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Mittwoch, 14. Mai 2025

Monatsrückblick April 2025 - SOWOHL - ALS AUCH

Im April wurde der zweite Sohn meines Neffen geboren. Im April starb Rainers Mama mit 90 Jahren. Im April gab es zu Ostern einen Konflikt zwischen uns vier Schwestern. Im April verbrachte ich mit Marthe eine wunderschöne und verbindende Zeit im Wacholderwald der Lüneburger Heide und vieles mehr.

Dieses Jahr entpuppt sich immer mehr als ein Jahr des SOWOHL - ALS AUCH...


Vorgespräche für die neue Gestaltungstherapiegruppe

Mit den Vorgesprächen begann der Monat. Dafür lade ich mir die Menschen, die auf der Warteliste für die Indikativgruppe stehen zu einem halbstündigen Gespräch ein, weil ich nur mit Menschen arbeiten möchte, die intrinsisch motiviert und bereit sind, sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Ich erzähle von möglichen Inhalten der Gruppe und von der Art und Weise, wie wir dort miteinander unterwegs sind. Es geht um Gleichwürdigkeit und Augenhöhe, um Wohlwollen und größtmögliche Offenheit. Die Gruppe begibt sich über einen Zeitraum von 8 Wochen einmal wöchentlich für 2,5 Stunden auf eine bewegende, gemeinsame und individuelle innere Forschungsreise. Wir befassen uns mit Lebensfragen und widmen uns all den Themen, mit denen wir Menschen in unserem Leben in Kontakt kommen. Mit max. 8 Personen ist die Gruppe voll belegt. Meistens stehen mehr Menschen auf der Warteliste als es Plätze in der Gruppe gibt. 

Der Raum ist vorbereitet...



Lomi Lomi Massage

Am 2. April gönnte ich mir wieder eine dieser wunderbaren Zeiten für Körper, Geist und Seele und fuhr nach Wismar zu Christine (KLICK). Die anderthalb Stunden intuitiver und tief verbundener Ganzkörpermassage mit warmem Öl ist auf eine Weise nährend und klärend, dass alle Worte hinter der Erfahrung zurückbleiben. Da hilft nur, es selbst zu erleben. (Wobei ich gar nicht weiß, ob das so clever ist, Christines Lomi zu empfehlen, denn es ist jetzt schon echt schwierig, einen Termin zu bekommen.)

Die Schwalben kehren zurück und der Kuckuck ruft

Am 12. April sah ich die ersten Rauchschwalben hier über Ollndorf in Nordwestmecklenburg. Das ist immer ein besonderer Moment, der mir frühlingshafte und sommerliche Zaubrigkeiten zuflüstert. Es ist so schön, wenn die Flugkünstler den Himmel endlich wieder bevölkern und zwischen ihren Kapriolen zwitschernd und schwatzend auf der Stromleitung sitzen. 

Ansonsten ist in der Nähe ein Kolkrabenpaar zu Hause, das immer mal wieder mit einem Elsterpaar aneinandergerät. Die Ringeltauben haben sich den Brutplatz des Vorjahres ausgesucht und dort ein neues Nest gebaut. Ich drücke ihnen die Daumen, dass sie in diesem Jahr von den Elstern unbehelligt ihre Kleinen ausbrüten und aufziehen können.

Ein Leben beginnt

Am 13. April ist mein Neffe zum zweiten Mal Vater geworden. M. hat den Sohn im Geburtshaus zur Welt gebracht. Die kleine Familie ist gleich nach der Geburt wieder nach Hause gefahren. Es geht allen wunderbar, was mich sehr freut!

Ein herzliches Willkommen auf dieser Erde, lieber Y. Wir wünschen Dir ein gesundes, langes und gesegnetes Leben. Mögest Du Dich zeitlebens geborgen, gut aufgehoben und unterstützt fühlen. Mögest Du wachsen, die Welt in Deinem Tempo entdecken, Deinen ureigenen Weg gehen und Deine Gaben leben. 

Ein Leben endet

Seitdem die Beziehung zwischen Rainer und mir eine neue Form angenommen hat, war ich nicht mehr so häufig mit seiner Familie im Kontakt. Aber am 19. April hatte ich den unüberhörbaren Impuls, Rainer nach Hamburg zu begleiten und seine Mama im Krankenhaus zu besuchen. Sie schlief und wachte während unserer Anwesenheit auch nicht mehr auf. Für uns beide war spürbar, dass sich Waltraud bereits in einem Zwischenraum befand - nicht mehr ganz hier, noch nicht ganz dort. Am Abend bekamen wir die Nachricht, dass Waltraud - die letzte von Drillingen - mit 90 gelebten Jahren gestorben ist. Eine gute Reise, liebe Waltraud und DANKE für Dein offenes Herz. 


Frühlingskraft

Diese Gleichzeitigkeit... Vergehen und Werden... Die Blätter drängen aus den Knospen. Es grünt und grünt und grünt und zieht mich so nach draußen. Ich stromere an der Maurine umher und begrüße eine Baumfreundin, die ich schon viele Jahre kenne. Die Traubenkirsche beglückt mich mit meinem Lieblingsduft. Gänseblümchen blühen dicht an dicht, so dass ich mit den beiden Traumatherapiegruppen Gänseblümchen pflücke und trocknen lasse, um später gemeinsam eine Salbe herzustellen. 

Es ist Frühling satt...









Im Wacholderwald in der Teufelsheide

Ende April waren Marthe und ich einen Samstag im Wacholderwald der Lüneburger Heide (KLICK) unterwegs. Danke für diese schöne Wanderung, unseren Austausch, das stille und genussvolle Miteinandersein in schönster Landschaft, liebe Marthe. Wie beglückend! 

Der Wacholder ist mir schon mehrfach intensiv begegnet. Bereits 2014 auf meiner Visionssuche in Colorado und Utah in den USA fand ich während meiner Solotage in wilder Natur einen uralten Großvater-Wacholder, der seine dicken Zweige auf dem sandigen Boden abstützte. Zu seinen Füßen hatte sich eine Sandbank gebildet, die genauso groß (oder klein) war, wie ich es bin und sich mir als Bett anbot. Und so schlief ich nicht unter meinem ein ganzes Stück entfernt aufgespannten Tarp, sondern zu Füßen des Wacholders unter dem Sternenhimmel und war bereit, den wilden dort lebenden Geschöpfen zu begegnen. Vielleicht erzähle ich hier mal von meiner Visionssuche?

