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Donnerstag, 6. August 2020

Eine Auszeit in der Jurte

Für eine ganze Woche zog Ina mit Sack und Pack in meine liebste Jurte ein und gönnte sich Ina-Zeit. Danke für unsere Begegnung, liebe Ina, für diese reichhaltige und kunterbunte geteilte Lebenszeit und danke dafür, dass ich hier über diese besondere Woche schreiben und Bilder zeigen darf. Ja, es war eine feine Woche!

Ich liebe es soooo sehr, Menschen ein Stück auf ihrem Weg in die Ganzheit zu begleiten und mit dem zu gehen, was sich in diesem einzigartigen Menschen gerade bewegt. Und weil das auf wunderbare Weise gelungen ist, so dass wir beide bereichert und inspiriert sind, strahlen wir hier um die Wette...


Auf Instagram hatte ich es ja schon gesagt, dass ich gar nicht mehr zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden mag. Ich liebe meine Arbeit so sehr - ob nun beim Seelenzentrierten Coaching, bei Kraftquellen- oder Geschwister-Seminaren, beim Vollmond-Feuer-Singen, in Frauenkreisen und Camps, beim Council, in der Einzeltherapie oder in den Therapiegruppen, die ich in der Klinik begleiten darf - an all diesen Orten wirke ich in meiner natürlichsten Kraft und deshalb taufe ich ARBEIT in LEBEN um. Und für dieses Leben, mein Leben bin ich unendlich dankbar.

Was diese Woche so reichhaltig hat sein lassen? Wir waren immer wieder im Wald herumstromern, haben meine liebsten Baumfreunde besucht und sind mehr und mehr in das Bauchgefühl, das Herz, die Intuition eingetaucht, haben auf sanfte Weise das vorhandene innere Wissen freigelegt und dadurch wuchs die Verbundenheit mit uns selbst, miteinander, mit der Mitwelt, der Natur, den Geschwistergeschöpfen.




Wir wurden reichhaltig belohnt und beschenkt; u. a. vom gefiederten Volk und allen voran vom Wächter des Waldes.


Ina war mutig und entschieden, sich auch ihren dunklen Gefühlen zuzuwenden, tief einzutauchen und JAAAA zu sagen zu dem, was ohnehin da war. Das Wichtigste war jedoch, nicht darin stecken zu bleiben, sondern HINDURCH zu tauchen und an einem ruhigeren, friedlicheren Ort anzukommen.

Kennst Du das auch, dass der innere Widerstand gegen das Dunkle und Schwere dafür sorgt, dass Dir Lebensenergie abhanden kommt? Mir ist das wohl vertraut und ich kenne die Angst vor der Angst sehr gut. Ohnmacht ist das Gefühl, was mich am allermeisten herausfordert. Doch dann ist es - immer wieder - soooo erleichternd, wenn ALLES sein darf und wir weich, mitfühlend und liebevoll mit uns selbst sind. Das ganze Innere entspannt sich, das Leben bekommt die bunten Farben zurück, die Energie fließt neu durch den Körper und die Gefühle lassen uns wieder ganz lebendig sein. Wundervoll sind diese Erfahrungen, wenn es gelingt, dass wir uns regulieren und uns dann wieder sicher fühlen.

Dieser Sonnenaufgang hat uns einmal mehr gelehrt, dass in jedem Moment etwas NEU beginnen darf, dass wir uns immer wieder von uns selbst überraschen lassen dürfen und uns fragen können, wer bin ich heute? Wer bin ich jetzt?


Wir haben köstliches, frisch gekochtes, veganes Essen genossen. Diesen bunten Teller zum Beispiel...


Ina hat an der Jurte an einem großen Bild gemalt und all ihre Erfahrungen der Woche auch auf gestalterische Weise integriert. Und sie hat sich in mein SitzFELLchen verliebt, das sie morgens mit zum Sitzplatz genommen hat. So konnte es nicht anders sein, als dass sie sich dann ein eigenes SitzFELLchen gefilzt hat und mein neues noch dazu adoptierte.



Hier siehst Du, wie sich Inas Sitzfellchen in die Natur einfügt und fast versteckt bleibt...


