Krächzen des gefiederten Volkes und immer wieder dem Wind, der dort an meinem Platz kräftig blies. Ich lauschte und lauschte...


Die erste Nacht

Für die Nacht legte ich eine Plane in die mit trockenem Laub gefüllte Senke, meine Isomatte darauf und mein Bett war fertig. Die Sonne sank...

 
...die Dämmerung fiel, die zunehmende Dunkelheit verschluckte die Farben, die Geräusche veränderten sich. Ich kroch in meinen Schlafsack, der Wind lullte mich ein und ich dämmerte hinweg. Ich kann in der Regel gut und überall schlafen, merke jedoch, dass der Schlaf draußen eine andere Qualität hat. Er ist leichter und erlaubt mir, bei ungewohnten Geräuschen schnell zu erwachen. Da sitzt mir wohl etwas Uraltes in den Genen. Ich hörte es Knabbern und Knuspern und erinnerte mich an ein Mäuschen, das ich in einer früheren Draußenzeit kennengelernt hatte. Ein Geschöpf trabte in der Nähe meines Schlafplatzes rasch vorbei. Das trockene Laub machte jede Bewegung hörbar. Ich vermutete, es war ein Fuchs, bin aber nicht sicher. Allerdings war mein Schlaf tief genug, dass ich nicht merkte, dass Mücken mir mitten in meine Nasenspitze gestochen hatten. Als ich erwachte, pochte und pulsierte sie und war angeschwollen. Überhaupt gab es hier sooo große und viele Mücken. Der viele Regen in der letzten Zeit hatte dafür gesorgt, dass alle Senken im Wald mit Wasser gefüllt waren und sich kleine Teiche und Wassergräben gebildet hatten. Ideale Mückenbedingungen also... Deshalb beschloss ich, für die nächsten Nächte Ramonas (KLICK) Moskitonetz aufzuhängen und mich so vor den kleinen Blutsaugern zu schützen.




Das Mini-Feuer hüten

Am Morgen kochte ich mir mit meinem ganz einfachen Holzkocher, der aus einem Ikea-Besteckbehälter, zwei langen Schrauben und einer Metalltasse besteht, einen Tee. Ich hatte Rohrkolbenwolle und feine Streifen Birkenrinde als Zundermaterial dabei, sammelte kleine Zweige und schlug mit Feuerstahl und Magnesiumstab heiße Funken ins Zundernest. Wie ich es liebe, so ein klitzekleines Feuer zu schüren und achtsam zu füttern, mit meiner Aufmerksamkeit nur bei den feinen Flammen zu sein!


Der so zubereitete Tee schmeckte mir besonders köstlich. Durch das Fasten - ich trank morgens Tee und ansonsten Wasser - verlangsamte ich. Zeit wurde bedeutungslos. Ich beobachtete einzig den Lauf der Sonne, suchte mir Sonnenflecken auf dem Waldboden und badete dort in Wärme und Licht. Ab und an summte oder tönte ich, aber die meiste Zeit war ich still. Ich schrieb nicht einmal Tagebuch.


Tierbegegnungen

Ein großer Feldhase drückte sich in seine Sasse, bis ich ganz nah heran gekommen war. Erst dann sprang er auf und flitzte davon. An einem anderen Morgen kam er (oder ein anderer) bis nah an meinen Schlafplatz heran, zupfte hier und naschte dort, hoppelte auf das nahe Feld und kam später wieder zurück. Er war ganz gemütlich unterwegs. Anders als einige Wildschweine abends, die wohl an die feuchte Senke wollten, mich jedoch witterten und schnell wie der Wind davonstoben, so dass die trockenen Zweige unter ihnen nur so krachten. Tja, wieder kein Glück bei der Beobachtung. Dabei gibt es in der Nähe meines Sitzplatzes eine viel besuchte Suhle und zwei eindrucksvolle Mahlbäume. Solang ich jedoch da war, ließ sich dort kein Schwein blicken.




In der zweiten Nacht hörte ich langsame, aber kraftvolle Schritte eines Zweibeiners, die näher und näher und dann ganz nah kamen... Ich hörte, wie etwas an meinem Rucksack zupfte, der vor dem Moskitonetz an einem Baum lehnte, hob ganz langsam den Kopf. Der Nandu erschrak und rannte davon. Wow! So nah war ich noch keinem gekommen. Im Dezember hatte ich hier in meinem Sitzplatzwald bereits ein Ei (KLICK) gefunden, wußte also, dass sie hier brüten.
Ich hörte die sehnsuchtsvollen Stimmen der Kraniche, den Ruf des Bussards, sah, wie der Rotmilan sich am Waldrand auf einem hohen Baum niederließ. 
Beim Umherstromern und Federn sammeln erschreckte ich einen Rehbock, der seinem Unbehagen noch lange und lautstark Ausdruck verlieh. Eine Ricke kam nah an meinem Platz vorbei. Sie nahm mich wohl nicht wahr und blieb ganz entspannt, denn der Wind stand gut für mich und ich war mucksmäuschenstill. 
Aber ich beobachtete auch viele kleine Geschöpfe: Springspinnen, Libellen, Käfer, eine rote Samtmilbe...