2022 hatte ich auf einer meiner Draussenzeiten in einem anderen südlicher gelegenen Wacholderwald im Tarp übernachtet. So ein magisches Pflanzenwesen! Jetzt will ich es noch einmal näher kennenlernen. 


Im Konflikt 

Eigentlich waren wir Schwestern für Karfreitag zu einem Picknick verabredet. Leider hat sich vor diesem geplanten Treffen ein Konflikt kreiert, den ich sehr bedaure. (Im Stillen gehe ich davon aus, dass es kein echter Konflikt ist, sondern sich eher um emotionale Aktivierung von Altlasten handelt...) Gleichzeitig wurde mir einmal mehr klar, wie schnell wir Menschen Aussagen oder geschriebene Worte interpretieren. Und wieviel diese Interpretationen mit den nicht ganz verdauten Erfahrungen aus unserer Vergangenheit zu tun haben, sprich: mit der Brille, die wir tragen, durch die wir auf das Leben schauen. Letztlich war jede von uns vieren in ihrem eigenen Film. 

Wir werden - auf Nadjas (KLICK) Initiative hin - Ende Mai eine Mediation bei Caroline Kikisch (KLICK) in Hamburg besuchen und uns 6 Stunden lang den zwischen uns schwelenden Themen widmen. 

Mein Herz klopft, da ist Angst UND ich kann uns vier sehr dafür anerkennen, dass wir den Weg hinein gehen und nicht den - vermeintlich leichteren - Weg der Vermeidung und Trennung. 

Und so passend: Im zweiten Ausbildungsjahr der Lebensweise Coachingausbildung geht es um Beziehungs- und Konfliktfähigkeit. Ich kenne es bereits, dass das Leben ausreichend Forschungsmöglichkeiten zu den jeweiligen Themenfeldern zur Verfügung stellt. ;)

...

Das war der natürlich nicht vollständige April-Rückblick. Denn ich hab noch nichts vom Nordlichtertreffen erzählt, bei dem ich nicht ganz in meiner Kraft war und keine Stimme hatte, weil sich eine Erkältung anbahnte. Ich hab noch nicht erwähnt, dass ich aufgrund des grippalen Infektes das Vollmondsingen ausfallen lassen musste. 

Soviel zu ICH BIN ZUHAUSE IM KÖSTLICHEN LEBEN. ♥

Dienstag, 25. Januar 2022

Über die Geduld...


Man muss den Dingen die eigene,
stille, ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist austragen –
und dann gebären … 

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit … 

Man muss Geduld haben!

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fernen Tages
in die Antwort hinein.

Rainer Maria Rilke

Samstag, 27. Juni 2020

Zurück in die eigene Kraft - ein Seminar im nährenden Frauenkreis...


In meinem Blogpost zur Emotionalen Zeitqualität (KLICK) schrieb ich ja schon, was uns in diesen Zeiten herausfordern kann. Weil wir MIT dem gehen wollen, was wir wahrnehmen, haben Birke Knopp (KLICK) und ich uns überlegt, das ursprünglich geplante Mutter-Tochter-Seminar auf all die Themen auszuweiten, die uns Frauen in dieser speziellen Zeit bewegen. Wir werden mit all unserer Liebe, unseren langjährigen Erfahrungen aus Frauenkreisen und Therapiegruppen einen wertschätzenden Raum zur offenen Prozessbegleitung kreieren, in dem Du herzlich willkommen bist. Wir freuen uns sooo sehr auf die gemeinsamen vier Tage im wunderbaren Seminarhaus Kranichmoor in 23883 Neuhorst am Wall! Ein wunderbarer Koch wird uns mit köstlichen Speisen verwöhnen, so dass wir tief eintauchen können und auf vielen verschiedenen Ebenen gut genährt wieder nach Hause fahren.

Downloaden kannst Du Dir den   Flyer (KLICK) hier. Die Plätze sind auf 8 Frauen begrenzt und einige sind schon weg. Wenn es Dich lockt, melde Dich schnell an, z. B. per Email an jana.muchalski@web.de  


Herzlich grüßt Dich

Jana

Mittwoch, 11. März 2020

Wieder zurück...


In diesem Jahr dauerte mein Dunkelzeiturlaub besonders lange an und auch das Auftauchen geht langsam und Schritt für Schritt. Heute früh saß ich mit einem Lupinenkaffee im Garten und sah dem Tag beim Erwachen zu. Die Vögel zwitscherten und drängelten sich im Futterhäuschen. Ein kleiner geflügelter König hüpfte bodennah durch die Sträucher und ließ mich lächeln. Das Leben kehrt gerade sehr zurück. Und so kehre auch ich wieder hierher zurück und belebe meinen still gewordenen Blog neu. Es wird immer wichtiger für mich, meinen inneren Impulsen sehr klar zu folgen, mein Ja und mein Nein zu leben und genau hinzuspüren, was für mich wann stimmig ist.

Ich nehme die Zeitqualität als echt herausfordernd wahr. Die Welt dreht sich sehr schnell, die Energie ist laut und schrill, Angst nimmt einen großen Raum ein, wobei die Angst viele verschiedene Mäntel oder Überschriften trägt. Eine besondere Herausforderung ist es für mich, trotz all dieser Energien in meiner Mitte zu bleiben und/oder - wenn ich dort herausfalle, was mir immer wieder passiert - mich wieder neu zu zentrieren. Seit vielen Jahren sehe oder höre ich nun schon keine Nachrichten mehr, denn ich will selbst entscheiden, worauf ich meine Aufmerksamkeit ausrichte. Und es ist eine kontinuierliche Übung, mich vom Schmerz der Erde und all ihrer Geschöpfe berühren zu lassen, jedoch nicht im Leiden und in der Ohnmacht stecken zu bleiben, sondern mich immer wieder auf das auszurichten, wo ich wirksam sein kann. Auch wenn mir das mal mehr, mal weniger gut gelingt - das ist meine Intention.