Wir haben gesungen und getrommelt, getanzt, am Feuer gesessen, viel miteinander geredet, uns über diverse Themen ausgetauscht, gecoacht, genossen, gelebt... Danke, Ina!


Und hier sind Inas Worte:

"Ich hatte eine wunderbare Woche, in der ich... ...so viele Aspekte in mir neu erkennen und wecken durfte. Ich habe die Welt mit Janas offenen Augen und ihrer Herzlichkeit jedem Wesen gegenüber gesehen und ganz "nebenbei" das Seelenzentrierte Coaching kennengelernt. Das hätte mich sonst nicht angezogen und nun war es doch die Methode, mich meinem immer wiederkehrenden Problem zuzuwenden und durch das dunkle Gefühl zu gehen.
Ich gehe mit einer Schatzkiste an Erfahrungsgeschenken nach Hause, mit dem Gefühl, mich besser kennengelernt
und vor allem gefühlt zu haben.
Danke von ganzem Herzen!
Ina

P.s. Aus meinem Tagebuch:

Ich bin in Ordnung, so wie ich bin.
Ich darf mich so sein lassen.
Fühlen in der Stille und im Tanz
in meinem INNEN
und das Außen SEHEN und
FÜHLEN, was ist
die Schönheit des Augenblicks
die Schönheit der Vergänglichkeit
die Wunder der Natur
Heimat ist überall, wo ich Heimat in MIR finden kann
Jeden Morgen geht die Sonne von neuem auf
und genau so kann ich mich jeden Tag von neuem
erweitern, entdecken, neu finden,
anders sehen und wahrnehmen
jeden Morgen kann ich LIEBEN
und ich spüre Dankbarkeit in mir,
hier sein zu dürfen, hier lernen
und erfahren zu dürfen...
Ahey"

Dienstag, 1. Januar 2019

Danke...

...für das so reiche, tiefe und weite Jahr 2018! 


Danke für alle Geschenke, die vielen berührenden Erfahrungen und jede einzelne Herausforderung! Danke für meine Gaben und meine Fehler, die mich haben lernen lassen. Danke für mein Zuhause...


...für den Platz, an dem ich leben und wirken darf. Danke für meine geliebte Arbeit in ganz unterschiedlichen und doch so verwandten Bereichen. Danke für die Fülle, die ich erfahren habe und weitergeben darf. 


Danke dafür, dass mein Gefährte und ich einander in diesem Jahr nach 18jähriger Beziehung auf ganz neue Weise nah und näher gekommen sind. Danke für Gesundheit, Beweglichkeit, Lebensfreude und Begeisterungsfähigkeit. Danke für meine Neugierde und mein immerwährendes Lernen. Danke für mein Jaaaaa aus ganzem Herzen und mein kraftvolles Nein. 

Danke für soooo kostbare Momente der Verbundenheit mit mir selbst, mit meinen Lieben, mit den Frauen der beiden diesjährigen Frauencamps und der Jahreskreisgruppe, mit meinen Freundinnen, mit den PatientInnen der Klinik, mit meinen KlientInnen, mit meinen BlogleserInnen, mit dir. Danke für die vielen Begegnungen mit meinen tierischen und pflanzlichen Geschwistern. Danke für die vielen Naturschätze, die ich finden und voller Liebe und Respekt weiterverarbeiten durfte - Federn und Steine, Stenze und Baumperlen, Kräutlein und Früchte, Harze und Samen...  


Danke für meine Hingabe an und mein Eintauchen in den Kreis des zyklischen Werdens und Vergehens. Danke für die Erweiterung meiner Wahrnehmung. Danke, dass ich im Land des SOWOHL - ALSAUCH ankommen durfte und das Entweder - Oder immer mehr verblasst. Danke, dass ich immer schneller bemerke, wenn ich in alte Muster zurückfalle und mich dann ganz bewusst für meine neuen Strategien entscheiden kann. Danke für meinen Mut, meine dunklen inneren Reiche aufzusuchen und mich meinen Schatten zu stellen. Danke für die unermesslich reiche Belohnung, das Mitgefühl und die Weite. Danke an alle BegleiterInnen und UnterstützerInnen auf meiner inneren Forschungs- und Lebensreise. 