...und ganz viele Hummeln. Einige Zeit lag ich einfach auf dem Bauch und betrachtete den einen Quadratmeter Waldboden vor meiner Nase. Wieviel Leben darin war und wieviel Tod... Werden, Wachsen und Vergehen, im Kleinen wie im Großen und ich selbst war Teil des Ganzen... 

Herausforderung

Es war durchweg wunderbares Sommerwetter im Mai. Selbst nachts war es warm, so dass ich unter dem Moskitonetz sogar mit offenem Schlafsack liegen konnte. Ich hatte darauf verzichtet, mein Tarp aufzuspannen und genoss es, unter freiem Himmel und dem so grünen Blätterdach zu sein. Dann tauchten Wolken auf und der Himmel zog sich recht rasch zu. Obwohl auch die Mücken mich warnten, immer rasender wurden und ich ihre Sprache hätte verstehen können, hörte ich nicht auf sie. Und dann war es zu spät... Ein Gewitter krachte los. Blitz und Donner, gepaart mit Starkregen. Jetzt war es auch zu spät, das Tarp aufzuspannen. Dieses Moskitonetz ist aufgrund seiner Pyramidenform ohnehin nicht tarptauglich. Also schlüpfte ich lieber hinein, hockte mich auf meine Isomatte, zog das Tarp über mich und meine Sachen und hoffte darauf, dass das Gewitter schnell vorüber ging. Stattdessen blitzte es grell, krachte der Donner, ging es Schlag auf Schlag. Der Regen nahm eher noch zu, das Gewitter beruhigte sich mal, flammte dann jedoch wieder neu auf und ich hatte Angst... Um mich zu beruhigen, sang ich ein Lied der Cherokee und wiederholte es ein ums andere Mal. Das half mir tatsächlich, inmitten des Tumultes ruhig zu werden. 
Als das Gewitter dann vorbei war und es nur noch von den Bäumen tröpfelte, hockte ich unter dem Moskitonetz mitten in einem See aus Regenwasser. Meine Picknickdecke, die mir als Unterlage gedient hatte, war ebenso nass wie meine Jacke, mein Daunenschlafsack und einfach alles... 



Auf dem Regenwassersee schwammen Blütenpollen und zeigten schlierige Muster. Es war irgendwie absurd und zum Lachen. Ich betrachtete die Situation und beschloss, dass meine Draussenzeit jetzt beendet sei, rief meinen Gefährten an und bat ihn, mit unserer großen Einkaufskiste in den Wald zu meinem Sitzplatzbaum zu kommen. Dorthinein kamen die schweren nassen Sachen, die wir zu Hause im Garten zum Trocknen aufhängten.
Das war eine für mich ziemlich neue Situation, denn es entspricht mir eher, die Zähne zusammen zu beißen und allein eine Lösung zu finden. Da ich das aber kann, war meine Lernaufgabe hier eine andere.



Rainer staunte auch, denn er hatte noch nie erlebt, dass ich früher zurückkam, als ich angekündigt hatte. Ich lernte: Ich darf MIT der Situation gehen und immer neu entscheiden, was JETZT für mich stimmig ist. Ich kann um Unterstützung bitten und ich bekomme sie. Wie entspannend, mir all das zu erlauben! Und ich verstand: Das war der Grund für mein Unwohlsein. Wäre ich in den Leonorenwald gegangen, hätte ich diese Erfahrung nicht machen können. Ich hätte die Zähne zusammen gebissen und die Situation gewuppt, denn Situationen wuppen - das ist mir vertraut. Aber - ich muss meinen alten Mustern nicht folgen, sondern bin frei, von Situation zu Situation immer wieder neu zu entscheiden. Diese Erkenntnis darf jetzt in mich hineinsinken, sich in meine Zellen setzen und wirklich verinnerlicht werden. Und dann integriere ich dieses Wissen in mein ganzes weiteres Leben... Was für eine Erweiterung!

So viele Geschenke

Wieder bekam ich einen Stenz geschenkt, den ich bearbeiten und weiter verschenken werde. Und Federn  - ein paar blau schimmernde Stockentenfedern, drei von der Amsel, feine weiße Taubenfedern und ein paar, die ich nicht zuordnen konnte. Ich sammelte mehrere kuschelweiche Daunenfedern vom Waldboden, vielleicht die eines Käuzchens.


Und ich wurde mit klarer Waldluft beschenkt, mit Ruhe, Erholung und Langsamkeit, mit Dankbarkeit für meine innere Stimme, meine Intuition. Ich danke sehr dafür, dass ich nun noch einmal tiefer weiß, dass ich eingeladen bin, gut zu unterscheiden, wann es darum geht, etwas bis zum Ende zu bringen und wann ich weich und liebevoll mit mir sein darf und mir erlaube, etwas vorzeitig zu beenden. Ich danke euch Mücken für die Gewitter-Warnung und verspreche, euern Rat beim nächsten Mal ernst zu nehmen. Ich danke für die Erinnerung daran, mich in angstvollen Situationen selbst beruhigen zu können. Ich danke dafür, noch einmal mehr ins Vertrauen gesunken zu sein, dass das Leben es gut mit mir meint, dass ich getragen, gehalten und beschützt bin. Ich danke dir, Buche, dass es dich gibt, dass du nun schon einige Zeit meine Lehrerin bist und ich bei dir sein kann - bei jedem Wetter, zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit und immer wieder neu...