Zum Beispiel spüre ich fast körperlich, wie sich der nicht vorhandene Winter auswirkt. Und obwohl ich weiß, dass ein Hadern mit dem was ist sozusagen einem Kampf gegen das Leben gleichkommt, beunruhigen mich der im Februar blühende Löwenzahn und die Färberkamille, die den ganzen Winter durch neue Blüten austrieb... Aber auch hier wieder die Frage: Was kann ich bewirken - hier und jetzt? 

Eine Antwort ist, dass ich mich seit Jahresbeginn zu 100% pflanzlich ernähre. Um mich nicht zu überfordern, läuft mein Ernährungsexperiment erstmal ein halbes Jahr. Währenddessen werde ich spüren und reflektieren, was sich in mir verändert und daraus ableiten, wie ich weitergehen will. Und jetzt lasse ich mich noch ein wenig vom Vogelgezwitscher erreichen...

Hab einen schönen Tag!

Herzlich

Jana


Montag, 28. Oktober 2019

Herbsturlaub im Schwarzwald...


Eine Woche unseres gemeinsamen Urlaubs verbrachten mein Gefährte und ich im Kinzigtal. Wir hatten ein ehemaliges Bienenhäuschen (KLICK) gemietet, das von der Gastgeberfamilie zu einem wundervollen kleinen Domizil ausgebaut wurde. Danke, liebe Annerose und lieber Stefan!

Hier nehme ich Dich mit auf einen Rundgang durch das Häuschen. Ist es nicht zauberhaft?

 

(Wieder einmal stelle ich mir die Frage, wieviel Wohnraum zum Leben wirklich nötig ist und meine Sehnsucht nach Minimierung wächst. Diese Frage und einige andere nehme ich aus dem Urlaub mit nach Hause...)

In der Feuerstelle zauberte ich fast allabendlich ein kleines Feuer. Wir saßen unter dem Sternen- oder Wolkenhimmel und schauten in die so lebendigen Flammen. Jedes Feuer fragt mich: Wofür brennst du? Lebst Du ALLES, wofür du brennst? Was gilt es in deinem Leben zu transformieren?

 
Und so gern mag ich es, bei einem Baum zu sitzen, dem Fallen der Blätter zuzusehen und dem Herbstwind zu lauschen. Aber auch hier  stellen sich mir die herbstlichen Fragen: Was ist loszulassen? Was sind meine Samen dieses Jahres? Ebenso wie die Pflanzen bewege ich mich durch meinen zyklischen Wachstums- und Entfaltungsprozess, laufe ich durch die Verdichtung, in der es darum geht, dankend meine Samen für den nächsten Zyklus zu ernten und den unterstützendsten Zeitraum zu erspüren, an dem die Samen in die Erde kommen. Einige überwintern bereits im Boden, brauchen die Pause und die Kälte, andere warten auf den Frühling, bevor sie in fruchtbaren Boden wollen... Und das Sinken, Fallen, Loslassen, das Michanvertrauen ist immer wieder auch von ambivalenten Gefühlen begleitet. Einerseits soooo entspannend, andererseits - dann, wenn ich aus dem Vertrauen herausgefallen bin - ängstigt mich an dieser Phase das Nichtwissen.

Die Farben der Herbstblätter hatten es mir angetan und wie in jedem Jahr musste und muss ich Blätter sammeln, damit spielen, die Harmonie genießen, mich neu zentrieren und in den folgenden Tagen beobachten, wie Wind und Regen das Mandala zerzausen und verändern. Immerwährende Wandlung...


Ich registriere, was ich tatsächlich brauche, um im Urlaub erfüllt und lebendig zu sein: Ein gutes Buch, eine feine Mahlzeit (idealerweise selbstgesammelt (KLICK), Zeit zum Sinnieren und zum Spielen, Alleinzeit und Gemeinsamzeit, ein gutes Gespräch, Kerzenlicht oder Feuer und Draußenzeit in Wald und Flur. Und obwohl ich all das auch zu Hause haben kann, merke ich doch, dass es gut tut, an einem anderen Ort zu sein, um aus alltäglichen Abläufen und Gewohnheiten auszusteigen.

Wie ist es bei Dir? Was macht für Dich einen erfüllenden Urlaub aus?

Dienstag, 9. April 2019

Ins eigene Fleisch geschnitten...

...hab ich mir heute. Nicht metaphorisch, sondern ganz physisch. Während ich eine neue Portion Kimchi als vegane Variante ähnlich dieser hier (KLICK) zubereitete und dafür zusätzlich feine Karottenscheiben auf dem Gemüsehobel schnitt...


...war ich einen Moment unachtsam. Genau in diesem Moment verlor mein rechter Daumen seine linke Spitze. Sowas! Und das gerade heute, wo doch  Gitarrenunterricht in meinem Kalender steht. Da stand ich dann erstmal mit tropfendem Daumen irritiert herum, verarztete mich mit Lavendelöl und einem Pflaster und sprach meinem Gitarrenlehrer auf den Anrufbeantworter und sagte den Unterricht ab. Und das geschieht mir heute, wo ich gerade gestern über Krankheiten, Unfälle etc. geschrieben hatte...

Ich spürte eine innere Unruhe, etwas fühlte sich nicht stimmig an. Also rief ich eine meiner Schwestern an. So hilfreich! Im Gespräch verstand ich, dass dieser kleine Unfall mich auf ein altes Muster aufmerksam gemacht und mich davor bewahrt hatte, eine Entscheidung zu treffen, bei der ich die Bedürfnisse meines Gegenübers mehr im Fokus gehabt hätte als mein eigenes Wohlergehen. Der Schnitt ins eigene Fleisch bewahrte mich vor einem Schnitt ins eigene Fleisch in größerem Umfang. Da kann ich also nur DANKE sagen, auch wenn sich das ganz absurd anhört. 

Dankbar grüßt dich

JANA

Montag, 8. April 2019

Geschichte des Tages 2 - Lebendigkeit

"Frage nicht, 
was die Welt braucht. 
Frage dich selbst, 
was dich lebendig macht, 
und gehe und tue das, 
denn was die Welt braucht, 
das sind Leute, 
die lebendig geworden sind." 