Danke, dass ich immer ausreichend Nahrung hatte, dass ich riechen, schmecken und genießen kann und selbst im Winter Köstlichkeiten in der Natur finde. Danke für mein Augenlicht und dafür, dass ich die Schönheit in allem SEIN erkenne. Danke für meinen Hörsinn, für die Lieder des gefiederten Volkes, das feine Flüstern des Windes, das Tosen des Sturms in den Baumwipfeln und das Schlagen der Ostseewellen an den Ufersaum.

Danke für meine Stimme, die leise und sanft und laut sein kann und danke für die vielen Melodien und Lieder, die ich allein in der Natur und wir gemeinsam am Feuer sangen. Danke, ihr Baumfreunde, dass ihr mich daran erinnert, dass ich mir meiner Wurzelkraft und meiner Tiefe bewusst sein darf, um - hoch aufgerichtet - mit dem Kopf in den Himmel zu wachsen und mein Herz offen und berührbar in die Welt strahlen zu lassen. Danke.

Und mit diesem - meinem aktuellen Lieblingslied - wünsche ich dir ein gesundes Neues Jahr! 

Donnerstag, 31. Mai 2018

Das Rezept für diese Holunderblütentorte...

...hatte ich 2015 kreiert und für köstlich befunden. Seitdem gibt es sie einmal im Jahr. Nun ist wieder die Zeit der duftenden Hollerblüte und damit Zeit für diese köstliche Torte.

Holunderblütentorte

Dafür pflückte ich 15 Hollerblüten…

Holunderblütenernte

…entfernte Krabbeltierchen, übergoss die Blüten mit 500 ml Schlagsahne…

Holunderblüten in Sahne

und stellte die Schüssel in den Kühlschrank. Über Nacht hatten die Blüten Zeit, die Sahne zu aromatisieren. Danach seihte ich sie ab und drückte die Blüten gründlich aus. Zusammen mit 20 g Puderzucker und 2 Tütchen Sahnesteif wurde sie richtig steif geschlagen. Dann rührte ich 200 g Magerquark und die fein geraspelte Schale einer Bio-Zitrone unter die Sahne. Bevor ich sie auf den am Vorabend gebackenen Tortenboden gab, verteilte ich großzügig Holunderblütengelee auf dem Boden.

Tröpfchenweise diente das Gelee außerdem der Tortengarnitur. Zum Schluss verzierte ich den Tortenrand mit Holunderblüten und zupfte einige Miniblütchen ab, um sie auf der Torte zu verteilen. Bis zum Nachmittagskaffee wartete sie im Kühlschrank. 
Ein Stück Holunderblütentorte

Für den Tortenboden:

4 Eier trennen, Eiweiß mit einer Prise Salz sehr steif schlagen und zur Seite stellen, die Eigelb mit 80 g Puderzucker, 100 g Butter und dem Mark einer Vanilleschote schaumig schlagen, 200 g gemahlene Mandeln, 3 Teelöffel Kakao und ein halbes Päckchen Backpulver unterrühren, den Eischnee unterheben, Teig in einer gut gefetteten Springform für ca. 20 Minuten bei 170°C backen. Vor der Weiterverarbeitung gut abkühlen lassen.

Guten Appetit!

Montag, 14. Mai 2018

Ein Resümee - Meine Draußenzeit im Mai...

...begann mit ihren Auswirkungen in mir schon einige Tage vor meinem Aufbruch. Ich war von innerer Unruhe erfüllt, einem unguten Gefühl in der Magengegend, das ich nicht zuordnen konnte. Anfangs war es nur ein vages Drücken... Mein Plan sah in diesem Jahr anders aus als in den Jahren zuvor. Ich wollte dieses Mal nicht wandern und mir allabendlich einen neuen Schlafplatz im Wald suchen, sondern hatte vor, in einen Wald umzuziehen und dort zu bleiben, um aus dem TUN im SEIN anzukommen... Das Wandern, das Finden und das Ankommen an einem neuen Platz, Wasser finden und filtern, das Auf- und Abbauen des Tarps binden Zeit und Aufmerksamkeit und das, was ich aus dem Alltag gut kenne - das Tun - nimmt großen Raum ein. 



Widerstand oder Intuition?

