Sonntag, 16. Oktober 2011

Pilzgefärbtes “Aha!”

Es wunderte mich, dass auch die nächsten pilzigen Testfärbungen so gedeckte Töne ergaben, wie z. B. hier die Färbung mit einem Porling, dessen Namen ich nicht weiß... (Nachtrag: Der Pilz heißt Rotrandiger Baumschwamm.)

Färbung mit unbekanntem Porling in zwei Zügen

Porling

Gut – die Färbekraft des Kahlen Kremplings soll nicht allzu umwerfend sein… (Nachtrag: Da es sich gar nicht um einen Kahlen Krempling handelte, sondern um den Olivbraunen Milchling, muss ich mich noch weniger wundern… Danke für den Hinweis, Alex!)

Färbung mit Kahlem Krempling in zwei Zügen

Kahler Krempling

Trotzdem – irgendetwas war nicht richtig. Ich kontrollierte also meinen emaillierten Färbetopf und entdeckte schadhafte Stellen mit rostigem Ansatz. Tja, da hatte ich wohl unwissentlich alle Minifärbungen mit Eisenzugabe nuanciert. Topf ist ausgemustert und wird nur noch für gewollte Nuancierungen mit Eisen eingesetzt.

Eine Färbung mit Schwefelköpfen im Edelstahltopf ergab dann diese  Farben, die sich um Längen leuchtender und klarer zeigen…

Färbung mit Schwefelköpfen in drei Zügen

Grünblättrige Schwefelköpfchen

@Alle: Danke auch für Eure Kommentare zur Pilzfärbung!

@Edda = Gabi: Ich sehe, Du verstehst mich. Seufz. Sag, womit zerkleinerst Du Deine Zunderschwämme? Weiche Porlinge lassen sich ja noch zerschneiden, aber die harten bringen meine Messer und mich an die Grenzen.

@Bettina, @Anke: Tja, die Rotfärbungen… Wäre schon schön, so viele Hautköpfe zu finden, aber das ist wohl Zukunftsmusik. Da heißt es zumindest in unseren Breitengraden, lange suchen und sammeln und trocknen und warten. Für dieses Jahr ist die Sammelzeit auch schon wieder vorbei. Gern würde ich auch den Zimtfarbenen Weichporling finden. Violett ist eine von meinen vielen Lieblingsfarben…

Freitag, 14. Oktober 2011

Es leuchtet! Färbung mit Berberitzenwurzel

Das ist eine für mich ganz spektakuläre Färbung, auch wenn sie auf den ersten Blick recht unscheinbar aussieht. Ein Gelbton halt und dann noch nicht einmal ein besonders schöner…

Berberitzenwurzelfärbung in zwei Zügen

Was diese Färbung für mich so besonders macht, ist ihre Fähigkeit, im UV-Licht bzw. Schwarzlicht zu leuchten. Verantwortlich für diesen Effekt ist das Alkaloid Berberin. Bevor es zum Leuchten kam, waren jedoch einige Arbeitsschritte notwendig. Die Wurzel einer kränkelnden Pflanze aus dem Vorgarten wurde ausgegraben…

Berberitzenwurzel

…zerkleinert…

Berberitzenwurzel beim Zerkleinern

…getrocknet…

Berberitzenwurzel zerkleinert getrocknet

…und später wieder einige Tage eingeweicht, bevor sie ausgekocht wurde. Nun war die Flotte zum Färben bereit.

Und hier das leuchtende Ergebnis…

Berberitzenwurzelfärbung UV-leuchtend 2

Das Foto machte ich in einem kleinen Zwischenflur ohne jegliches Tageslicht. Einzige Lichtquelle war eine Schwarzlichtröhre (ein Überbleibsel meiner ehemaligen Schwarzlicht-Theatergruppe). Ist es nicht verrückt!? Wohlgemerkt – das ist eine natürliche Pflanzenfärbung…

Zum Vergleich folgt hier ein Bild mit einem nicht leuchtenden Strang Sockenwolle…

Färbung mit Berberitzenwurzel UV-leuchtend 1

Nachtrag: Hab noch ein wenig in den Weiten des www gesucht und bin fündig geworden. Hier, bei Prof. Blumes Tipp des Monats für den Chemieunterricht, könnt Ihr noch weitere Einzelheiten zur Fluoreszenz von Berberin nachlesen. Mahonien haben’s auch in sich…