Howard Thurman 

Und was ist das nun - Lebendigkeit? 
Wann erlebst du dich als wirklich lebendig? 


Heute bin ich vor 5.00 Uhr früh erwacht, habe mir eine Plane geschnappt sowie Isomatte und Schlafsack und bin damit in den Garten gegangen. Eingekuschelt habe ich mich vom Morgengesang des gefiederten Volkes mitnehmen und im Inneren berühren lassen. So viel Lebensfreude und Lebendigkeit! Über mir im Pflaumenbaum saß der Amselmann und sang sein schönstes Lied. 

Und so eindrücklich, wie das aus feinsten Grauschattierungen bestehende Gemälde der Dämmerung nach und nach wieder Farbe eingehaucht bekam. Ja, ich kenne es so gut, dass die Wiederholung des immer Gleichen mir Sicherheit schenkt und sich gemütlich anfühlt. Und doch verliert mein Leben bei zu viel Gewohnheit an Farbe. Um lebendig zu bleiben, brauche ich die Schritte aus der Komfortzone heraus, darf ich immer wieder Erfahrungen einladen, die neu für mich sind und mich ein Stück herausfordern.

Hier (KLICK) erzählte ich dir von Transformation und meinem inneren Ringen zwischen dem ALTEN und dem (mir noch unbekannten) NEUEN und hier (KLICK) schrieb ich vom Vertrauen und der Hingabe an das Leben. Das hört sich widersprüchlich an. Also was stimmt nun? 

Beides! Veränderung geschieht. Immerwährend. Ich kann sie also willkommen heißen, mich mit einem lauten Jauchzer in den Fluß der Lebendigkeit  hineinwerfen und in meinem Leben entwicklungsfördernde Bedingungen schaffen oder ich kann Veränderung zu verhindern suchen und festhalten - am Alten. In diesem Fall kreiert das Leben belastende Wiederholungssituationen, Krisen, Krankheiten, Verluste... Kennst du das?

Mal bin ich mutiger, mal ängstlicher. Mal sage ich voller Freude JAAAAA zu neuen Erfahrungen, mal richte ich mich für eine Zeitlang im Gewohnten ein, bis der innere Ruf unüberhörbar wird. Gerade JETZT spüre ich die Kraft des Neuanfangs, die der frische Morgen, die der Frühling mitbringen. 

Morgendliche Frühlingsgrüße wehen zu dir

JANA

Mittwoch, 9. Januar 2019

Ein Wochenende in der Jurte...

...schenkte ich meinem Geburtstagsmann zu seinem Ehrentag und gleichzeitig uns beiden als Paar. Direkt an dem Tag, an dem es 64 Jahre gelebtes Leben zu feiern gab, fuhren wir ins Alte Land an den Elbdeich und zogen bei Familie Dinglinger in die originale Mongolische Altländer Jurte (KLICK)  ein. (Werbung)


Alle runden Behausungen - ob sie nun Jurte, Tipi (KLICK) oder Jipi (wie bei Martin in der Wildnisschule Waldschrat (KLICK)) heißen - sorgen dafür, dass ich mich heimisch und besonders geborgen fühle. Da klingt etwas sehr Altes an, spricht vom Clan und Miteinandersein, von Ahnen und tief naturverbunden gelebtem Alltag.

Auch gibt es ein Feuer im Raum, in der Jurte innerhalb eines Ofens, der das Rundhaus recht schnell wärmt. Ich liebe es, das Feuer zu hüten, in die Flammen zu schauen und das spätere Glutrot zu sehen. Und es ist mir wichtig, mir immer wieder klar zu machen, dass Wärme im Winter nicht selbstverständlich ist, dass kostbare Ressourcen der Erde uns versorgen. 



Allerdings ist in unseren Breitengraden und gerade im norddeutschen Klima einiges an Anpassungen erforderlich, damit die Jurte nicht unter dem häufig feuchten Wetter leidet. Aktuell frage ich verschiedene JurtennutzerInnen nach ihren Erfahrungen, um das Rad nicht neu erfinden zu müssen.


Freitag, 4. Januar 2019

Stille, Langsamkeit, Vertrauen...


Langsam verrinnt sie - die Zeit zwischen den Jahren... Auch wenn die Wintersonnenwende vor zwei Wochen den tiefsten, dunkelsten Punkt und damit den Umkehrpunkt markierte, von dem an die Tage nun wieder länger werden und nach und nach das Licht zurückkehrt, ist jetzt Winter. Hier in Mecklenburg liegt zwar noch kein Schnee und auch der Dorfteich hat nur eine dünne Haut aus erstem Eis, aber es ist Winter. Wenn ich die Natur als meine Lehrmeisterin anerkenne, ihren Rhythmus einatme und mehr und mehr ganz bewusst zu meinem mache, dann heißt das für mich, dass ich mir erlaube, noch in der Zwischenzeit zu bleiben und zu sein. In dieser Zeit, in der das Alte nicht mehr und das Neue noch nicht da ist... Braucht nicht jedes neu entstehende Leben diese Zeit in der Dunkelheit, die Zeit der Inkubation? In Umbruchzeiten meines Lebens habe ich genau diese Zwischenzeiten als besonders schwer aushaltbar, als unglaublich herausfordernd erlebt. Ramona Jademond (KLICK) schreibt hier so wichtige Gedanken zu Kontrolle versus Annahme. Ich kenne das auch sehr gut, jedes Problem gleich lösen (und damit weghaben) zu wollen, anzupacken, zu handeln und etwas zu tun. 

Indem ich mir gerade gestatte, in meinem laaaaangen Dunkelzeiturlaub mehr aus- als einzuatmen, langsam und langsamer zu werden, mir wirkliche Pausen zu gönnen, unproduktiv zu sein, aus dem Müssen auszusteigen und nichts zu wollen, bin ich ganz hier, in dieser Zeit, in diesem Dazwischen angekommen...  Ja, jetzt ist für mich die Zeit der Hingabe an den Lebensfluss, den ich nicht kontrollieren kann. Diese Zeit spricht die Einladung aus, tiefer und tiefer ins Vertrauen hineinzusinken.