Ich wollte den größten Wald im Klützer Winkel aufsuchen. Allerdings nahm mein Unwohlsein zu, je näher der Tag der geplanten Abreise rückte. Seit nunmehr fünf Jahren schenke ich mir jedes Jahr eine Draußenzeit. Deshalb weiß ich inzwischen, dass das mehrtägige Alleinsein in der Natur mir neben wundervollen Erfahrungen wie Tierbegegnungen und Verbundenheitsgefühlen immer auch Herausforderungen bringt. Und die katapultieren mich erstmal aus meiner Komfortzone heraus, bevor ich ihren Schatz bergen kann. Ich vermutete also, dass mein unwohles Gefühl mich vom Verlassen meiner Komfortzone abhalten wollte - ein Widerstand sozusagen... Aber so anhaltend?  In der Regel kann ich mich auf meine Intuition verlassen. Jetzt jedoch war ich ratlos. Wie sollte ich zwischen Widerstand und (in diesem Fall warnender) innerer Stimme unterscheiden? Mir half das Sprechen mit einer meiner Schwestern und ein Experiment: Ich stellte mir vor, in den Wald zu ziehen, in dem sich mein Sitzplatz befindet und sofort setzte Entspannung ein. Es fühlte sich an, als fielen zentnerschwere Steine von mir ab. Ich atmete auf und mein ganzes inneres System sagte JAAAA. Dachte ich hingegen daran, in den Leonorenwald zu gehen, zog sich wieder alles in mir zusammen und wurde schwer und drückend. Auf diese deutlichen Signale hörte ich dann, veränderte meinen Plan und zog zu meiner Sitzplatz-Buche. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen konnte, wovor mich meine innere Stimme beschützte, ging ich da schon davon aus, dass sie es tat. Mir tut es gut, auf sie zu hören und mich so selbst ernst zu nehmen.

Erstmal ankommen

Der Ruf eines der zwei hier lebenden Kolkraben an der Schwelle zum Wald freute mich. Wo war nur der zweite? Ich betrat den Wald, nahm die Veränderung des Lichtes, der Temperatur, des Duftes wahr und sah die Buchen, Fichten, Eschen, Eichen, ab und an eine Vogelkirsche, einen Holunder, eine Eberesche und die Blumen - die letzten Veilchen und Buschwindröschen, leuchtende Goldnessel, die weißen Blüten des Wald-Hornkrauts...


...den ebenfalls blühenden Waldmeister und die ersten feinen Blüten des Ruprechtskrautes (2011 hatte ich damit gefärbt und gedruckt (KLICK)) 

Dann kam ich zu "meiner" Buche. Es tat sooo gut, mich auf die Erde zu setzen, meinen Rücken an ihren Stamm zu lehnen und zu atmen. Ich liebe den Blick in ihre ausladende Krone und bestaunte das Licht, das zu dieser Jahreszeit durch die schon großen, aber noch zarten Blätter fällt. 



Und doch dauerte es diesmal eine lange Zeit, bis ich wirklich angekommen war. Wie viele Gedanken durch meinen Kopf flogen, war mir bis dahin kaum bewusst. Ich bemerkte es erst hier, als ich nichts musste, sollte, wollte, sondern einfach sein durfte... Die sinnliche Wahrnehmung half mir beim Ankommen. Ich spürte den Waldboden unter mir, hörte das trockene Laub des Vorjahres rascheln. Der Wind strich mir über die Haut. Ich knabberte etwas Sauerklee und schmeckte die frische und angenehme Säure. Und dann tat ich weiter nichts. Nahm nur wahr. Sah die feinen Buchenblätter sich im Wind bewegen, beobachtete das Licht- und Schattenspiel, folgte dem Flug von Schmetterlingen mit den Augen, lauschte den Geräuschen des Waldes, dem Zwitschern, Rufen, Singen, Krächzen des gefiederten Volkes und immer wieder dem Wind, der dort an meinem Platz kräftig blies. Ich lauschte und lauschte...


Die erste Nacht

Für die Nacht legte ich eine Plane in die mit trockenem Laub gefüllte Senke, meine Isomatte darauf und mein Bett war fertig. Die Sonne sank...

