Donnerstag, 10. August 2017

Mit Therapiegruppen in der Natur...

Seit meiner Ausbildung zur Wildnispädagogin in der Wildnisschule Seenland (KLICK) habe ich die Naturarbeit verstärkt in all meine Wirkungsbereiche integriert. Momentan bin ich fast jede Woche einen ganzen Vormittag mit einer Therapiegruppe im Wald. Mit Wahrnehmungsübungen, Gruppenbildungsaufgaben, Stillezeit, Spielen, Liedern, Hüttenbau, Naturrätseln vergehen die Stunden wie im Flug.


Was mich berührt, erfüllt und begeistert, was ich als sinnvoll, bereichernd und entwicklungsfördernd erlebe, darf auch in meinem (Arbeits-)Alltag Raum bekommen. Was gibt es Heilsameres, als durch die Natur zu streifen, an das gesunde ursprüngliche innere Kind anzudocken, sinnliche Erfahrungen zu machen und ganz im Körper und im Jetzt anzukommen?


Und ganz nebenbei - fast unbemerkt - lernen wir so viel über uns selbst, über die natürlichen Geschöpfe, die im Wald leben, über das zyklische Werden und Vergehen...


Seit bald 17 Jahren arbeite ich nun inzwischen in einer Rehaklinik für Menschen, die aus der Abhängigkeit von illegalen Drogen aussteigen wollen. Viele PatientInnen haben sehr früh mit dem Konsum begonnen und dürfen deshalb in vielen Bereichen Persönlichkeitsentwicklung nachholen.


Neben dem Wiederankommen im unverfälschten echten Leben, dem Verarbeiten belastender Lebenserfahrungen, die bis dahin betäubt werden mussten, dem wirklich tiefen Fühlen, dem Bewältigen von ganz natürlichen kleineren und größeren Krisen, die einfach dazugehören, sind es so wichtige Fragen wie die nach dem Sinn des Lebens oder "Wer bin ich eigentlich?" sowie die Suche nach dem eigenen Platz in dieser Welt, um die es hier in der Therapie nun geht.

Und auch dabei kann der Wald unterstützen und die Natur als Spiegel dienen. Immer wieder darf ich in staunende Augen schauen, wenn die PatientInnen mit ihrer Frage in den Wald gehen und ihre ganz individuellen Antworten und Erlebnisse mitbringen.


Und es gilt, die Schöpferkraft der Natur, die einzigartigen Wunder wahrzunehmen, zu erforschen und sich vertraut zu machen. Wie sagte Konrad Lorenz so weise?

"Nur was der Mensch kennt, lernt er lieben und nur was er liebt, schützt er." 

Und so sind wir immer wieder auch auf Spurensuche, entdecken Trittsiegel und rätseln herum, wer wohl diesen schönen Abdruck hinterlassen hat...


...finden kunstvolle Behausungen und können uns Fragen zu Heimat, Sehnsucht und Geborgenheit stellen...


...lassen uns von Winzlingen, den Tierkindern verzaubern...


...und bewundern die Kunstfertigkeit solcher Gebilde...

...finden Federgeschenke und erraten vielleicht sogar, wer sie wohl hat fallenlassen...
 

...genießen es, mit nackten Füßen durch das kühle, weiche, feuchte Moos zu gehen und sind ganz da - in diesem wunderbaren wilden Leben.

 Und nun verlinke ich diesen Post zum Naturdonnerstag bei Ghislana (KLICK)...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wie schön, liebe Jana und zugleich wie wahr. Die Bilder sind traumhaft.
Liebe Grüße Sabine

moni hat gesagt…

Hallo Jaja,
Text und Bilder ergänzen sich in Deinem Artikel auf wunderschöne Weise. Es wird eine ganz besondere Harmonie erzeugt.
Die Natur und insbesondere der Wald geben uns viele Antworten, auch auf Fragen, die wir so nicht formuliert haben.
Lieben Gruß
moni

Heidi R. hat gesagt…

Gerne bin ich im Wald, in der Natur, aber mit meinen nackten Füßen im Schlamm oder Waldmoos zu verweilen...
wer weiß was da alles herumkrabbelt?
Ich glaube, meine Wahrnehmung wäre da überfordert?
Aber ich glaube, die Therapiegruppe findet Gefallen daran und das ist richtig so! Antworten kann man in der Natur immer finden, das stimmt.
LG Heidi

Malou hat gesagt…

Liebe Jana,
wie recht du hast. Natur hilft so sehr beim sich selbst finden, in sich hineinspüren und ein Spaziergang ist für mich immer eine Weg einen Faden zu finden. Es ist so schön, dass du die Gabe hast und nutzt, anderen beim sich selbst finden zu helfen.
Herzliche Grüße,
Malou

jahreszeitenbriefe hat gesagt…

Was für ein schöner ganz besonderer Beitrag zum Naturdonnerstag von dir. Ich freue mich sehr darüber. Und ja, Natur hat uns soviel zu sagen, wenn wir uns wirklich auf sie einlassen. Lieben Gruß Ghislana

MarionNette Herm hat gesagt…

Liebe Jana, ein wirklich eindrucksvoller Post über Deine Arbeit mit Menschen, die wieder zurück ins lebenswerte Leben gehen wollen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Natur dazu viele Möglichkeiten bieten kann. Diesen von Dir erlernten Beruf habe ich bis dato nicht gekannt! Spannendes Berufsfeld, finde ich. Lieben Dank auch für die schönen Bilder. LG sendet Marion

Pyrgus hat gesagt…

Ach ja, das kann ich mir gut vorstellen, dass der Bezug zur Natur helfen kann, Fragen an die Oberfläche zu bringen und zu beantworten. Wunderschöne Bilder!
Lieben Gruß
Gabi

Lebensperlenzauber hat gesagt…

Liebe Jana,
danke für den tollen Post!
Ich habe mich gefreut bei dir hier im Blog zu landen,
war schon mal hier um zu lesen....nur zum Schreiben hat es nicht gereicht...
Toll was du machst, hat mich begeistert und so bin ich nochmal hier!
Dankeschön
Komme spät zum Schreiben,
aber nicht weniger herzlich,
Grüßle
Monika*

Sheepy hat gesagt…

Liebe Jana, wieder so schön, bei dir zu lesen, man fühlt sich fast selbst im Wald. Ich freue mich auf meine Waldzeit, wenn es nun mit großen Schritten auf den Herbst zu geht. die schöne intensive Farben, Pilze sammeln, das Rascheln der Blätter und die besondere Luft.
Danke auch für deine mitfühlenden Worte bei mir.
Sei ganz lieb gegrüßt von der Insel
Kerstin

Claudia Holunder hat gesagt…

Liebe Jana,
so wunderbare Waldbilder. Auch wir sind gestern eingetaucht in solche lebendige Fülle.
Gerade jetzt im Spätsommer geht vom Wald eine besondere Magie aus. Dieses Licht...
Überhaupt ist der Wald doch ein Kraftort, der uns erdet, den Blick zurecht rückt, eine tiefe Zufriedenheit im Herzen schaffen kann, mit Lebendigkeit füllt.
Als Kind musste ich meine Eltern immer zu stundenlangen Spaziergängen begleiten und ahnte gar nicht, als welch ein Geschenk sich das entpuppen würde. Es schulte meine Wahrnehmung und prägte meine Liebe zur Natur.
Du arbeitest in einer Rehaklinik mit Suchtpatienten? Das hatte ich aus deinen Postings zuvor noch gar nicht herausgelesen. Bestimmt eine herausfordernde, schöne aber auch frustrierende Berufung.
Herzlicher
Claudiagruß