Dienstag, 1. Januar 2019

Danke...

...für das so reiche, tiefe und weite Jahr 2018! 


Danke für alle Geschenke, die vielen berührenden Erfahrungen und jede einzelne Herausforderung! Danke für meine Gaben und meine Fehler, die mich haben lernen lassen. Danke für mein Zuhause...


...für den Platz, an dem ich leben und wirken darf. Danke für meine geliebte Arbeit in ganz unterschiedlichen und doch so verwandten Bereichen. Danke für die Fülle, die ich erfahren habe und weitergeben darf. 


Danke dafür, dass mein Gefährte und ich einander in diesem Jahr nach 18jähriger Beziehung auf ganz neue Weise nah und näher gekommen sind. Danke für Gesundheit, Beweglichkeit, Lebensfreude und Begeisterungsfähigkeit. Danke für meine Neugierde und mein immerwährendes Lernen. Danke für mein Jaaaaa aus ganzem Herzen und mein kraftvolles Nein. 

Danke für soooo kostbare Momente der Verbundenheit mit mir selbst, mit meinen Lieben, mit den Frauen der beiden diesjährigen Frauencamps und der Jahreskreisgruppe, mit meinen Freundinnen, mit den PatientInnen der Klinik, mit meinen KlientInnen, mit meinen BlogleserInnen, mit dir. Danke für die vielen Begegnungen mit meinen tierischen und pflanzlichen Geschwistern. Danke für die vielen Naturschätze, die ich finden und voller Liebe und Respekt weiterverarbeiten durfte - Federn und Steine, Stenze und Baumperlen, Kräutlein und Früchte, Harze und Samen...  


Danke für meine Hingabe an und mein Eintauchen in den Kreis des zyklischen Werdens und Vergehens. Danke für die Erweiterung meiner Wahrnehmung. Danke, dass ich im Land des SOWOHL - ALSAUCH ankommen durfte und das Entweder - Oder immer mehr verblasst. Danke, dass ich immer schneller bemerke, wenn ich in alte Muster zurückfalle und mich dann ganz bewusst für meine neuen Strategien entscheiden kann. Danke für meinen Mut, meine dunklen inneren Reiche aufzusuchen und mich meinen Schatten zu stellen. Danke für die unermesslich reiche Belohnung, das Mitgefühl und die Weite. Danke an alle BegleiterInnen und UnterstützerInnen auf meiner inneren Forschungs- und Lebensreise. 




Danke, dass ich immer ausreichend Nahrung hatte, dass ich riechen, schmecken und genießen kann und selbst im Winter Köstlichkeiten in der Natur finde. Danke für mein Augenlicht und dafür, dass ich die Schönheit in allem SEIN erkenne. Danke für meinen Hörsinn, für die Lieder des gefiederten Volkes, das feine Flüstern des Windes, das Tosen des Sturms in den Baumwipfeln und das Schlagen der Ostseewellen an den Ufersaum.

Danke für meine Stimme, die leise und sanft und laut sein kann und danke für die vielen Melodien und Lieder, die ich allein in der Natur und wir gemeinsam am Feuer sangen. Danke, ihr Baumfreunde, dass ihr mich daran erinnert, dass ich mir meiner Wurzelkraft und meiner Tiefe bewusst sein darf, um - hoch aufgerichtet - mit dem Kopf in den Himmel zu wachsen und mein Herz offen und berührbar in die Welt strahlen zu lassen. Danke.

Und mit diesem - meinem aktuellen Lieblingslied - wünsche ich dir ein gesundes Neues Jahr! 

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Ich sehe dich...

Gerade geht für mich ein Traum in Erfüllung... So sehr hatte ich mir in den letzten Monaten gewünscht, mit meiner Schwester Nadja zusammenzuarbeiten und von all dem Kostbaren, was wir in unserem Leben entdeckt, erforscht, durchlebt und bewältigt haben, etwas weiterzugeben. Jetzt ist es so weit... 

Im Herbst 2019 werden wir im Frauenferienhof (KLICK) in Ostfriesland ein Seminar für Schwestern anbieten. Dafür wurden wir als Schwestern dreier Schwestern wohl vom Leben ausgeguckt. Und nicht umsonst trägt es den Titel ICH SEHE DICH. Das ist in unserer Schwesterngeschichte etwas sehr Bedeutsames - einander wahrzunehmen als die Frauen, die wir wirklich sind - jetzt, hier und heute. Ebenso wichtig war (und ist) es, Glaubenssätze und frühere Rollen zu erkennen, zu hinterfragen und aus denen auszusteigen, die uns heute nicht mehr dienen. Nadja und ich sind in einer nahen und sehr wahrhaftigen Beziehung angekommen. Wir gehen gemeinsam durch das Jahr, sind kontinuierlich im Austausch, teilen uns einander aus dem Herzen heraus mit. So gelingt es uns auch, Probleme zu bewältigen, Mißverständnisse zu klären, immer wieder neu Verständnis für unsere Einzig- und Andersartigkeit zu haben und gleichzeitig unsere Verbundenheit und unsere Gemeinsamkeiten zu genießen.
Nein, die schwesterlichen Beziehungen zwischen uns vier Frauen sind nicht statisch, sondern sehr beweglich und veränderlich. Mal ist die Verbundenheit zur einen Schwester stärker, mal die zur anderen. Es ist auch nicht immer alles im Frieden. Konflikte gehören ebenso in unsere Beziehungen und wollen angeschaut und - im Idealfall - gelöst werden. Manche Themen sind hartnäckig. Da wird ein Schmerzpunkt immer wieder mal berührt. Wie lohnend es jedoch ist, sich diesem zuzuwenden - achtsam und liebevoll, im eigenen Inneren... Dann kann soooo viel Heilung geschehen.
Wenn du selbst Schwester einer leiblichen Schwester, Halb-Schwester, Adoptiv- oder Stief-Schwester bist und dir für dich und deine Schwester einen liebevollen und wertschätzenden Begegnungsraum wünschst, damit alte Verletzungen heilen können und ihr in eine authentischere, gleichgewichtete und unterstützende Beziehung hineinwachst, dann melde dich, meldet euch an und begebt euch mit uns auf eine spannende Reise. Wenn du Schwestern in deinem Umfeld kennst, denen du eine besonders liebevolle GemeinsamZeit wünschst, leite den Flyer gern weiter. 