 
...die Dämmerung fiel, die zunehmende Dunkelheit verschluckte die Farben, die Geräusche veränderten sich. Ich kroch in meinen Schlafsack, der Wind lullte mich ein und ich dämmerte hinweg. Ich kann in der Regel gut und überall schlafen, merke jedoch, dass der Schlaf draußen eine andere Qualität hat. Er ist leichter und erlaubt mir, bei ungewohnten Geräuschen schnell zu erwachen. Da sitzt mir wohl etwas Uraltes in den Genen. Ich hörte es Knabbern und Knuspern und erinnerte mich an ein Mäuschen, das ich in einer früheren Draußenzeit kennengelernt hatte. Ein Geschöpf trabte in der Nähe meines Schlafplatzes rasch vorbei. Das trockene Laub machte jede Bewegung hörbar. Ich vermutete, es war ein Fuchs, bin aber nicht sicher. Allerdings war mein Schlaf tief genug, dass ich nicht merkte, dass Mücken mir mitten in meine Nasenspitze gestochen hatten. Als ich erwachte, pochte und pulsierte sie und war angeschwollen. Überhaupt gab es hier sooo große und viele Mücken. Der viele Regen in der letzten Zeit hatte dafür gesorgt, dass alle Senken im Wald mit Wasser gefüllt waren und sich kleine Teiche und Wassergräben gebildet hatten. Ideale Mückenbedingungen also... Deshalb beschloss ich, für die nächsten Nächte Ramonas (KLICK) Moskitonetz aufzuhängen und mich so vor den kleinen Blutsaugern zu schützen.




Das Mini-Feuer hüten

Am Morgen kochte ich mir mit meinem ganz einfachen Holzkocher, der aus einem Ikea-Besteckbehälter, zwei langen Schrauben und einer Metalltasse besteht, einen Tee. Ich hatte Rohrkolbenwolle und feine Streifen Birkenrinde als Zundermaterial dabei, sammelte kleine Zweige und schlug mit Feuerstahl und Magnesiumstab heiße Funken ins Zundernest. Wie ich es liebe, so ein klitzekleines Feuer zu schüren und achtsam zu füttern, mit meiner Aufmerksamkeit nur bei den feinen Flammen zu sein!


Der so zubereitete Tee schmeckte mir besonders köstlich. Durch das Fasten - ich trank morgens Tee und ansonsten Wasser - verlangsamte ich. Zeit wurde bedeutungslos. Ich beobachtete einzig den Lauf der Sonne, suchte mir Sonnenflecken auf dem Waldboden und badete dort in Wärme und Licht. Ab und an summte oder tönte ich, aber die meiste Zeit war ich still. Ich schrieb nicht einmal Tagebuch.


Tierbegegnungen

Ein großer Feldhase drückte sich in seine Sasse, bis ich ganz nah heran gekommen war. Erst dann sprang er auf und flitzte davon. An einem anderen Morgen kam er (oder ein anderer) bis nah an meinen Schlafplatz heran, zupfte hier und naschte dort, hoppelte auf das nahe Feld und kam später wieder zurück. Er war ganz gemütlich unterwegs. Anders als einige Wildschweine abends, die wohl an die feuchte Senke wollten, mich jedoch witterten und schnell wie der Wind davonstoben, so dass die trockenen Zweige unter ihnen nur so krachten. Tja, wieder kein Glück bei der Beobachtung. Dabei gibt es in der Nähe meines Sitzplatzes eine viel besuchte Suhle und zwei eindrucksvolle Mahlbäume. Solang ich jedoch da war, ließ sich dort kein Schwein blicken.




In der zweiten Nacht hörte ich langsame, aber kraftvolle Schritte eines Zweibeiners, die näher und näher und dann ganz nah kamen... Ich hörte, wie etwas an meinem Rucksack zupfte, der vor dem Moskitonetz an einem Baum lehnte, hob ganz langsam den Kopf. Der Nandu erschrak und rannte davon. Wow! So nah war ich noch keinem gekommen. Im Dezember hatte ich hier in meinem Sitzplatzwald bereits ein Ei (KLICK) gefunden, wußte also, dass sie hier brüten.
Ich hörte die sehnsuchtsvollen Stimmen der Kraniche, den Ruf des Bussards, sah, wie der Rotmilan sich am Waldrand auf einem hohen Baum niederließ. 
Beim Umherstromern und Federn sammeln erschreckte ich einen Rehbock, der seinem Unbehagen noch lange und lautstark Ausdruck verlieh. Eine Ricke kam nah an meinem Platz vorbei. Sie nahm mich wohl nicht wahr und blieb ganz entspannt, denn der Wind stand gut für mich und ich war mucksmäuschenstill. 
Aber ich beobachtete auch viele kleine Geschöpfe: Springspinnen, Libellen, Käfer, eine rote Samtmilbe...


