Donnerstag, 6. Oktober 2016

Mit dem täglichen Schwimmen im See...

...begannen wir im Mai immer zum Sonnenuntergang. Da wir unsere Schwimmzeit lange nicht veränderten, wurde aus dem Sonnenuntergangsschwimmen irgendwann ein Nachtschwimmen. Es war eine so schöne Erfahrung zu erleben, wie sich die Augen auf die Dunkelheit einstellten und eine besondere Achtsamkeit erwachte. Nicht einmal bei Neumond war eine Taschenlampe nötig. Mit allen Sinnen erlebte ich dies und speicherte die Erfahrungen ab. Nur Fotos gibt es vom nächtlichen Schwimmen nicht. 


Gerade schwimmen wir tagsüber, denn wir sind im Herbsturlaub, den wir zu Hause verbringen. Und noch immer ist das Schwimmen ein Highlight meines Tages, auch wenn es inzwischen kalt ist und mehr Überwindung kostet. Gestern war der erste Tag, an dem selbst meine inneren Organe zitterten und ich uns nach dem Bad den in diesem Jahr ersten heißen Gewürztee mit Milch und Honig kochte. Nun ist wirklich Herbst... Doch bis zum Sonntag wollen wir auf alle Fälle noch dabei bleiben, dann endet der Urlaub und mit ihm unser tägliches Ritual. Ich werde richtig wehmütig, wenn ich daran denke...



Was das Schwimmen für mich so schön macht? 

Es ist wohl das Eintauchen in diesen besonderen Lebensraum, ihn mit Geschöpfen zu teilen, die dort mehr noch als wir zu Hause sind. Wieviele Vögel wir im Laufe der Zeit erlebten, sahen und hörten! Winzlingsfische in kleinen Schwärmen, die nah am Ufer unterwegs waren und ein wenig nur zur Seite schwammen... Große Fische, die wie im Zeichentrickfilm aus dem See sprangen und mit der Schwanzflosse auf die Wasseroberfläche schlugen... Beim ersten Mal zweifelte ich an meiner Wahrnehmung, aber die nächsten Male glaubte ich meinen Augen. ;) Libellen, die im Zickzackflug über das Wasser flogen... Schwalben, die in imposanten Flugmanövern durch die Luft schossen und sich ihre Nahrung erjagten... Nun sind sie fort, gen Süden unterwegs. Fledermäuse in der Dämmerung - kleine und große... Enten, Blässhühner, Graugänse und vor allem Haubentaucher, die uns nie besonders nah herankommen ließen, sondern immer schnell abtauchten und an völlig unerwarteter Stelle wieder sichtbar wurden... Schwäne, die sich in all ihrer Schönheit präsentierten... Krähen und Elstern, die einander bekämpften... Graureiher, die am Ufer durch das seichte Wasser stakten oder ihre Schlafbäume aufsuchten... Bis dahin wusste ich gar nicht, dass Reiher auf Bäumen übernachten. Die Greifvögel über uns... Das schönste Greifvogel-Erlebnis war eine Bussardfamilie, die sich bei starkem Wind zu dritt in die Luft stellte und dort lange unbeweglich blieb...



Aber es ist auch das Erleben der Gleichzeitigkeit von Kontinuität und dem ständigen Wechsel und der immerwährenden Veränderung, was mich so erreicht. Manchmal war es völlig windstill und der See lag blank wie ein Spiegel vor uns.


Manchmal kräuselte ein Lüftchen das Wasser und es sah aus, als flöge ein Zittern über die Seeoberfläche. Ein andermal warf der Wind den See in Wellen und trieb uns ab - oft ohne dass wir es gleich merkten. Die Windrichtung wechselte und das Licht war immer anders. Wolken flogen über den Himmel, bewegten sich kaum merklich oder standen still über uns. Danke, dass sie nicht ein einziges Mal ihr Wasser über uns ausschütteten! (Wenn ich jetzt aus dem Fenster schaue, könnte heute der erste Tag sein, an dem wir auch von oben nass werden.)


Ich liebe es, vom Wasser aufgenommen, umhüllt, getragen, gehalten, geradezu liebkost zu werden und dadurch ganz in diesem einzigartigen Moment zu sein. Ich liebe es, in den nächtlichen Sternenhimmel zu schauen und mir diese Weite bewusst zu machen. Ich liebe es so sehr, mich als Teil des Ganzen zu begreifen.

...und DANKE für die Sternschnuppen und die reiche Zeit im See!

Kommentare:

Ramona hat gesagt…

Ach Jana, wie schön du das beschrieben hast. Ich kann das alles so nachempfinden! Und so traumhafte Fotos.

wolltrunken hat gesagt…

Ja, so ist das. "Von außen" sieht es immer völlig anders aus als wenn man dann tatsächlich im Wasser ist. Ich bin in diesem Sommer 45 mal geschwommen, zuletzt vorgestern bei 13°C Wassertemperatur. Lange werde ich es wohl nicht mehr schaffen, mein Mann dagegen schwimmt noch mindestens einige Wochen weiter, wenn nicht sogar den ganzen Winter durch. Ich "kneippe" dann wenigstens, während er schwimmt.

Liebe Grüße

von Birgit

Green Maren hat gesagt…

Einfach Wunderschön. Es macht viel Freude diesen Text zu lesen, vielen Dank dafür.

Sabine hat gesagt…

Was für wunderschöne Bilder danke fürs Zeigen!
Liebe Grüße Sabine

Sabine hat gesagt…

Was für wunderschöne Bilder danke fürs Zeigen!
Liebe Grüße Sabine

Pyrgus hat gesagt…

Danke schön für diesen Post. :)
Lieben Gruß
Gabi