Donnerstag, 12. Juli 2018

Das Frauencamp HEIDEROSEN in Heidekaten...


Seit Montag bin ich bereits wieder zu Hause. So reich und sehr besonders klingt und schwingt es in mir nach und braucht Zeit und Stille, um integriert zu werden. Wir waren zwölf Frauen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, kamen aus verschiedenen Himmelsrichtungen und ganz verschiedenen Leben zusammen, trafen uns auf Martinas Hof in Heidekaten und verbrachten laut Uhr und Kalender nur 3 ganze und zwei halbe Tage miteinander. Laut Kalender wohlgemerkt... Denn in Wirklichkeit war die Zeit so reich gefüllt und gefühlt, dass ein halbes Leben stattgefunden hat. In mir... In uns allen...


Selten habe ich eine so offene und so zugewandte, wertschätzende, liebevolle Frauenrunde erlebt, in der ALLES Platz haben durfte - die eigene Größe, das Tiefe, all die Gefühle, die uns so lebendig sein lassen, das Heitere, Leichte und Verspielte, die Lebenslust, aber auch die Trauer, die Wut, der Schmerz über erfahrene Verluste, Ängste und Zweifel. Immer wieder kamen wir an - in uns selbst, beieinander und im so unterstützenden JETZT, in diesem einzigartigen Moment, den wir miteinander teilten. Und so reihte sich Moment an Moment und es entstand eine Perlenkette aus unendlich kostbaren Augenblicken und sooo viel Verbundenheit. 


Mögen wir uns diese Perlenkette aus Momenten der Wertschätzung, Liebe und Selbstermächtigung immer wieder neu um den Hals legen, auf dass sie unseren Herzraum berührt und Mitgefühl und Liebe in uns wachsen dürfen. 


Ich freue mich so sehr, das Gedicht von Jeannette hier veröffentlichen zu dürfen, das im Camp aus ihrer Feder floss...

BEGEGNUNG

Wir sind uns begegnet
unterm hohen Himmel des Julis
mit dem, was wir hatten, 
mit dem, was wir hofften, 
und der Gier,
dieser Herzgier nach allem, 
was berührt und verbindet. 

Wir sind uns begegnet
in der Zwölfzahl
der Frauen, Wunder und Wunden.

Wir sind uns begegnet
in Mangel und Fülle, 
in Aussaat und Ernte 
und kehren der Liebe voll
nach Hause zurück.

Und über Wunden 
wird werden
lauter Leichtes und Lichtes.

Jeannette Klinger

Freitag, 1. Juni 2018

Frauencamp HEIDEROSEN in Ostsee-Nähe...

Gerade hat sich eine Frau aus gesundheitlichen Gründen abmelden müssen. So gibt es aktuell noch zwei freie Plätze. Melde dich gern, wenn du dabei sein möchtest. 


HIER (KLICK) kannst Du einen Nachklang zum letzten Jahr lesen.

Montag, 14. Mai 2018

Ein Resümee - Meine Draußenzeit im Mai...

...begann mit ihren Auswirkungen in mir schon einige Tage vor meinem Aufbruch. Ich war von innerer Unruhe erfüllt, einem unguten Gefühl in der Magengegend, das ich nicht zuordnen konnte. Anfangs war es nur ein vages Drücken... Mein Plan sah in diesem Jahr anders aus als in den Jahren zuvor. Ich wollte dieses Mal nicht wandern und mir allabendlich einen neuen Schlafplatz im Wald suchen, sondern hatte vor, in einen Wald umzuziehen und dort zu bleiben, um aus dem TUN im SEIN anzukommen... Das Wandern, das Finden und das Ankommen an einem neuen Platz, Wasser finden und filtern, das Auf- und Abbauen des Tarps binden Zeit und Aufmerksamkeit und das, was ich aus dem Alltag gut kenne - das Tun - nimmt großen Raum ein. 



Widerstand oder Intuition?

Ich wollte den größten Wald im Klützer Winkel aufsuchen. Allerdings nahm mein Unwohlsein zu, je näher der Tag der geplanten Abreise rückte. Seit nunmehr fünf Jahren schenke ich mir jedes Jahr eine Draußenzeit. Deshalb weiß ich inzwischen, dass das mehrtägige Alleinsein in der Natur mir neben wundervollen Erfahrungen wie Tierbegegnungen und Verbundenheitsgefühlen immer auch Herausforderungen bringt. Und die katapultieren mich erstmal aus meiner Komfortzone heraus, bevor ich ihren Schatz bergen kann. Ich vermutete also, dass mein unwohles Gefühl mich vom Verlassen meiner Komfortzone abhalten wollte - ein Widerstand sozusagen... Aber so anhaltend?  In der Regel kann ich mich auf meine Intuition verlassen. Jetzt jedoch war ich ratlos. Wie sollte ich zwischen Widerstand und (in diesem Fall warnender) innerer Stimme unterscheiden? Mir half das Sprechen mit einer meiner Schwestern und ein Experiment: Ich stellte mir vor, in den Wald zu ziehen, in dem sich mein Sitzplatz befindet und sofort setzte Entspannung ein. Es fühlte sich an, als fielen zentnerschwere Steine von mir ab. Ich atmete auf und mein ganzes inneres System sagte JAAAA. Dachte ich hingegen daran, in den Leonorenwald zu gehen, zog sich wieder alles in mir zusammen und wurde schwer und drückend. Auf diese deutlichen Signale hörte ich dann, veränderte meinen Plan und zog zu meiner Sitzplatz-Buche. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen konnte, wovor mich meine innere Stimme beschützte, ging ich da schon davon aus, dass sie es tat. Mir tut es gut, auf sie zu hören und mich so selbst ernst zu nehmen.