...und ganz viele Hummeln. Einige Zeit lag ich einfach auf dem Bauch und betrachtete den einen Quadratmeter Waldboden vor meiner Nase. Wieviel Leben darin war und wieviel Tod... Werden, Wachsen und Vergehen, im Kleinen wie im Großen und ich selbst war Teil des Ganzen... 

Herausforderung

Es war durchweg wunderbares Sommerwetter im Mai. Selbst nachts war es warm, so dass ich unter dem Moskitonetz sogar mit offenem Schlafsack liegen konnte. Ich hatte darauf verzichtet, mein Tarp aufzuspannen und genoss es, unter freiem Himmel und dem so grünen Blätterdach zu sein. Dann tauchten Wolken auf und der Himmel zog sich recht rasch zu. Obwohl auch die Mücken mich warnten, immer rasender wurden und ich ihre Sprache hätte verstehen können, hörte ich nicht auf sie. Und dann war es zu spät... Ein Gewitter krachte los. Blitz und Donner, gepaart mit Starkregen. Jetzt war es auch zu spät, das Tarp aufzuspannen. Dieses Moskitonetz ist aufgrund seiner Pyramidenform ohnehin nicht tarptauglich. Also schlüpfte ich lieber hinein, hockte mich auf meine Isomatte, zog das Tarp über mich und meine Sachen und hoffte darauf, dass das Gewitter schnell vorüber ging. Stattdessen blitzte es grell, krachte der Donner, ging es Schlag auf Schlag. Der Regen nahm eher noch zu, das Gewitter beruhigte sich mal, flammte dann jedoch wieder neu auf und ich hatte Angst... Um mich zu beruhigen, sang ich ein Lied der Cherokee und wiederholte es ein ums andere Mal. Das half mir tatsächlich, inmitten des Tumultes ruhig zu werden. 
Als das Gewitter dann vorbei war und es nur noch von den Bäumen tröpfelte, hockte ich unter dem Moskitonetz mitten in einem See aus Regenwasser. Meine Picknickdecke, die mir als Unterlage gedient hatte, war ebenso nass wie meine Jacke, mein Daunenschlafsack und einfach alles... 



Auf dem Regenwassersee schwammen Blütenpollen und zeigten schlierige Muster. Es war irgendwie absurd und zum Lachen. Ich betrachtete die Situation und beschloss, dass meine Draussenzeit jetzt beendet sei, rief meinen Gefährten an und bat ihn, mit unserer großen Einkaufskiste in den Wald zu meinem Sitzplatzbaum zu kommen. Dorthinein kamen die schweren nassen Sachen, die wir zu Hause im Garten zum Trocknen aufhängten.
Das war eine für mich ziemlich neue Situation, denn es entspricht mir eher, die Zähne zusammen zu beißen und allein eine Lösung zu finden. Da ich das aber kann, war meine Lernaufgabe hier eine andere.



Rainer staunte auch, denn er hatte noch nie erlebt, dass ich früher zurückkam, als ich angekündigt hatte. Ich lernte: Ich darf MIT der Situation gehen und immer neu entscheiden, was JETZT für mich stimmig ist. Ich kann um Unterstützung bitten und ich bekomme sie. Wie entspannend, mir all das zu erlauben! Und ich verstand: Das war der Grund für mein Unwohlsein. Wäre ich in den Leonorenwald gegangen, hätte ich diese Erfahrung nicht machen können. Ich hätte die Zähne zusammen gebissen und die Situation gewuppt, denn Situationen wuppen - das ist mir vertraut. Aber - ich muss meinen alten Mustern nicht folgen, sondern bin frei, von Situation zu Situation immer wieder neu zu entscheiden. Diese Erkenntnis darf jetzt in mich hineinsinken, sich in meine Zellen setzen und wirklich verinnerlicht werden. Und dann integriere ich dieses Wissen in mein ganzes weiteres Leben... Was für eine Erweiterung!