 Zwinkerndes Smiley

Montag, 10. Oktober 2011

Pilze zum Färben…

Färbepilze sortiert

Meine Idee war ein Tausch “Pilze gegen handgesponnene und/oder gefärbte Wolle”. Und so geschah es auch. Auf dem obigen Foto seht Ihr einen Teil meiner Ausbeute an Färbepilzen. Sie wurden nicht von mir gesammelt, sondern gehörten zu den Exponaten der Pilzausstellung im Kloster Rehna.

Da ich nicht gleich zum ausgiebigen Färben kam, habe ich sie erstmal zerkleinert und getrocknet. Damit die Zuordnung auch im getrockneten Zustand noch stimmt, nummerierte ich mir die Pilze.

Färbepilze - Zum Trocknen vorbereitet

Schon verrückt, wie wenig übrig blieb! Die vollen Gläser beherbergen übrigens den getrockneten Kiefernbraunporling. Das hat sich wirklich gelohnt!

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Flämmlinge…

Färbepilze - Flämmlinge

…und Schwefelköpfe (sowohl die grün-, als auch die graublättrigen) kochte ich inzwischen aus. Hier ein Blick auf die Schwefelkopf-Färbeflotte nach dem Abseihen…

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Die ausgekochten Pilze band ich in  ein Tuch und hängte sie so zurück in den Topf. Die erste Färbung durfte in der Flotte auskühlen. Ich wickelte mir 10-Gramm-Stränge, um auch mit wenig Pilzen Garnproben färben und erstmal etwas über die Färbekraft verschiedener Pilze lernen zu können. Ein wenig Wolle im Kammzug war ebenfalls mit im Topf.

Und hier kommen die ersten Ergebnisse. Eine Färbung in zwei Zügen mit Schwefelköpfen – einmal auf Kaltbeize AL und einmal mit Eisen-Kaltbeize vorgebeizt.

Färbung mit Schwefelköpfchen in zwei Zügen

Schwefelköpfchen

Das gleiche mit Flämmlingen…

Färbung mit Flämmlingen in zwei Zügen

Flämmling

Dienstag, 4. Oktober 2011

Pilze zum Gucken, Lernen, Würzen, Essen, Färben…

Im Buchenwald

Zum Herbst gehört für mich das Pilze sammeln und zum Herbst gehören Waldspaziergänge. Da ich mich in den kommenden Jahren verstärkt dem Färben mit Pilzen zuwenden möchte, folgte ich nun zum allerersten Mal dem Aufruf zu einer begleiteten Pilzwanderung. Ich war überrascht, wie groß der Andrang am Treffpunkt in Rehna war. Die große Gruppe wurde in vier kleinere Gruppen unterteilt und auf ging es in den Wald. Unter fachkundiger Leitung von Reinhold Krakow – dem Leiter des Mykologischen Pilzzentrums in Wismar -  entdeckte meine Gruppe die pilzige Artenvielfalt in einem Buchenwald der Umgebung. Über was für ein umfangreiches Wissen dieser Mann verfügt… Er kannte wahrlich JEDEN Pilz! Beeindruckend! Leider ist mein Speicher begrenzt und ich kann nur ein gewisses Maß an Informationen aufnehmen und angemessen verarbeiten, so dass ich nicht allen Erklärungen lauschte, sondern immer wieder auch im Wald unterwegs war, um Pilze zu sammeln, den weichen Boden unter den Füßen, den Duft, das Vogelgezwitscher und die Sonne auf der Haut zu genießen. Nicht nur ich…

Sonnenbad

Ich sammelte viele Herbsttrompeten…

Herbsttrompeten im Buchenwald

Herbsttrompeten

…zerkleinerte und trocknete die Pilze später, um sie dann in der Getreidemühle zu würzendem Pilzpulver zu zermahlen.