Erstmal ankommen

Der Ruf eines der zwei hier lebenden Kolkraben an der Schwelle zum Wald freute mich. Wo war nur der zweite? Ich betrat den Wald, nahm die Veränderung des Lichtes, der Temperatur, des Duftes wahr und sah die Buchen, Fichten, Eschen, Eichen, ab und an eine Vogelkirsche, einen Holunder, eine Eberesche und die Blumen - die letzten Veilchen und Buschwindröschen, leuchtende Goldnessel, die weißen Blüten des Wald-Hornkrauts...


...den ebenfalls blühenden Waldmeister und die ersten feinen Blüten des Ruprechtskrautes (2011 hatte ich damit gefärbt und gedruckt (KLICK)) 

Dann kam ich zu "meiner" Buche. Es tat sooo gut, mich auf die Erde zu setzen, meinen Rücken an ihren Stamm zu lehnen und zu atmen. Ich liebe den Blick in ihre ausladende Krone und bestaunte das Licht, das zu dieser Jahreszeit durch die schon großen, aber noch zarten Blätter fällt. 



Und doch dauerte es diesmal eine lange Zeit, bis ich wirklich angekommen war. Wie viele Gedanken durch meinen Kopf flogen, war mir bis dahin kaum bewusst. Ich bemerkte es erst hier, als ich nichts musste, sollte, wollte, sondern einfach sein durfte... Die sinnliche Wahrnehmung half mir beim Ankommen. Ich spürte den Waldboden unter mir, hörte das trockene Laub des Vorjahres rascheln. Der Wind strich mir über die Haut. Ich knabberte etwas Sauerklee und schmeckte die frische und angenehme Säure. Und dann tat ich weiter nichts. Nahm nur wahr. Sah die feinen Buchenblätter sich im Wind bewegen, beobachtete das Licht- und Schattenspiel, folgte dem Flug von Schmetterlingen mit den Augen, lauschte den Geräuschen des Waldes, dem Zwitschern, Rufen, Singen, Krächzen des gefiederten Volkes und immer wieder dem Wind, der dort an meinem Platz kräftig blies. Ich lauschte und lauschte...


Die erste Nacht

Für die Nacht legte ich eine Plane in die mit trockenem Laub gefüllte Senke, meine Isomatte darauf und mein Bett war fertig. Die Sonne sank...

 
...die Dämmerung fiel, die zunehmende Dunkelheit verschluckte die Farben, die Geräusche veränderten sich. Ich kroch in meinen Schlafsack, der Wind lullte mich ein und ich dämmerte hinweg. Ich kann in der Regel gut und überall schlafen, merke jedoch, dass der Schlaf draußen eine andere Qualität hat. Er ist leichter und erlaubt mir, bei ungewohnten Geräuschen schnell zu erwachen. Da sitzt mir wohl etwas Uraltes in den Genen. Ich hörte es Knabbern und Knuspern und erinnerte mich an ein Mäuschen, das ich in einer früheren Draußenzeit kennengelernt hatte. Ein Geschöpf trabte in der Nähe meines Schlafplatzes rasch vorbei. Das trockene Laub machte jede Bewegung hörbar. Ich vermutete, es war ein Fuchs, bin aber nicht sicher. Allerdings war mein Schlaf tief genug, dass ich nicht merkte, dass Mücken mir mitten in meine Nasenspitze gestochen hatten. Als ich erwachte, pochte und pulsierte sie und war angeschwollen. Überhaupt gab es hier sooo große und viele Mücken. Der viele Regen in der letzten Zeit hatte dafür gesorgt, dass alle Senken im Wald mit Wasser gefüllt waren und sich kleine Teiche und Wassergräben gebildet hatten. Ideale Mückenbedingungen also... Deshalb beschloss ich, für die nächsten Nächte Ramonas (KLICK) Moskitonetz aufzuhängen und mich so vor den kleinen Blutsaugern zu schützen.




Das Mini-Feuer hüten

Am Morgen kochte ich mir mit meinem ganz einfachen Holzkocher, der aus einem Ikea-Besteckbehälter, zwei langen Schrauben und einer Metalltasse besteht, einen Tee. Ich hatte Rohrkolbenwolle und feine Streifen Birkenrinde als Zundermaterial dabei, sammelte kleine Zweige und schlug mit Feuerstahl und Magnesiumstab heiße Funken ins Zundernest. Wie ich es liebe, so ein klitzekleines Feuer zu schüren und achtsam zu füttern, mit meiner Aufmerksamkeit nur bei den feinen Flammen zu sein!


Der so zubereitete Tee schmeckte mir besonders köstlich. Durch das Fasten - ich trank morgens Tee und ansonsten Wasser - verlangsamte ich. Zeit wurde bedeutungslos. Ich beobachtete einzig den Lauf der Sonne, suchte mir Sonnenflecken auf dem Waldboden und badete dort in Wärme und Licht. Ab und an summte oder tönte ich, aber die meiste Zeit war ich still. Ich schrieb nicht einmal Tagebuch.


Tierbegegnungen

Ein großer Feldhase drückte sich in seine Sasse, bis ich ganz nah heran gekommen war. Erst dann sprang er auf und flitzte davon. An einem anderen Morgen kam er (oder ein anderer) bis nah an meinen Schlafplatz heran, zupfte hier und naschte dort, hoppelte auf das nahe Feld und kam später wieder zurück. Er war ganz gemütlich unterwegs. Anders als einige Wildschweine abends, die wohl an die feuchte Senke wollten, mich jedoch witterten und schnell wie der Wind davonstoben, so dass die trockenen Zweige unter ihnen nur so krachten. Tja, wieder kein Glück bei der Beobachtung. Dabei gibt es in der Nähe meines Sitzplatzes eine viel besuchte Suhle und zwei eindrucksvolle Mahlbäume. Solang ich jedoch da war, ließ sich dort kein Schwein blicken.