So viele Geschenke

Wieder bekam ich einen Stenz geschenkt, den ich bearbeiten und weiter verschenken werde. Und Federn  - ein paar blau schimmernde Stockentenfedern, drei von der Amsel, feine weiße Taubenfedern und ein paar, die ich nicht zuordnen konnte. Ich sammelte mehrere kuschelweiche Daunenfedern vom Waldboden, vielleicht die eines Käuzchens.


Und ich wurde mit klarer Waldluft beschenkt, mit Ruhe, Erholung und Langsamkeit, mit Dankbarkeit für meine innere Stimme, meine Intuition. Ich danke sehr dafür, dass ich nun noch einmal tiefer weiß, dass ich eingeladen bin, gut zu unterscheiden, wann es darum geht, etwas bis zum Ende zu bringen und wann ich weich und liebevoll mit mir sein darf und mir erlaube, etwas vorzeitig zu beenden. Ich danke euch Mücken für die Gewitter-Warnung und verspreche, euern Rat beim nächsten Mal ernst zu nehmen. Ich danke für die Erinnerung daran, mich in angstvollen Situationen selbst beruhigen zu können. Ich danke dafür, noch einmal mehr ins Vertrauen gesunken zu sein, dass das Leben es gut mit mir meint, dass ich getragen, gehalten und beschützt bin. Ich danke dir, Buche, dass es dich gibt, dass du nun schon einige Zeit meine Lehrerin bist und ich bei dir sein kann - bei jedem Wetter, zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit und immer wieder neu...

Montag, 23. April 2018

Sing-Sang-Samstag mit Sylvia Kirchherr am 26. Mai 2018


Die Vögel zwitschern, singen, tirilieren, jubilieren gerade wie wild! Ja, nun ist auch hier in Nordwestmecklenburg der Frühling eingezogen - inzwischen sogar mit sommerlichen Temperaturen. Die Qualität der Zeit so kurz vor Beltane ist spürbar erfüllt von Sinnlichkeit, Kreativität und Schöpferkraft. Und passend zu dieser Zeitqualität erzähle ich Dir etwas Wundervolles: 

Am Samstag, dem 26. Mai 2018 kommt Sylvia Kirchherr (KLICK) endlich einmal wieder hierher nach Ollndorf in Nordwestmecklenburg und lädt zu einem Sing-Sang-Samstag ein. 

Was das ist? Die schönste Möglichkeit, im geschützten natürlichen Raum Deine ureigene Stimme tiefer zu entdecken, zu erforschen, erklingen, ertönen zu lassen und ganz im JETZT anzukommen. Unsere Stimmen, die so einzigartig sind wie ein Fingerabdruck, werden sich miteinander verweben und Klänge in den Himmel tragen, die es auf diese Weise nur dieses eine Mal geben wird. Sylvia begleitet uns einfühlsam mit ihrem Wesen und ihrer Gitarre. Das Singen und Tönen bringt uns nicht nur in unseren Körper, sondern lässt Blockaden schmelzen, verbindet uns mit unserer strömenden Lebensenergie, weckt die Lebendigkeit in uns und bringt uns in diesen so kostbaren Moment. Aber ich kann wohl noch so viele Worte finden, sie werden immer hinter dem Erlebnis, der Erfahrung zurückbleiben... Das sagt Sylvia selbst dazu: KLICK

Wenn unsere Worte Dir etwas von dem Zauber vermitteln konnten und Dich neugierig gemacht haben, dann melde Dich per Email bei jana.muchalski@web.de für das gemeinsame Singen und Tönen an.

Hier noch einmal im Überblick: 

Sing-Sang-Samstag mit Sylvia Kirchherr
26. Mai 2018 von 11.00 - 17.00 Uhr
Treffpunkt bei
Jana Muchalski,
Ollndorfer Hufe 8
23923 Niendorf OT Ollndorf
Anreise ab 10.30
Anmeldung bei jana.muchalski@web.de
Kursgebühr 95,- €

Falls Du von weiter her anreisen möchtest und eine Übernachtungsmöglichkeit brauchst, kann ich Dir das liebevoll geführte Gästehaus 22 (KLICK) in 19017 Rehna sehr empfehlen. 

Ich freue mich!!!