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Ebenso verfuhr ich mit dem Knoblauch-Schwindling…

Aus dem ersten noch ganz jungen Hallimasch in diesem Jahr…

Junger Hallimasch

…wenigen Rotfüßchen…

Rotfüßchen

und den Hüten der violetten Lacktrichterlinge…

Violette Lacktrichterlinge

…bereitete ich ein Abendbrot. Dafür wurden alle Pilze geputzt, der Hallimasch abgekocht (Kochwasser weggießen, Pilze gut abtropfen lassen!), die Zwiebel gepellt und klein gewürfelt, in Öl glasig geschmurgelt, die Pilze dazugegeben, mit Meersalz und frisch gemahlenem Pfeffer gewürzt und gegart. Dann schlug ich zwei Eier mit je einem Teelöffel voll Tomatenmark und Senf auf, gab sie über die Pilzmischung…

Waldpilz-Rührei in der Pflanne

ließ die Eier stocken und hatte ein feines Essen…

Waldpilz-Rührei

Das bei Verzehr tödlich wirkende Baby vom Grünen Knollenblätterpilz kam natürlich ebenso wenig in die Pfanne...

Tödlich giftiger Grüner Knollenblätterpilz

…wie diese Fliegenpilz-Schönheiten…

Fliegenpilze

Bestimmt 250 verschiedene Arten fanden sich in der Pilzausstellung im Rehnaer Kloster - organisiert vom Pilzverein Rehna.

Pilzausstellung Kloster Rehna 2011

Aber auch hier konnte ich die vielen Informationen gar nicht alle aufnehmen. Beim Anblick der begehrten Färbepilze schlug mein Herz jedoch höher:

Zinnoberroter Hautkopf 1

Kiefern-Braunporling Phaeolus schweinitzii

Und mir kam eine Idee… Doch dazu ein andermal mehr.

Samstag, 1. Oktober 2011

ECO PRINT – Teil 6

Wie im vorigen Post beschrieben, hatte ich die mit Pflanzenmaterial belegten Stoffe zur Hälfte stehend in Eisen-III-Beize vorgebeizt, einmal umgewickelt, in einer Schilfblütenflotte gefärbt und hier sind sie nun…

ECO PRINT Stoffe 3

Auffällig ist, dass es sich eher um Reservierungen handelt, d. h. die Pflanzenteile – Blätter, Rinde ec. – haben dafür gesorgt, dass die Farbflotte der Schilfblütenfärbung nicht oder kaum an den Stoff gelangte. Die Umrisse sind recht deutlich. Hier einige Detailfotos…

Abgeschälte Schlehenrinde auf Wolle…

ECO PRINT Schlehenrinde auf Wolle teilweise Eisenbeize

ECO PRINT Schlehenrinde auf Wolle teilweise Eisenbeize Detail

Schlehenblätter auf Seide…

ECO PRINT Schlehenblätter auf Seide  teilweise Eisenbeize

Die Blätter des roten Perückenstrauches auf Wolle im Detail…

ECO PRINT Perückenstrauch Blätter auf Wolle

…und im Überblick…

ECO PRINT Perückenstrauch Blätter auf Wolle 2

…und ein Bild vom Auslegen…Es macht also tatsächlich einen Unterschied, welche Blattseite auf dem Stoff liegt. Was für spannende Spielereien!

Perückenstrauch Blätter ausgelegt

Waldmeisterblätter auf Wolle…

ECO PRINT Waldmeisterblätter auf Wolle Eisenbeize

…und Seide…

ECO PRINT Waldmeisterblätter auf Seide Eisenbeize

…Farn auf Wolle…

ECO PRINT Farn auf Wolle teilweise Eisenbeize

…und im Detail……

ECO PRINT Farn auf Wolle Eisenbeize Detail

Und zum Schluss zwei Fotos der versprochenen Färbung mit Ruprechtskraut auf Sockenwolle in zwei Zügen…

Stoff und Sockenwolle - Ruprechtskrautfärbung

Färbung mit Ruprechtskraut in zwei Zügen

Ganz herzlichen Dank für Eure Kommentare! Ich freue mich über jeden einzelnen und wünsche Euch ein schönes langes Wochenende. Ich werde gleich an einer Pilzwanderung teilnehmen. In Rehna finden nämlich an diesem Wochenende die Tage der Pilze statt. Besonders  freue mich schon auf die Pilzausstellung im Kloster Rehna.