In der zweiten Nacht hörte ich langsame, aber kraftvolle Schritte eines Zweibeiners, die näher und näher und dann ganz nah kamen... Ich hörte, wie etwas an meinem Rucksack zupfte, der vor dem Moskitonetz an einem Baum lehnte, hob ganz langsam den Kopf. Der Nandu erschrak und rannte davon. Wow! So nah war ich noch keinem gekommen. Im Dezember hatte ich hier in meinem Sitzplatzwald bereits ein Ei (KLICK) gefunden, wußte also, dass sie hier brüten.
Ich hörte die sehnsuchtsvollen Stimmen der Kraniche, den Ruf des Bussards, sah, wie der Rotmilan sich am Waldrand auf einem hohen Baum niederließ. 
Beim Umherstromern und Federn sammeln erschreckte ich einen Rehbock, der seinem Unbehagen noch lange und lautstark Ausdruck verlieh. Eine Ricke kam nah an meinem Platz vorbei. Sie nahm mich wohl nicht wahr und blieb ganz entspannt, denn der Wind stand gut für mich und ich war mucksmäuschenstill. 
Aber ich beobachtete auch viele kleine Geschöpfe: Springspinnen, Libellen, Käfer, eine rote Samtmilbe...


...und ganz viele Hummeln. Einige Zeit lag ich einfach auf dem Bauch und betrachtete den einen Quadratmeter Waldboden vor meiner Nase. Wieviel Leben darin war und wieviel Tod... Werden, Wachsen und Vergehen, im Kleinen wie im Großen und ich selbst war Teil des Ganzen... 

Herausforderung

Es war durchweg wunderbares Sommerwetter im Mai. Selbst nachts war es warm, so dass ich unter dem Moskitonetz sogar mit offenem Schlafsack liegen konnte. Ich hatte darauf verzichtet, mein Tarp aufzuspannen und genoss es, unter freiem Himmel und dem so grünen Blätterdach zu sein. Dann tauchten Wolken auf und der Himmel zog sich recht rasch zu. Obwohl auch die Mücken mich warnten, immer rasender wurden und ich ihre Sprache hätte verstehen können, hörte ich nicht auf sie. Und dann war es zu spät... Ein Gewitter krachte los. Blitz und Donner, gepaart mit Starkregen. Jetzt war es auch zu spät, das Tarp aufzuspannen. Dieses Moskitonetz ist aufgrund seiner Pyramidenform ohnehin nicht tarptauglich. Also schlüpfte ich lieber hinein, hockte mich auf meine Isomatte, zog das Tarp über mich und meine Sachen und hoffte darauf, dass das Gewitter schnell vorüber ging. Stattdessen blitzte es grell, krachte der Donner, ging es Schlag auf Schlag. Der Regen nahm eher noch zu, das Gewitter beruhigte sich mal, flammte dann jedoch wieder neu auf und ich hatte Angst... Um mich zu beruhigen, sang ich ein Lied der Cherokee und wiederholte es ein ums andere Mal. Das half mir tatsächlich, inmitten des Tumultes ruhig zu werden. 
Als das Gewitter dann vorbei war und es nur noch von den Bäumen tröpfelte, hockte ich unter dem Moskitonetz mitten in einem See aus Regenwasser. Meine Picknickdecke, die mir als Unterlage gedient hatte, war ebenso nass wie meine Jacke, mein Daunenschlafsack und einfach alles... 



Auf dem Regenwassersee schwammen Blütenpollen und zeigten schlierige Muster. Es war irgendwie absurd und zum Lachen. Ich betrachtete die Situation und beschloss, dass meine Draussenzeit jetzt beendet sei, rief meinen Gefährten an und bat ihn, mit unserer großen Einkaufskiste in den Wald zu meinem Sitzplatzbaum zu kommen. Dorthinein kamen die schweren nassen Sachen, die wir zu Hause im Garten zum Trocknen aufhängten.
Das war eine für mich ziemlich neue Situation, denn es entspricht mir eher, die Zähne zusammen zu beißen und allein eine Lösung zu finden. Da ich das aber kann, war meine Lernaufgabe hier eine andere.



Rainer staunte auch, denn er hatte noch nie erlebt, dass ich früher zurückkam, als ich angekündigt hatte. Ich lernte: Ich darf MIT der Situation gehen und immer neu entscheiden, was JETZT für mich stimmig ist. Ich kann um Unterstützung bitten und ich bekomme sie. Wie entspannend, mir all das zu erlauben! Und ich verstand: Das war der Grund für mein Unwohlsein. Wäre ich in den Leonorenwald gegangen, hätte ich diese Erfahrung nicht machen können. Ich hätte die Zähne zusammen gebissen und die Situation gewuppt, denn Situationen wuppen - das ist mir vertraut. Aber - ich muss meinen alten Mustern nicht folgen, sondern bin frei, von Situation zu Situation immer wieder neu zu entscheiden. Diese Erkenntnis darf jetzt in mich hineinsinken, sich in meine Zellen setzen und wirklich verinnerlicht werden. Und dann integriere ich dieses Wissen in mein ganzes weiteres Leben... Was für eine Erweiterung!

So viele Geschenke

Wieder bekam ich einen Stenz geschenkt, den ich bearbeiten und weiter verschenken werde. Und Federn  - ein paar blau schimmernde Stockentenfedern, drei von der Amsel, feine weiße Taubenfedern und ein paar, die ich nicht zuordnen konnte. Ich sammelte mehrere kuschelweiche Daunenfedern vom Waldboden, vielleicht die eines Käuzchens.


Und ich wurde mit klarer Waldluft beschenkt, mit Ruhe, Erholung und Langsamkeit, mit Dankbarkeit für meine innere Stimme, meine Intuition. Ich danke sehr dafür, dass ich nun noch einmal tiefer weiß, dass ich eingeladen bin, gut zu unterscheiden, wann es darum geht, etwas bis zum Ende zu bringen und wann ich weich und liebevoll mit mir sein darf und mir erlaube, etwas vorzeitig zu beenden. Ich danke euch Mücken für die Gewitter-Warnung und verspreche, euern Rat beim nächsten Mal ernst zu nehmen. Ich danke für die Erinnerung daran, mich in angstvollen Situationen selbst beruhigen zu können. Ich danke dafür, noch einmal mehr ins Vertrauen gesunken zu sein, dass das Leben es gut mit mir meint, dass ich getragen, gehalten und beschützt bin. Ich danke dir, Buche, dass es dich gibt, dass du nun schon einige Zeit meine Lehrerin bist und ich bei dir sein kann - bei jedem Wetter, zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit und immer wieder neu...