Donnerstag, 3. November 2011

Die stille Zeit, die dunkle Zeit…

…begann für mich mit Samhain, dem Fest der Ahnen. Zum ersten Mal feierte ich diesen Tag mit gleichgesinnten Frauen. Danke für die Einladung, die Initiative, den R025aum, das wohlig wärmende Feuer im Ofen, die üppig gestaltete Mitte und die schöne Atmosphäre, Martina! Danke für die gemeinsame Fahrt, Ingrid! Danke für die Raku-Schale, Dorit! Danke für den geschlossenen Wiedersehenskreis, Uta! Wir werden gemeinsam durch das Jahr gehen, um in und mit der Natur die Jahreskreisfeste zu feiern. Danke, Oma Käthe… Und DANKE, dass sich mein Wunsch nach einem stärkeren Eingebundensein und nach in Gemeinschaft gelebten Ritualen so schnell erfüllt.

Loslassen… Die Natur lebt es vor. Der Baum lässt die Blätter fallen, um in Winterstille die neuen Knospen vorzubereiten, noch unsichtbar, noch nicht fühlbar.

Passend zum Thema will ich Euch eine gefilzte Gestaltung mit dem Titel “Ströme” zeigen, die nach dem Tod meines Schwiegervaters und der Geburt meines jüngsten Neffen entstand und seitdem in meiner Werkstatt hängt. So nah beieinander, fast gleichzeitig das Hinein ins Leben und das Heraus aus dem Leben…

Ströme 2

Loslassen… Wie schwer es mir oft fällt, genügend Vertrauen in das in Zyklen verlaufende Leben zu haben und bis ins Knochenmark hinein die Gewissheit sinken zu lassen, dass nichts bleibt, wie es ist und alles ist, wie es ist.

Loslassen… Grundannahmen, Urteile, Ängste und Befürchtungen, aber auch Hoffnungen gehen zu lassen, da sie selten mit eben diesem Augenblick, sondern häufig mit bereits vergangenen (oder in der Zukunft liegenden) Erfahrungen zu tun haben. Dieses Wissen ist ein Wissen, was zwar meinem Kopf zur Verfügung steht, das ich jedoch nur in besonderen Momenten aus Leib und Seele heraus bejahend fühlen kann.

Loslassen… Vom hohen Anspruch an mich selbst und  demzufolge auch an andere Menschen. Stattdessen wünsche ich mir, mit liebevollerem Blick auf die eigene (und fremde)  Fehlbarkeit und unsere Schatten zu schauen. Und ich werde mich meiner löchrigen Familiensaga zuwenden, um mich mit mir noch unbekannten Wurzeln vertrauter zu machen.

Die stille Zeit, die dunkle Zeit… eine Zeit, in der Fragen mir bedeutsamer sind als Antworten. Während die Fragen  einen neuen Raum eröffnen, schließen die Antworten eine Tür und wirken eher begrenzend und einschränkend.

Loslassen… heißt auch, Unsicherheit und Nichtwissen zuzulassen, die (vermeintliche) Kontrolle aufzugeben und ganz in DIESEM zitternden Herzschlag zu sein.

Ströme

Kommentare:

VerflixteWelt hat gesagt…

Liebe Jana,

was du da schreibst, bringt etwas in mir zum klingen. Danke dir für deine Worte, und ich freue mich für dich, dass du deinen Kreis gefunden hast! Das fehlt mir noch, und gemeinsam ist eben nicht einsam;)..


lieben Gruß,Dani

Ingrid hat gesagt…

Oh Jana, wenn du wüsstest, wie du mir mit deinen Gedanken aus der Seele sprichst! Wie oft muss frau noch durch den Regen gehen, um endlich zu kapieren, dass irgendwann danach wieder die Sonne scheinen wird? Wie oft muss der Verstand noch sagen, dass die Ängste sich auf Vergangenheit und Zukunft beziehen, bis auch das Gefühl begreift, dass im Hier und Jetzt alles wunderbar ist?
ingrid

Monika Görich hat gesagt…

Wunderbare Worte, die tief die Seele berühren. Danke dir dafür!

Els hat gesagt…

Wunderful post Jana !!!! It leaves me sitting and nodding yes: so true yet sometimes so difficult...
Wunderful work !

Christine hat gesagt…

Liebe Jana,
Du schreibst auch mir aus der Seele!
Aber das Loslassen können ist mir irgendwie nicht gegeben und ich weiß nicht, ob ich jemals gut damit umzugehen lerne...bei einem Verlust eines geliebten Mitmenschen kann mich neues Leben irgendwie auch nicht darüberhinwegretten, weil es alles so endgültig erscheint...
Liebe Grüße
Christine

Ev hat gesagt…

Liebe Jana,
das Loslassen von dieser Bestimmtheit, unbedingt eine Antwort finden zu müssen, empfinde ich als sehr wichtig. Und es funktioniert. Es gibt Momente, in denen es einfach (und mehr ist es nicht) reicht, zu sein.
Danke und herzlichste Dir,
Ev

bärbchen hat gesagt…

Hallo Jana,

ich habe jetzt deinen Blog bei mir verlinkt, weil er für mich so wertvolle Gedanken enthält, die ich teile. Auch diese hier. Wie wunderbar verstehst du es doch, unsere Gefühlswelt zu verbalisieren. Mein Körper wird z.Z. von einer Entzündung nach der anderen heimgesucht und ich bin verzweifelt. Um so wertvoller sind für mich deine Worte. Danke dafür!

LG Bärbel.

Anonym hat gesagt…

Liebe Jana,
ich wünsche dir ganz viel Gelingen auf dem Weg des Loslassens. Ich arbeite daran, stoße aber noch immer viel zu schnell an Grenzen. Suche noch immer meinen Platz im großen Ganzen......

LG Petra

Sheepy hat gesagt…

So viele wahre Worte, welche zum Nachdenken anregen.
Liebe Wochenendgrüße
Sheepy

linnea hat gesagt…

deine worte klangen lange in mir nach. und das bild, das du dazu gestaltet hast, ist wunderschön.
linnea